Hauptsache Gesund | 28.03.2019 | 21:00 Uhr So kommen Frauen gut durch die Wechseljahre

Hitzewallungen und Schweißausbrüche sind typische Beschwerden während der Wechseljahre. Doch wann genau ist eine Frau eigentlich in den Wechseljahren? Wie lange dauern sie? Und wann helfen pflanzliche Mittel oder eine Hormonersatztherapie?

von Jana Olsen

Frau in den Wechseljahren vor Ventilator
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Es ist ein Thema, das bei Frauen immer wieder für Verunsicherung sorgt: die Wechseljahre. Etwa ab Mitte 40 stellt sich der Körper der Frau darauf ein, keine Kinder mehr zu bekommen. Denn die Eierstöcke verfügen nur über einen endlichen Vorrat an Eizellen, der irgendwann aufgebraucht ist. Damit geht die Produktion des weiblichen Sexualhormons Östrogen zurück, das an vielen Prozessen im Körper beteiligt ist. Bemerkbar macht sich der Rückgang zunächst dadurch, dass die Monatsblutung seltener wird, bis sie ganz aussetzt. Vor allem in der Zeit um die letzte Periode herum sind die Hormonschwankungen am stärksten. Während manche Frauen jedoch gar nichts davon merken, werden andere regelrecht aus der Bahn geworfen. "Etwa ein Drittel der Frauen verspürt keine Beschwerden, ein Drittel hat leichte und ein Drittel schwere Einschränkungen der Lebensqualität", sagt Gynäkologin und "Hauptsache Gesund"-Studioexpertin Dr. Cornelia Hösemann.

 Typische Symptome

Am häufigsten klagen die betroffenen Frauen über Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Aber auch Schlafstörungen, Herzrasen und Stimmungsschwankungen werden mit den hormonellen Veränderung in Verbindung gebracht. Sie können, müssen aber nicht unbedingt damit zusammenhängen. Eine Studie der Uniklinik Dresden zeigte 2015, dass diese Beschwerden generell mit dem Alter zunehmen. Dafür wurde der Fragebogen zu Wechseljahressymptomen "Menopause Rating Scale" 1400 Frauen im Alter von 14 bis 92 Jahren vorgelegt. Als typisch für die Wechseljahre erwiesen sich Hitzewallungen und Schweißausbrüche, für die anderen Symptome gab es keine übermäßigen Häufungen im Vergleich zu den anderen Altersstufen. Fest steht aber, dass der Beginn und die Dauer der Wechseljahre individuell sehr verschieden ist.

Das können Frauen selbst tun

In der Zeit um die 50 nimmt nicht nur die Produktion des Hormons Östrogen ab. Auch der Stoffwechsel verlangsamt sich, der Energiebedarf sinkt, die Muskelmasse nimmt zugunsten des Fettanteils ab. Viel Bewegung und eine gesunde Ernährung helfen, das Gewicht im Lot zu halten, den Schlaf zu verbessern und die Stimmung zu heben. Zudem ist es eine Zeit, sich selbst zu hinterfragen, neue Ziele zu setzen und die innere Balance zu finden. Bei Nervosität und Gereiztheit helfen Entspannungstherapien und es muss keineswegs zwingend Hormonyoga sein.

Pflanzliche Mittel

Bei mittleren Beschwerden können Phythoöstrogene, also pflanzliche Mittel, gegen Wechseljahresbeschwerden helfen. Hier gibt es eine Vielzahl von Präparaten.

getrocknete Wurzelstücke der Traubensilberkerze
Wurzelstücke der Traubensilberkerze Bildrechte: imago/imagebroker

Die Zeitschrift Ökotest testete im vergangenen Jahr 25 verschiedene Mittel und kam zu dem Ergebnis, dass nur Präparate mit Traubensilberkerze wirklich überzeugen. Studien zeigen, dass es zu einer Verbesserung der körperlichen und psychischen Beschwerden kommt. "Wichtig zu wissen ist allerdings, dass die Wirkung nicht wie bei einem Schmerzmittel innerhalb weniger Stunden eintritt, sondern, dass es zwei bis vier Wochen braucht", gibt die Leipziger Apothekerin Kornelia Witzel zu bedenken.

Rotklee und Soja werden ebenfalls vielfach empfohlen. Allerdings ist deren Wirkung im Gegensatz zur Traubensilberkerze nicht nachgewiesen. Zudem enthalten sie pflanzliche Hormone, weshalb sie für Brustkrebspatientinnen nicht geeignet sind. "Die Meinung, dass pflanzliche Präparate harmlos sind, muss wirklich kritisch hinterfragt werden. Das stimmt einfach nicht", warnt Professorin Bahriye Aktas, Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde der Uniklinik Leipzig. "Wir haben keine Daten zu pflanzlichen Präparaten, wie sie in der Interaktion und bei der Einnahme über einen längeren Zeitraum wirken."

Unbedenklich und bei leichten Beschwerden hilfreich sind dagegen klassische Heiltees. Salbeitee hilft gegen Schweißausbrüche und Hitzewellen. Am besten lauwarm trinken, sonst droht die nächste Hitzewelle.

Hormone nehmen oder nicht?

Keiner Frau würde man automatisch Hormone verschreiben, nur weil sie in die Wechseljahre kommt. In schweren Fällen kann eine Hormonersatztherapie jedoch durchaus sinnvoll sein, so der Stand der aktuellen Leitlinien. Sie empfehlen den Einsatz bei starken Beschwerden, in der niedrigstmöglichen Dosierung und so kurz wie nötig. Dennoch war die Einnahme von Hormonen in den letzten Jahren stark umstritten. Manche Präparate können das Risiko für Brustkrebs, Thrombosen und Schlaganfälle erhöhen. Ob dieses Risiko tatsächlich zum Tragen kommt, hängt von individuellen Faktoren ab. Patientinnen, die bereits eine Brustkrebserkrankung durchgemacht haben, wird beispielsweise von einer Hormonersatztherapie abgeraten. Bei einem erhöhten Thromboserisiko ist die Gefahr geringer, wenn die Hormone nicht eingenommen, sondern über Pflaster und Gels auf die Haut aufgebracht werden. Auf der anderen Seite können Hormone sogar eine schützende Wirkung vor Osteoporose haben. Wichtig ist hier immer ein ausführliches Gespräch mit dem behandelnden Gynäkologen, bestätigt auch Studioexpertin Dr. Cornelia Hösemann, so können Risiken und Chancen der Therapie gegeneinander abgewogen werden.

Anwendungsformen von Hormonen

Frau in den Wechseljahren mit Tablette
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Tabletten: Es gibt Kombipräparate und einzelne Östrogen- oder Gestagen-Tabletten in unterschiedlichen Dosierungen. Wird Östrogen als Gel über die Haut verabreicht, nehmen Frauen in der Regel zusätzlich eine Gestagen-Pille. Frauen, denen die Gebärmutter entfernt wurde, erhalten nur Östrogen.

Gel: Es wird einmal täglich auf die Haut aufgetragen, ist farb- und geruchlos und lässt sich sehr niedrig dosieren. Studien haben gezeigt, dass bei der Hormongabe über die Haut im Vergleich zu Tabletten kein gesteigertes Thromboserisiko auftritt.

Pflaster: Es wird auf die Haut geklebt und ist in verschiedenen Dosierungen erhältlich. Man kann damit duschen. Es muss einmal die Woche erneuert werden.

Spray: Ein- bis zweimal täglich wird damit in die freie Nase gesprüht. Manchmal kommt es dabei zu einem leichten Kribbeln.

Cremes und Zäpfchen: Trockenheit und Entzündungen der Scheide sind ein weit verbreitetes Problem mit Beginn der Wechseljahre. Zäpfchen und Cremes helfen dann, die Schleimhaut der Scheide wieder aufzubauen.

Akupunktur lindert Beschwerden

Auf dem Rücken einer Frau werden Akupunkturnadeln gesetzt
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Fünf wöchentliche Akupunktursitzungen scheinen Wechseljahresbeschwerden zu lindern und sind eine Alternative zur Hormontherapie, so das Ergebnis einer aktuellen dänischen Untersuchung. An der Studie der Universität Kopenhagen beteiligten sich 70 Frauen mit moderaten bis schweren Hitzewallungen. Die Hälfte wurde genadelt, die andere nicht. Insgesamt gaben 80 Prozent der Frauen, die akupunktiert wurden, an, positive Effekte der Behandlung zu spüren. Insbesondere die Hitzewallungen nahmen ab. Auch bei anderen Beschwerden zeigten sich Verbesserungen. So gaben die Frauen in der Akupunkturgruppe an, weniger zu schwitzen und besser zu schlafen. Wie lange der Therapieerfolg anhält, ließen die Forscher jedoch offen. Dennoch scheinen schon wenige Anwendungen die subjektiven Beschwerden zu verbessern, weshalb die Forscher Akupunktur als sinnvolle Option für Frauen betrachten, die keine Hormontherapie bekommen können oder wollen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 28. März 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2019, 09:21 Uhr