männliche Haselnussblüten
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Hauptsache Gesund | 21.02.2019 | 21:00 Uhr Aggressive Pollen: Es geht wieder los!

Die ersten Pollen sind unterwegs. Menschen mit einer Allergie merken das sofort. Davon gibt es immer mehr und immer häufiger entwickeln sich allergische Reaktionen im fortgeschrittenen Alter. Wir erklären, was bei Heuschupfen hilft und warum Pollen in der Stadt aggressiver sind.

von Barbara Legner-Meesmann

männliche Haselnussblüten
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War Heuschnupfen früher ein relativ seltenes Leiden, hört man in den letzten Jahren immer häufiger davon. Und tatsächlich: HNO-Ärzte stellen fest: die Zahl der Pollenallergiker steigt seit Jahren und häufig entwickeln Menschen erst im fortgeschrittenen Lebensalter eine Allergie. Wie kommt das?

Obwohl es eigentlich noch Winter ist und weit und breit keine Blüten zu entdecken sind, fängt bei Heike Glatzel die Nase schon wieder an zu laufen. "Irgendwas ist in schon in der Luft, das merke ich!", sagt sie. Seit gut zehn Jahren leidet die 55-jährige Leipzigerin unter Heuschnupfen. Als sie 42 Jahre alt war, traten die Symptome zum ersten Mal auf. Anfangs dachte sie gar nicht an Heuschnupfen, aber als der Schnupfen nicht vergehen wollte, sich über den ganzen Frühling und Sommer hinzog, ging sie doch zu einer HNO-Ärztin.  Die bestätigt, dass sie an einer Pollenallergie leidet.

Pollenallergie-Symptome

Eine Frau putzt sich die Nase.
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Denn der anhaltende Fließschnupfen mit klarem Nasensekret, die geschwollenen Nasenschleimhäute und das Augenjucken, unter denen Heike Glatzel leidet, sind für die Ärztin klare Heuschnupfen-Anzeichen. Außerdem litten andere Patienten noch unter Nies-Attacken, Hals-Kratzen oder einem Juckreiz im Ohr, sagt Hals-Nasen-Ohrenärztin Dr. Janet Oppermann vom Leipziger Kopfzentrum.

Welche Allergie ist es? Der Prick-Test

Pricktest
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In der HNO-Klinik wurde bei Heike Glatzel zunächst der subkutane Hauttest, auch Prick-Test genannt, durchgeführt. Dabei werden 21 verschiedene Allergene auf den Unterarm getropft und dann mit einer feinen Nadel in die Haut gebracht. Bereits nach einer Viertelstunde sieht man an den Einstichstellen Reaktionen ähnlich wie bei Insektenstichen. Ergebnis bei Heike Glatzel: Sie reagiert auf die Pollen von Frühblühern wie etwa der Erle und von Gräsern, zum Beispiel Roggen. Auf andere Pollen oder Allergene wie Schimmelpilze, Tierhaare oder Milben reagiert sie dagegen nicht.

Behandlung von Pollenallergien

Die Symptome der Pollenallergie lassen sich mit antiallergischen Augentropen, Nasensprays und in starken Fällen auch Tabletten (Antihistaminika) gut in den Griff bekommen. Andererseits richten diese nichts gegen die Allergie an sich aus. Hier empfehlen Allergologen und HNO-Ärzte bei immer wiederkehrenden Symptomen eine Desensibilisierung.

"Über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren werden den Patienten dabei in bestimmten Abständen immer höhere Dosen von Allergenen gespritzt, sodass der Körper sich daran gewöhnt und desensibilisiert", sagt HNO-Ärztin Dr. Janet Oppermann. Zwar habe man auch dann keine Garantie, dass die Heuschnupfen-Symptome ganz verschwänden, aber sie seien in der Regel weniger heftig. Außerdem verhindere die Desensibilisierung, dass sich noch weitere Allergien bildeten oder die Pollenallergie sich verstärke und einen sogenannten "Etagenwechsel" vollziehe, sich also auf die Bronchien lege und daraus ein Asthma werde, erklärt die Ärztin. Eine solche Desensibilisierung kann in jedem Alter gemacht werden. Nicht immer sind dabei Spritzen notwendig. Manche Allergene können auch sublingual, also unter die Zunge gegeben werden.

Aggressive Stadtpollen

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Hinzu kommt, dass die Pollen in der Stadt aggressiver sind, weil sie sich hier mit den Staubpartikeln in der Luft verbinden. Dadurch werden sie vom Immunsystem leichter erkannt und lösten eine heftigere Reaktion aus als Pollen auf dem Land.

Die Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann forscht genau zu diesem Phänomen und tatsächlich konnte sie nachweisen, dass Pollen aus der Stadt deutlich stärkere Reaktionen hervorrufen als Pollen vom Land.

Praktische Tipps im Alltag

"Auch wenn man sich vor Pollen in der Luft nicht gänzlich abschirmen kann, gibt es doch einige Tipps, die das Leben für Allergiker einfacher machen", sagt die Leipziger HNO-Ärztin und Allergologin Dr. Ricarda Haferkorn:

Frau öffnet Fenster.
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  • Auf dem Land besser abends lüften, denn morgens ist die Pollenbelastung dort besonders hoch. In der Stadt ist es anders herum: Weil die Pollenbelastung hier morgens niedrig ist, besser am Morgen lüften.
  • Getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer aufbewahren! Denn an den Kleidern vom Tag haften oft noch Pollen von draußen und erschweren dem Heuschnupfen-Patienten unter Umständen auch das Leben in der Nacht.
  • Beim Autofahren lassen Sie die Fenster besser geschlossen! Auch die Lüftung sollte ausgeschaltet bleiben. Am besten lassen Sie sich einen Pollenfilter einbauen und achten auf regelmäßige Filterwechsel.
  • Haare täglich abends waschen! Besonders in den Haaren verfangen sich viele Pollen. Diese können nachts Probleme machen, deshalb sollten Allergiker in der Pollensaison jeden Abend ihre Haare waschen.
  • Wer seinen Urlaub frei planen kann, sollte in der Pollenhochsaison verreisen. Fahren Sie ans Meer oder ins Mittel- und Hochgebirge! Dort gibt es fast keine Pollen und Sie können entspannt Luft holen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 21. Februar 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2019, 07:53 Uhr