Eine Pflegeassistentin aus China
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Hauptsache Gesund | exklusiv Experten: Spahn-Vorschläge zum Pflegepersonalmangel sind realitätsfremd

Die Pflegewissenschaftler Prof. Thomas Fischer und Dr. Patrick Jahn halten die Vorschläge von Gesundheitsminister Jens Spahn für realitätsfremd. Spahn hatte vorgeschlagen, den Personalmangel mit Mehrarbeit zu beseitigen.

Eine Pflegeassistentin aus China
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Die Reformvorschläge von Gesundheitsminister Jens Spahn für die Lösung des Personalproblems in der Pflege gehen an der Realität vorbei. So schätzen es die Pflegewissenschaftler Prof. Thomas Fischer von der Evangelischen Hochschule für Pflege in Dresden und Dr. Patrick Jahn, Leiter der Stabsstelle Pflegeforschung an der Uniklinik Halle, gegenüber Hauptsache Gesund übereinstimmend ein. Spahn hatte vorgeschlagen, den Personalmangel im Pflegesektor mit Mehrarbeit und/oder einem sozialen Pflichtjahr zu beseitigen.

Teilzeit und Nebenjobs wegen schlechter Bezahlung

Prof. Thomas Fischer sagt zu den Spahn-Vorschlägen: "Besonders im Osten Deutschlands arbeiten viele Pflegekräfte tatsächlich in Teilzeit. Sie können aber gar nicht mehr Stunden arbeiten, da sie wegen der schlechten Bezahlung oft auf Nebenjobs angewiesen sind." Außerdem würden gerade im ambulanten Bereich von vornherein von den Trägern oft nur Teilzeitverträge ausgegeben. Fischer fordert, regionale Unterschiede bei der Bezahlung abzuschaffen, besser bezahlte Teilzeit- und Vollzeitverträge anzubieten, vernünftige Arbeitszeiten und eine generelle Wertschätzung des Pflegeberufs – nur so könne die Branche attraktiv für neue Arbeitskräfte werden.

Belastend und arbeitsintensiv

Dr. Patrick Jahn, der unter anderem auch Vertreter im Deutschen Pflegerat ist, pflichtet dem bei: "Entgegen Spahns Vorstellungen machen die Mitarbeiter in den Pflegeberufen, die Teilzeit arbeiten, das oft nicht freiwillig." Zweitens würden viele der Belastung einer Vollzeittätigkeit nicht standhalten, da die Betreuung zu arbeitsintensiv sei. "Es kommen zu viele Patienten auf eine Kraft, Zeit für Zuwendung bleibt auf der Strecke, es kann nur abgearbeitet werden", beschreibt Dr. Jahn das Pflegefiasko.

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2018, 09:29 Uhr