Bettwanzen
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Hauptsache Gesund | 14.06.2018 | 21:00 Uhr Bettwanzen auf dem Vormarsch

In den USA und Australien gelten die winzigen Blutsauger bereits als Plage. Auch in Deutschland werden sie zunehmend zum Problem. Vor allem auf Reisen ist Vorsicht geboten. Nicht selten landen die kleinen Insekten unbemerkt im Gepäck und reisen so nach dem Urlaub mit in die eigenen vier Wände.

von Marlen Schernbeck

Bettwanzen
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Bettwanzen sind etwa fünf Millimeter groß, rötlich-braun gefärbt und äußerst widerstandsfähig. Die blutsaugenden Insekten halten sich das ganze Jahr über in Innenräumen auf und ernähren sich dabei von ihren Bewohnern – den Menschen und ihren Haustieren. Sie sind äußerst zäh und schaffen es auch, ohne Nahrung über mehrere Monate zu überleben. Insgesamt wird eine Bettwanze etwa sechs Monate alt, in dieser Zeit produziert ein Weibchen bis zu 150 Eier. Gezielt versteckt es die Eier in den verborgensten Ecken und zieht sich selbst dorthin zurück, wenn es gerade nicht auf Nahrungssuche ist. Für die Menschen bleiben die Wanzen daher oft unbemerkt.

Hautreaktionen nach Stichen

Sticht die Bettwanze zu, nehmen wir das zunächst häufig gar nicht wahr. Anschließend tritt jedoch in den meisten Fällen eine Hautreaktion auf, die sehr unterschiedlich ausfallen kann: von juckenden, roten Pusteln bis hin zu Blasen und Quaddeln. Mitunter zeigen sich die Hautreizungen erst nach einigen Tagen. Meist sind die Stiche in einer Reihe angeordnet, sie können aber auch einzeln auftreten. Da die Hautreaktionen so unterschiedlich ausfallen, lassen sie keine eindeutige Diagnosestellung zu.

Verstecke finden

Gemeine Bettwanze
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Häufig ist eine intensive Recherche notwendig, um der Ursache für die Stiche auf die Spur zu kommen. Treten sie zum Beispiel zu den Jahreszeiten auf, in denen keine Mücken aktiv sind, könnte das ein Hinweis auf Bettwanzen sein. Insbesondere gilt es, das Zimmer nach möglichen Verstecken abzusuchen. Häufig befinden sie sich im Lattenrost, in Bilderrahmen, hinter Lichtschaltern, Tapeten oder  Scheuerleisten. Dort hinterlassen sie zudem Kotspuren in Form von schwarzen Punkten.

Gesundheitliche Risiken?

Theoretisch können die Blutsauger auch Krankheitserreger übertragen. Bislang gibt es dafür aber weder konkrete Nachweise, noch Berichte über Krankheitsausbrüche, die sich auf Bettwanzen zurückführen lassen. Eine Übertragung von Erregern ist daher unwahrscheinlich. Durch das Aufkratzen der Haut kann es jedoch zu bakteriellen Infektionen kommen.

Blutsauger reisen im Gepäck mit

Bettwanzen können überall auftreten – egal ob es dort besonders dreckig oder sehr sauber ist. An uns Menschen bleiben sie nur während des Blutsaugens haften. Anschließend lösen sie sich wieder. Hauptsächlich verbreiten sie sich durch den Transport bereits befallener Gegenstände. Oftmals sind das "Gebrauchtgegenstände", die entweder von der Straße mitgenommen, über das Internet bestellt oder auf dem Flohmarkt gekauft wurden. Auch Koffer, Rucksäcke oder Reisetaschen sind bei den Bettwanzen ein beliebter Unterschlupf. Auf diese Weise werden sie von einem Ort zum nächsten befördert. Dabei kann ein einziges befruchtetes Weibchen ausreichen, um im eigenen Haushalt einen neuen Befall zu verursachen. Aufgrund ihrer Verbreitungsart sind vor allem Orte mit einer hohen Personenfluktuation betroffen – etwa Hotels, Hostels oder auch Transportmittel wie die Bahn oder das Flugzeug.

Schädlingsbekämpfung durch Insektizide

Bettwanzen
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Besteht der Verdacht, dass sich Bettwanzen im eigenen Zuhause eingenistet haben, muss sofort ein professioneller Schädlingsbekämpfer verständigt werden. Eine aufwendige Suchaktion beginnt, Möbel werden auseinandergebaut, Lichtschalter aus der Wand montiert, Scheuerleisten entfernt. Im besten Fall findet der Schädlingsbekämpfer alle Verstecke der winzigen Tiere und kann sie entweder direkt mit der Hand zerdrücken oder mit chemischen Insektiziden besprühen. Da er jedoch meist nicht alle Unterschlüpfe findet, muss er die Mittel ebenso in potentielle Verstecke sowie auf die Laufwege der Wanzen sprühen, damit sie während der Nahrungssuche abgetötet werden. Nach etwa zwei bis drei Wochen findet eine Nachkontrolle statt. Sollten dann noch immer Bettwanzen im Zimmer leben, erfolgt eine erneute Behandlung.

Was kann man selber tun?

In Absprache mit dem Schädlingsbekämpfer können Betroffene auch selber tätig werden und zum Beispiel befallene Gegenstände in Plastiktüten stecken und durch eine dreitägige Lagerung im Tiefkühlfach bei minus 18 Grad von den Wanzen befreien. Neben eisiger Kälte überstehen die Bettwanzen ebenso große Hitze nicht. Befinden sich die Tiere in Kleidungsstücken, sollte man diese bei mindestens 40 Grad (besser 60 Grad) im längsten Programm mit viel Waschmittel reinigen oder in den Wäschetrockner bei 60 Grad legen. Hitzeunempfindliche Gegenstände können dicht verpackt mindestens eine Stunde im Backofen bei mindestens 55 Grad behandelt werden. In den meisten Fällen beschränkt sich der Befall auf einzelne Räume. Auf keinen Fall darf man Gegenstände aus diesen Räumen in andere Zimmer bringen.

Bettwanzen von zu Hause fernhalten

Frau schläft
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Das wichtigste Ziel ist, die Bettwanzen von den eigenen vier Wänden fernzuhalten. Auf Reisen sollte man daher die Unterkünfte am besten vor dem Schlafen nach den Tieren absuchen. Ebenso wird empfohlen, Gepäckstücke grundsätzlich verschlossen und in größtmöglicher Entfernung zum Bett aufzubewahren. Hat man in einem befallenen Zimmer übernachtet, sollte man seine Gepäckstücke anschließend sorgfältig auf Bettwanzen untersuchen – am besten in der Badewanne, so werden fliehende Tierchen sofort entdeckt. Auch Gebrauchtwaren sollten vor dem Kauf auf Spuren von Bettwanzen abgesucht werden. Befindet sich ein befallener Gegenstand bereits in der Wohnung, muss man ihn sofort fest verpacken, sodass keine Tiere entkommen können, und ihn anschließend sicher entsorgen oder mit Hitze oder Eiseskälte behandeln.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 14. Juni 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2018, 10:21 Uhr

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