Augenarzt Dr. Fabian Lehmann untersucht eine Patientin.
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Hauptsache Gesund | 21.03.2019 | 21:00 Uhr Augeninfarkt - was ist das und wer hilft?

Ein Augeninfarkt geht oft einher mit einer verringerten Sehkraft. Schmerzen treten dabei nicht auf. Warum das tückisch ist und bei welchen Symptomen man unbedingt zum Arzt gehen sollte, verraten wir Ihnen hier.

von Matthias Toying

Augenarzt Dr. Fabian Lehmann untersucht eine Patientin.
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Margot D. blickt aus der Laube in ihren kleinen Garten - auf die blühenden weißen Margeriten. Doch: Ein dunkler Schleier hat sich scheinbar über die Blumen gelegt. Die Rentnerin hält sich mit der flachen Hand ein Auge zu. Jetzt sind die Margeriten wieder weiß. Sie hält das andere Auge zu: Die Margeriten sind lila. Schmerzen hat sie nicht. Vier Tage später erst geht sie in eine Universitäts-Augenklinik, im Stadtteil Eppendorf.

Arterien im Auge verstopft

Prof. Martin Spitzer diagnostiziert einen Augeninfarkt - eine der winzigen Arterien in ihrem Auge ist verstopft. Dadurch wird der Sehnerv nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Rauchen und hoher Blutdruck erhöhen das Risiko, einen Augeninfarkt zu bekommen. Nikotin verengt die Gefäße und behindert so die Blutversorgung im Auge. Außerdem kann der Blutstrom irgendwo im Körper, in einem Blutgefäß, Kalkablagerungen ablösen.

Computergrafik: Blutkörperchen in einer verengten Arterie
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Solche winzigen Teile schwimmen dann mit dem Blut in entfernte kleine Gefäße. So gelangen sie auch in die mikroskopisch kleinen Arterien, die das Auge versorgen. Sind die Gefäße besonders eng, weil sich womöglich auch dort Ablagerungen gebildet haben, können sie leicht verstopfen. Dann tritt ein, was der Volksmund "Sehsturz" und der Mediziner "Augeninfarkt" nennt.

Prof. Martin Spitzer über Margot Duddeks Fall: "Es hätte durchaus auch eine Entzündung sein können, wo das Risiko erheblich ist, dass das zweite Auge befallen wird oder sich die Situation auf dem betroffenen Auge noch weiter verschlechtert. Glücklicherweise war das bei ihr nicht der Fall." Bei ihr sei zum Glück auch nicht die Hauptschlagader im Auge betroffen gewesen. Darum gäbe es für sie Heilungsaussichten.

Beste Heilungschancen in den ersten 90 Minuten

Augenoperation mit LASIK Methode
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"Mitunter ist es nicht nur eine kleine Arterie, sondern die Hauptschlagader im Auge, die verstopft ist. Dann geht die Sache weit weniger glimpflich ab", meint Prof. Matus Rehak, Leitender Oberarzt an der Universitäts-Ausgenklinik in Leipzig. Leider kämen nur etwa zehn Prozent der Patienten rechtzeitig zur Behandlung. Das Sehvermögen zu verbessern oder wieder ganz herzustellen, diese Chance hätten die Ärzte nur, wenn der Patient sich in einem Zeitfenster von etwa 90 Minuten in Behandlung begibt. Darum sei es nicht verkehrt, den Notarzt zu rufen, jedenfalls dann, wenn es plötzlich schwarz wird vor einem Auge, als sei der Lichtschalter umgelegt worden.

"Wenn Patienten innerhalb von viereinhalb Stunden zu uns kommen, ist eine Behandlung noch möglich. Wir versuchen dann, den Verschluss mit Medikamenten aufzulösen. Das machen wir genauso, wie die Kollegen von der Neurologie bei Schlaganfallpatienten. Danach ist allerdings nichts mehr zu machen, da stirbt die Hoffnung auf eine Verbesserung des Sehens", erklärt Prof. Matus Rehak. Nur in einigen seltenen Fällen, in denen die zentrale Arterie nicht betroffen sei, könne sich der Verschluss von selbst wieder auflösen und das Auge erholt sich. In der Regel bleibe die Sehkraft ohne Behandlung schlecht.

Behandlungsmöglichkeiten

In den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Augenheilkunde rasant entwickelt, sagt Prof. Matus Rehak. Man müsse aber wissen, dass das Auge auf eine spezielle Art gebaut sei. Arterien, also die Gefäße, die das Blut vom Herzen weg, durch den Körper transportieren, sind normalerweise getrennt von den Venen, also den Gefäßen, die das Blut zum Herzen hin pumpen. Im Auge sei das anders. Hier liegen Arterien und Venen sehr eng beieinander, teilweise umschließen sie sich. Dehnt sich also ein Gefäß aus, zum Beispiel eine Arterie durch Arteriosklerose, drückt sie gleichzeitig auf die Vene. Dadurch wird der Abfluss des Blutes durch die Vene behindert.

Auge einer jungen Frau wird mit Augentropfen behandelt
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So haben Gefäßverschlüsse im Auge meist ihren Ursprung in der Erkrankung einer Arterie. Leider habe die Medizin bislang nichts Neues herausgefunden, um einen zentralen Arterienverschluss wirksam zu behandeln. "Wir hatten vor etwa zehn Jahren schon versucht, mit einem Katheter in die kleinen Gefäße im Auge heranzukommen und dort Medikamente einzuspritzen", erzählt Prof. Rehak. "So wie man das mit einem Herzkatheter macht. Das ist ein aufwändiges Verfahren. Nicht jeder Operateur ist in der Lage, das zu machen. Doch die meisten Patienten waren leider viel zu spät auf dem OP-Tisch, so dass auch diese Methode nicht wesentlich geholfen hat."

Bei Verschlüssen der Augenvenen sei die Lage ganz anders. Die Blutversorgung sei dann nicht komplett abgeschnitten, sondern das Blut staue sich im Augenhintergrund. Es entstehe eine Schwellung in der Mitte der Netzhaut, also am Punkt des schärfsten Sehens. Hier habe sich die Behandlung wirklich revolutioniert. "Wir haben inzwischen Medikamente, die wir direkt ins Auge, in den Glaskörperraum einspritzen können. Sie wirken abschwellend. So können wir heute die Sehkraft deutlich verbessern, mitunter sogar komplett wieder herstellen. Vor zehn Jahren hätten wir solchen Patienten kaum helfen können", betont Prof. Matus Rehak.

So können Sie vorbeugen

Cholesterinwerte auf der Auswertung eines Blutbilds
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Man selbst kann auch vorbeugen. "Durch eine gesunde Lebensweise, die eigentlich vor allen Stoffwechselerkrankungen schützt", meint Prof. Rehak. "Das wichtigste ist, Bluthochdruck zu vermeiden. Diabetiker sollten den Zuckerspiegel gut einstellen. Die Fettstoffwechsellage hat Einfluss, darum müssen die Cholesterinwerte stimmen. Und nicht rauchen!"

Im "Journal of Neuro-Ophtalmology" wurde eine Studie veröffentlicht, nach der Viagra einen Augeninfarkt auslösen könne. "Viagra wirkt auf die Muskeln in den Gefäßwänden", führt Prof. Rehak aus. "Es kommt zu einer Kontraktion, so dass die Gefäße verengt werden. Damit wird der Blutfluss behindert. Wer Viagra nehmen möchte, sollte vorher abklären, ob er ein Risikopatient ist", rät der Mediziner.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 21. März 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 12:56 Uhr