Hauptsache Gesund | 14.12.2017 | 21:00 Uhr Brennen, Schmerzen, Fieber: Hilfe bei Blasenentzündung

Vor allem Frauen haben mit Blasenentzündungen zu kämpfen, manche sogar regelmäßig. Lange wurden die Blasenbeschwerden sofort mit Antibiotika behandelt. Doch zunehmend werden alternative Wege beschritten.

von Claudia Hempel, Friedemann Zweynert

Die Symptome einer Blasenentzündung sind eindeutig: Bei jedem Toilettengang brennt es, manchmal kommt es fast zu unerträgliche Schmerzen im Blasenbereich. Hinzu kommt, dass Betroffene unter ständigem Harndrang leiden. Gehen sie dann auf Toilette, tröpfelt es aber nur. Manchmal ist der Urin auch blutig, in schweren Fällen wird eine Cystitis sogar von Fieber begleitet.

Wie entsteht eine Blasenentzündung?

grafische Darstellung des Unterleibs einer Frau;  die Blase ist rot hervorgehoben.
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Männer sind von Blasenentzündungen wesentlich seltener betroffen als Frauen. Das hat anatomische Gründe: Die Harnröhre von Frauen ist mit einer Länge von 2,5 bis vier Zentimetern wesentlich kürzer als die von Männern, die zwischen 17 und 20 Zentimeter lang ist. Zudem liegen Harnröhre und Darmausgang bei Frauen sehr nah beieinander, wodurch Bakterien viel schneller in die Blase gelangen können als bei Männern.

Blasenentzündungen werden meist von Bakterien hervorgerufen, insbesondere von Stämmen des Darmbakteriums Escherichia coli. Sie sorgen dafür, dass die Blase anschwillt, und können Blutungen hervorrufen. Im Extremfall kommt es zu Geschwüren im Bereich der Blasenschleimhaut. Vor allem in den Wechseljahren steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Cystitis. Grund dafür ist der veränderte Hormonhaushalt.

Gefahrenquelle Unterkühlung

Eine junge Frau steht fröstelnd an einem See.
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Kälte bewirkt eine Verkrampfung und damit eine zu geringe Durchblutung des Gewebes. Davon sind auch die Antikörper in der Schleimhaut der Blasenwand betroffen. Sie ziehen sich durch die Kälte zurück. Weil damit die Abwehr ausgeschaltet ist, können sich Darmbakterien über die Harnröhre jetzt ungehindert ausbreiten.

Therapie bei Blasenentzündung

Sehr oft verschreiben Urologen und Frauenärzte ein Antibiotikum, das die Entzündung innerhalb weniger Tage stoppt. Da aber immer mehr Menschen Resistenzen entwickeln, wird die Gabe von Antibiotika zunehmend kritisch gesehen.

silberne Blisterpackung mit Tabletten
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Hinzu kommt, dass Antibiotika im Darm, in der Harnröhre und an der Blasenwand nicht nur die krankmachenden, sondern auch die gesunden Bakterien abtöten. Dieses Ungleichgewicht führt im Körper auch dazu, dass viele Patienten nach der Einnahme von Antibiotika bald wieder unter einer Blasenentzündung leiden, denn nach einer Antibiotikatherapie muss sich das Bakteriengleichgewicht im Körper erst wieder neu einstellen. Kommt es innerhalb dieser Regenerationszeit zu einem neuerlichen Befall, beginnen wieder die Probleme beim Wasserlassen. Um den Teufelskreis zu durchbrechen, empfehlen Urologen, Frauenärzten und Hausärzte bei leichten Verläufen erst einmal abzuwarten. Viele Blasenentzündungen heilen ohne Medikamente von selbst wieder aus.

Eine Impfung gegen Blasenentzündung

Eine Person bekommt eine Spritze, die Nadel dringt in die Haut am Oberarm ein.
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Frauen, die mehrmals im Jahr unter einer Blasenentzündung leiden, kann möglicherweise eine Impfung helfen, bei der inaktive Keime intramuskulär injiziert werden. Die Impfung ist allerdings ein sogenanntes IGeL-Angebot, muss also von den Betroffenen selber bezahlt werden. In einigen Fällen erstattet auch die Krankenkasse die Kosten, weshalb Nachfragen in jedem Fall sinnvoll ist.

Nach einer Grundimmunisierung sollte die Impfung jährlich wiederholen. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Spritzen, die im Abstand von ein bis zwei Wochen gegeben werden. Achtung: Nicht jede Frau erwirbt dadurch einen ausreichenden Schutz. Den Herstellern zufolge wirkt die Impfung bei 60 bis 89 Prozent aller betroffenen Frauen.

Hausmittel gegen Blasenentzündung

Warme Sitzbäder entspannen die Muskulatur und bewirken eine bessere Durchblutung des Gewebes.

Junge Frau sitzt in Yoga Haltung auf einer Wiese.
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Ruhe hilft, denn Entspannung stärkt das Immunsystem, während Stress die guten Bakterien schwächt.

Trinken Sie, denn eine hohe Flüssigkeitszufuhr wirkt reinigend auf die Blase und schwemmt die Bakterien aus dem Körper. Richtwert: Alle 20 Minuten ein großes Glas (ca. 0,3 Liter) trinken.

So beugen Sie Blasenentzündungen vor

Kräftiger grüner Rosmarinzweig.
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Ernähren Sie sich ausgewogen. Verwenden Sie die Kräuter, die als Kombinationspräparat in der Apotheke gegen eine Cystitis angeboten werden, auch beim Kochen, nämlich Rosmarin, Liebstöckel, Kapuzinerkresse, Meerrettich und Tausendgüldenkraut.

Regelmäßige Saunagänge stärken das Immunsystem. Das macht es den Erregern schwer.

Toilette
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Gehen Sie nach dem Geschlechtsverkehr auf die Toilette. Sie spülen damit Keime, die möglichweise in die Blase gelangt sind, sofort wieder aus.

Eine sogenannte Instillationstherapie kann helfen. Dabei werden flüssige Medikamente (Chondroitinsulfat) mit Hilfe eines Katheders in die Blase eingebracht. Sie sollen die obere Schicht der Harnblase "reparieren". Besprechen Sie die Therapie vorher mit Ihrem Urologen!

Hilft Cranberry-Saft?

Cranberrybeeren
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Jahrelang haben Mediziner betroffenen Frauen Cranberrysaft gegen Blasenentzündungen empfohlen. Cranberrys enthalten sogenannte Proanthocyanidine, die die Besiedlung von Zellkulturen an der Blasenwand hemmen sollen. Allerdings konnte dieser Effekt bislang nur im Reagenzglas nachgewiesen werden. Ein Beweis für die tatsächliche Wirksamkeit von Cranberrys im menschlichen Körper, fehlt dagegen noch. Trotzdem scheinen manche Frauen davon zu profitieren. Darum sollten Betroffene Cranberrysaft ruhig ausprobieren; schaden kann er jedenfalls nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 14. Dezember 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2017, 09:11 Uhr