Fadenkreuz über der menschlichen Hüfte.
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Hauptsache Gesund | 14.06.2018 | 21:00 Uhr Wenn das Becken in Schieflage gerät

Ein schiefes Becken verursacht oft Rückenschmerzen. Denn die gesamte Körperstatik gerät aus dem Gleichgewicht. Die Gründe für den Schiefstand variieren – von Muskelverspannungen, Verletzungsfolgen bis hin zu ungleich langen Beinen. Die richtige Therapie soll das Becken wieder ins Lot bringen.

von Marlen Schernbeck

Fadenkreuz über der menschlichen Hüfte.
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Unser Becken ist das Kraftzentrum unseres Körpers. Es verbindet die Beine mit dem Rumpf und ermöglicht so den stabilen aufrechten Gang. Gebildet wird es aus den seitlichen Hüftbeinen und dem Kreuzbein. Sie formen einen stabilen Ring, der von einem festen Bandapparat zusammengehalten wird. Kippt das Becken dauerhaft zur Seite, wirkt sich das auf den weiteren Bewegungsapparat aus. Die Folgen reichen von Rückenschmerzen bis hin zu Kopf- und Kniebeschwerden. Doch wie kommt es überhaupt zu einem Beckenschiefstand?

Ungleich lange Beine

Beine von Frauen, die hinter einem Baum auf einer Parkbank sítzen.
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Der erste Verdacht fällt meistens auf die Beine. Tatsächlich haben mehr als zwei Drittel der Menschen ungleich lange Beine – ähnlich wie die Nasenhälften ungleich sind oder die Augen in unterschiedlicher Höhe liegen. Oft ist die Asymmetrie aber so gering ausgeprägt, dass die Muskulatur sie problemlos ausgleichen kann und somit keine Beschwerden entstehen.

Erst ab einem Beinlängenunterschied von mehr als einem Zentimeter kann es langsam problematisch werden. Um den Oberkörper aufrecht zu halten, versucht der Körper die Differenz mit einer Krümmung der Wirbelsäule auszugleichen. Dadurch werden sämtliche Elemente des Rückgrats in Mitleidenschaft gezogen, indem sie überdehnt oder verkürzt, überbelastet oder vernachlässigt werden.

Funktionelle Schieflage

Darstellung des Beckens einer Frau.
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In den meisten Fällen jedoch verursachen nicht strukturelle Gegebenheiten – etwa unterschiedlich lange Beinknochen – sondern funktionelle Bedingungen einen Beckenschiefstand. "Muskuläre Dysbalancen spielen eine riesen Rolle. Die Menschen sitzen viel, haben Fehlhaltungen, schauen auf ihr Handy, aufs Tablet und sind immer nach vorne gebeugt. Dann kommt sowas natürlich zu Stande", erklärt die Orthopädin Claudia Döhler aus Borna. Durch einseitige Belastungen oder Blockaden verspannen bestimmte Rücken- und Gesäßmuskeln, andere verkürzen oder werden überbelastet. Folglich wird das Becken in Richtung der stärkeren Muskeln gezogen und steht schief.

Skoliose als Auslöser oder Folge

Eine Computergrafik im Stil einer Röntgenaufnahme zeigt einen Menschen mit einer geraden Wirbelsäule neben einem Menschen mit Skoliose.
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Hält dieser Zustand länger an, kann sich eine Skoliose entwickeln, eine seitliche Krümmung und Verdrehung der Wirbelsäule. Umgekehrt kann jedoch ebenso aus einer Skoliose ein Beckenschiefstand entstehen. Dabei zieht die gekrümmte Wirbelsäule das Becken in Schieflage. Die großen Rückenmuskeln versuchen den Schiefstand auszugleichen. Dabei kommt es häufig zu schmerzhaften Verspannungen.

Wie wird ein Beckenschiefstand behandelt?

Bei einem funktionellen Beckenschiefstand müssen vor allem die richtigen Muskeln gekräftigt werden. Durch entsprechende physiotherapeutische Übungen können die Muskeln gezielt gestärkt, Verspannungen gelöst und verkürzte Muskeln zusätzlich gedehnt werden. So wird auch das Becken wieder  in seine normale Position zurückgebracht.

Anpassung einer Schuheinlage am Fuß einer Frau.
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Ist der Beckenschiefstand anatomisch bedingt – etwa durch unterschiedlich lange Beine, Prothesen oder in Folge einer Operation oder eines Unfalls – sind gegebenenfalls orthopädische Schuheinlagen notwendig. In bestimmten Fällen kann auch eine beinverlängernde Operation in Betracht gezogen werden. Generell richtet sich eine mögliche Behandlung immer nach den individuellen Beschwerden des Patienten. Sind diese kaum vorhanden, sind auch Schuheinlagen kein Muss.

Schiefstand nach Schwangerschaft

Füße von vielen schwangeren Frauen bilden einen Kreis
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Ein Beckenschiefstand tritt häufig bei Frauen nach der Schwangerschaft auf. Durch die Geburt sind die Bänder im Unterleib ausgeleiert. Dadurch kann es passieren, dass sich die beiden Beckenhälften gegeneinander verschieben und verkanten. Ein leichter Schmerz zieht vom Gesäß bis in die Oberschenkel. Solche Verschiebungen und Blockaden lassen sich meist gut manuell therapieren, etwa durch Einrenken. Die Spannung der gesamten umliegenden Muskulatur normalisiert sich anschließend wieder.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 14. Juni 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2018, 10:22 Uhr