ayurvedisches Essen
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Hauptsache Gesund | 07.06.2018 | 21:00 Uhr Reizdarmsyndrom: Wie ayurvedisches Essen hilft

Ayurveda ist eine Heilkunst, die sich sehr gut mit der westlichen Naturheilkunde kombinieren lässt. Am Berliner Immanuel Krankenhaus erforschen Ernährungs- und Manualtherapeuten unter der Leitung von Professor Andreas Michalsen die Wirksamkeit der ayurvedischen Therapie.

von Claudia Hempel

ayurvedisches Essen
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Reizdarmsyndrom – Was ist das?

Anzeichen dieser Störung der Darmfunktion, für die sich meist keinerlei organische Ursache finden lässt, sind Verstopfung oder Durchfall, Bauchschmerzen und allgemeines Unwohlsein.  Frauen sind meist doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Besetzt-Schild an einer Toilette
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Momentan haben Ärzte noch keine Ursache für das Reizdarmsymptom gefunden, sodass auch die Behandlung sehr schwierig ist.  Fest steht, dass der Darm von einem engen Geflecht verschiedener Nerven durchzogen ist, die bei einem Reizdarmsymptom gestört sind.

Bei einigen Patienten verschwinden die Beschwerden nach einer Ernährungsumstellung, daher versuchen viele Therapieansätze die Ernährung in den Mittelpunkt der Behandlung zu stellen.

Die drei Prinzipien der ayurvedischen Ernährung 1) Immer warm essen

2) Regelmäßig essen. Als ideal gilt: 7 Uhr Frühstück, 12 Uhr Mittagessen und 6 Uhr Abendbrot

3) Leicht verdaulich essen

Gespräch mit dem Ayurveda-Ernährungstherapeuten Elmar Stapelfeldt vom Immanuel Krankenhaus Berlin

Frage: Seit Anfang 2017 läuft bei Ihnen eine Studie mit der Fragestellung, ob die ayurvedische Ernährungstherapie bei Reizdarmsymptomen helfen kann. Wie unterscheiden sich die Empfehlungen der indischen Heilkunst von denen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung?

Elmar Stapelfeldt: Die ayurvedische Ernährungstherapie basiert nicht auf einem molekularbiologischen Erklärungsmodell, wir schauen also nicht, ob eine Glutenunverträglichkeit vorliegt oder eine Laktoseintoleranz, wir gehen anders an die Sache heran. Uns geht es um das innere Milieu. Wir schauen, welche Eigenschaften die Nahrungsmittel haben und wie sich ein Nahrungsmittel insgesamt auswirkt. Wird es im Körper gut transportiert, also verwertet? Oder anders gefragt: Wie groß ist die Energie, die der Körper hineinstecken muss, um ein Nahrungsmittel zu zerkleinern und zu verstoffwechseln, also zu verarbeiten? Da kann ein Lebensmittel, welches hierzulande als gesund gilt, innerhalb der ayurvedischen Ernährungstherapie schädlich sein.

F: Haben Sie dafür ein Beispiel?

Luftbläschen in der Milch
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E. S.: Kuhmilch. Sie ist nach ayurvedischem Verständnis verantwortlich für häufigen oder weichen Stuhlgang, aber nicht im Sinne einer Allergie. Es gehört zu den Eigenschaften der Milch an sich, den Stuhlgang weicher und flüssiger zu machen. Das können wir bei einer Tendenz zu Verstopfung nutzen, bei Durchfall aber müssen wir die Kuhmilch auf jeden Fall meiden. Ziegenmilch hingegen bindet den Stuhl, das funktioniert sehr gut, vor allem wenn man sie aufkocht. Das gleiche gilt für Reis. Auch der bindet den Stuhl und ist überdies sättigend.

F: Was machen Sie mit den Patienten innerhalb der Studie?

E.S.: Zunächst einmal treffe ich mich mit ihnen für ein langes und ausführliches Gespräch. Dabei möchte ich nicht nur die Ernährungsgewohnheiten des Patienten kennenlernen, sondern auch andere Aspekte seines Lebens und seiner Persönlichkeit.

Danach erstelle ich einen Ernährungsplan für die Patienten. Dort stehen die Dinge drauf, die sie meiden sollen und die Nahrungsmittel, welche in ihrem Fall sehr günstig sind.

Parallel dazu heißt ayurvedische Ernährung aber auch: drei Mahlzeiten täglich und keine Zwischenmahlzeiten, damit der Körper in Ruhe verdauen kann.

F: In der ayurvedischen Ernährungstherapie spricht man vom Verdauungsfeuer. Was heißt das?

E.S.: Das ist ein schönes Bild, das ich auch in meiner Therapie oft verwende. Dieses Verdauungsfeuer ist wie eine Art Herd, der am Starkstrom angeschlossen ist; jedes Mal, wenn wir eine Mahlzeit verdauen, zieht es ordentlich Strom. Daher werden wir nach einer schweren Mahlzeit so oft müde.  Nimmt man die Mahlzeiten warm zu sich, kann  man also viel Energie sparen: Werden die Mahlzeiten außerhalb des Körpers gekocht, muss man sie nicht im Körper „kochen“ und spart „Strom“.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Studie gesucht Für eine Studie zur ayurvedischen Ernährung bei Reizdarmsyndrom sucht das Immanuel Krankenhaus Berlin derzeit noch Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Alle Patienten zwischen 18 und 70 Jahren mit der Diagnose Reizdarmsyndrom können daran teilnehmen. Die Teilnahme ist kostenlos. Ineressenten melden sich bitte bei:

Miriam Rösner
Study Nurse der Hochschulambulanz für Naturheilkunde
der Charité-Universitätsmedizin Berlin 
am Immanuel Krankenhaus Berlin 
Am Kleinen Wannsee 5D 
Tel: 030 80505-682
Mail: naturheilkunde.studien@immanuel.de

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 07. Juni 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2018, 09:46 Uhr