Susann Tittel
Susann Tittel über die Trauer und Momente des Glücks Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Glaubwürdig | 24.11.2018 Susann Tittel und ihre Sternenkinder

Susann Tittel hat zwei Kinder in der Schwangerschaft verloren. Für Mütter und Väter, die ihr Schicksal teilen, gründete sie in Pirna eine Initiative, die helfen soll, mit der Trauer umzugehen.

Susann Tittel
Susann Tittel über die Trauer und Momente des Glücks Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Susann wollte schon immer viele Kinder haben. Umso glücklicher war sie über hre zweite Schwangerschaft - mit Frieda. Es lief alles gut bis ganz zum Schluss, bis sie diesen unbeschreiblichen Schmerz spürte: Die Plazenta hatte sich zu früh gelöst. Obwohl das Krankenhaus nicht weit entfernt lag, starb Frieda kurz vor der Geburt im Mutterleib. Susann brachte Frieda auf natürlichem Weg zur Welt - ein sogenanntes Sternenkind.

Die Frage nach dem Warum

Susann Tittel
Susann Tittel am Grab ihrer Tochter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Viel Zeit über das Geschehene nachzudenken, blieb Susann damals im August 2013 nicht. Sie musste für ihre andere Tochter Helen da sein und trauerte mit ihr zusammen. Die Familie gestaltete auch den Sarg gemeinsam. Bis heute besucht Susann ihre Tochter Frieda einmal in der Woche auf dem Pirnaer Friedhof, um ganz nah bei Frieda sein. Die Frage nach dem Warum quält die Christin immer noch.  

Als Frieda geboren ist, habe ich massiv daran gezweifelt, dass es den Gott gibt ja, für was werde ich hier eigentlich bestraft, was habe ich denn verdammt noch mal verbrochen?

Susann Tittel

Ein Ort der Trauer für Eltern von Sternenkindern

Skulptur
Susan Tittel gründete in Pirna eine Initiative für Eltern von Sternenkindern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit der Verweiflung und der Trauer musste die damals 32-Jährige allein klarkommen, denn zu der Zeit gab es für Susann und ihre Familie noch keine Beratungsstelle, keinen Anlaufpunkt in Pirna. Susann gründete daraufhin eine eigene Initiative - für sich und andere Sternenkinder-Eltern. Sie begann, regelmäßige Treffen zu organisieren und angemessene Geburtstagsfeiern für jedes einzelne Kind zu planen.

Natürlich war ich am Anfang erschüttert in meinem Glauben. Ich habe alles hinterfragt, aber ich glaube einfach fest daran, dass meine Frieda irgendwo da oben ist, an einem besseren Ort und mit uns zusammen Geburtstag feiert.

Susann Tittel

Trauer und Momente des Glücks

Eien Gruppe Frauen steht auf einem Friedhof
Sie teilen ihre Trauer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Wunsch nach einem zweiten Kind war so stark, dass Susann es noch einmal wagte. Sie wurde erneut schwanger, diesmal mit Zwillingen. Das unbeschwerte Glück währte nicht lang: Schon im fünften Monat starb die Zwillingstochter im Mutterleib. Susann betete, dass der Zwillingsbruder in ihrem Bauch überlebt. Und tatsächlich - Kuno schaffte es. Sechs Wochen zu früh, aber gesund wurde der Sohn auf die Welt geholt –  und mit ihm die verstorbene Tochter Lola.

Die Trauer ist für Susann ein ständiger Begleiter geworden, doch durch den Austausch mit anderen Müttern in der Sternenkinder-Gruppe und kleine Rituale in ihrer Familie weiß sie inzwischen damit umzugehen.

Diese Trauerphase hört nie auf, aber zur Trauer gehört auch Glück und zur Trauer gehört es auch, wieder lachen können und sehen zu können, dass wir neben all dem Leid auch das Glück hatten, zwei gesunde Kinder an der Hand zu haben, das ist großes Glück.

Susann Tittel

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2018, 15:02 Uhr