Frauenfüße mit Ballenzehen in Sandaletten
Bildrechte: imago/Frank Sorge

Hauptsache Gesund | 28.03.2019 | 21:00 Uhr Hallux valgus: Was hilft bei Ballenzeh?

Hätte Aschenbrödel einen Ballenzeh gehabt, wäre das Grimm’sche Märchen wohl nicht gut ausgegangen. Der Tanz auf dem Ball wäre wegen Schmerzen versagt geblieben und der beweisführende Schuh hätte nicht gepasst. Doch keine Bange. Moderne Therapieverfahren ermöglichen heutzutage Schmerzfreiheit und schöne Füße.

von Katharina Jünemann

Frauenfüße mit Ballenzehen in Sandaletten
Bildrechte: imago/Frank Sorge

Marion Matheus ist eine aktive und lebenslustige Frau. Die Erzieherin war lange auch Sportlehrerin, geht regelmäßig ins Fitness-Studio und liebt das Skifahren. Irgendwann passte ihr rechter Fuß nicht mehr in den Skistiefel und sie hatte Schmerzen am großen Zeh. Als sich die Beschwerden nicht besserten, wurde sie im Frühjahr vergangenen Jahres erstmalig bei Jörn Schwede vorstellig, der Fußchirurg ist ärztlicher Leiter des Chirurgischen Zentrums Leipzig-Gohlis. Er diagnostizierte bei Marion Matheus einen stark ausgeprägten Hallux valgus. Wegen seiner auffälligen Form wird er im Volksmund auch Ballenzeh genannt. Die schmerzhafte Fehlstellung im Großzehengrundgelenk war bei Marion Matheus bereits so ausgeprägt, dass eine Operation unausweichlich wurde. Ein Jahr später, Anfang März dieses Jahres, ließ sie sich dann auch den linken Fuß operativ richten. Doch wie kam es überhaupt dazu?

Meist ab 50 und bei Frauen

Grafische Darstellung der Fußknochen bei einem Ballenzeh
Bildrechte: imago/Science Photo Library

Der sogenannte Hallux valgus ist die häufigste Form der Fehlstellung im Fußbereich. Schätzungsweise sind rund zehn Millionen Deutsche von einem Ballenzeh betroffen, vor allem Frauen ab dem 50. Lebensjahr. Bei den meisten Betroffenen tritt der Ballenzeh an beiden Füßen auf. Zwar ist eine familiäre Häufung ist zu beobachten, meist liegt der Grund jedoch in nicht fußgerechtem Schuhwerk. Zu hohe und zu enge Schuhe führen über die Jahre zu einem Spreizfuß. Dabei ist das Quergewölbe des Fußes stark abgeflacht und der vordere Fußbereich wird stärker belastet. In der Folge kann sich eine Deformierung des Grundgelenks im großen Zeh ausbilden und der Hallux valgus entsteht. Bei einem gesunden Fuß bilden Zeh und Mittelfußknochen eine gerade Linie. Bei einem Hallux valgus dagegen wird durch die Verformung des Mittelfußknochens das Zehengelenk zur Seite gedrückt und bildet den Ballen. Der große Zeh schiebt sich in Richtung der kleineren Zehen. Unternimmt man nichts, verkrümmt sich der Zeh zunehmend und wird steif. Durch die Reibung im Schuh ist der hervortretende Zehenballen gerötet und geschwollen. Schmerzen entstehen durch eine Entzündung der Schleimbeutel im Zehengelenk. Durch die Entzündung schwillt der Ballen noch weiter an und das Abrollen des Fußes wird immer schmerzhafter. Aufgrund der Fehlstellung der Großzehe können außerdem Knorpelschäden auftreten und eine Arthrose im Großzehengrundgelenk begünstigen.

Therapieauswahl nach Schweregrad

Auch wenn der Ballenzeh die häufigste Verformung im Fußbereich darstellt, muss er nicht bei allen Betroffenen zu starken Beschwerden führen. Die Behandlung des Hallux valgus richtet sich nach dem Schweregrad der Fehlstellung. Lässt sich der Großzeh noch in seine ursprüngliche Position zurückbewegen, sind konservative Behandlungsmethoden wie Polsterungen und Einlagen, Orthesen (Hallux-Schiene) sowie Fuß- und Zehengymnastik angezeigt. Gymnastik und Barfußgehen können vor allem in frühen Stadien den weiteren Verlauf positiv beeinflussen. Ungenügendes Training, falsche Belastung oder Inaktivität der Fußmuskulatur können die Ausprägung des Hallux valgus weiter verschlechtern. Zeigt die konservative Therapie nach einem Zeitraum von sechs Monaten keine Verbesserung der schmerzhaften Fehlstellung oder ist diese zu weit fortgeschritten, wird die operative Korrektur empfohlen.

So entschied sich auch Marion Matheus für eine Operation, denn sie korrigiert die Fehlstellung ihres Zehs dauerhaft, lässt die Schmerzen verschwinden und macht den Fuß wieder schön. Abhängig vom Schweregrad stehen verschiedenen Operationstechniken zur Verfügung. Je stärker die Fehlstellung, desto weiter hinten am Zeh muss operiert werden. Marion Matheus kann aufatmen und wieder mit beiden Füßen fest im Leben stehen.

Was es nach einer Ballenzeh-Operation zu beachten gilt

Fuß mit Pflaster nach Operation
Bildrechte: imago/Müller-Stauffenberg

Der Heilungsprozess nach einer Ballenzeh-Operation dauert je nach Schweregrad zwischen vier und sechs Wochen. Für diesen Zeitraum muss ein Vorfußentlastungsschuh getragen werden. Der Spezialschuh verhindert das Abrollen des Fußes über den Großzeh und ermöglicht den Patienten, direkt nach der Operation wieder zu laufen. Nach circa sechs Wochen dürfen dann weite und bequeme Schuhe getragen werden. Zur Stabilisierung und Kräftigung des Fußes ist die postoperative Fußgymnastik notwendig. Eine Massage des Fußgewölbes mit einem weichen Tennisball kann unterstützend helfen. Lymphdrainage, Schonung und Hochlagerung des Fußes fördern eine schnellere Wundheilung und das Abschwellen des Vorfußes. Eine Thromboseprophylaxe wird hierfür dringend angeraten. Um die Sehnen und Muskeln des operierten Fußes optimal wieder aufbauen zu können, sollte der andere Fuß gesund sein. Bei einer beidseitigen Fehlstellung sollte bis zur zweiten Operation deshalb mindestens drei Monate gewartet werden.

Keine Operation ist ohne Risiko. Zur Korrektur des Ballenzehs werden Schrauben oder Fixationsdrähte verwendet, im ungünstigen Fall kann es dort zu Entzündungen und bleibenden Schmerzen kommen. Außerdem sind bestimmte Vorerkrankungen ein Ausschlusskriterium für den Eingriff. Vor einer Operation wird daher unter anderem der Durchblutungsstatus des Fußes eingehend untersucht.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 28. März 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2019, 09:14 Uhr