Blutdruckmesser, 2009
Bildrechte: IMAGO

Hauptsache Gesund | 03.05.2018 | 21:00 Uhr Heimtückischer Bluthochdruck

Bluthochdruck ist der Risikofaktor Nummer eins für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Etwa 50 Prozent der Herzinfarkte und Schlaganfälle wären vermeidbar, wenn man rechtzeitig etwas gegen Bluthochdruck machen würde, schätzen Experten. Doch jeder Fünfte weiß nichts von seiner Erkrankung.

von Jana Olsen

Blutdruckmesser, 2009
Bildrechte: IMAGO

Unglaubliche 1825 Tabletten pro Jahr nimmt Lutz-Michael Matthias gegen seinen hohen Blutdruck. Fünf Tabletten täglich. Und trotzdem macht der Blutdruck, was er will. "In kürzester Zeit geht er hoch und dann ist der Puls wieder ganz flach", erzählt der 63-Jährige. Bei einer Routineuntersuchung vor gut 30 Jahren ist der Bluthochdruck erstmals festgestellt worden. Bis heute ist er kaum in den Griff zu bekommen. So wie Lutz-Michael Matthias geht es etwa zehn Prozent der Blutdruckpatienten. Sie sprechen einfach nicht auf die Medikamente an.

Warum ist Bluthochdruck so gefährlich?

Rund 20 Millionen Deutsche haben Bluthochdruck. Im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich betroffen ist Sachsen-Anhalt. Hier gibt es laut Robert-Koch-Institut fast 15 Prozent mehr Bluthochdruckpatienten als in Baden-Württemberg beispielsweise. Das wirkt sich auch auf die Herzinfarktrate aus. Auch hier ist Sachsen-Anhalt Spitzenreiter. Kein Wunder, denn Bluthochdruck lässt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche steigen. Auch das Risiko für eine chronische Nierenschwäche und Demenz erhöhen sich mit Bluthochdruck.

Wann ist der Blutdruck zu hoch?

Aktuell gelten Werte ab 140 zu 90 mmHg als Bluthochdruck. Allerdings gibt es dazu momentan einige Diskussionen, denn im November letzten Jahres sind in den USA die Richtwerte für Bluthochdruck gesenkt worden, auf 130 zu 80 mmHg. In diesem Sommer sollen auch neue Leitlinien für Deutschland veröffentlicht werden. "Eine Absenkung des Blutdruckgrenzwertes könnte dazu anregen, früher Lebensstiländerungen wie Gewichtsreduktion, kochsalzarme Kost, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung vorzunehmen", sagt Professor Bernhard Krämer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hockdruckliga. "Andererseits werden durch eine Absenkung der Blutdruckwerte deutlich mehr Menschen als bisher als Patienten eingestuft." In den USA sind quasi über Nacht 35 Millionen US-Amerikaner zu Bluthochdruckpatienten geworden. Aktuell empfiehlt die Deutsche Hochdruckliga es bei einer Selbstmessung kritisch zu sehen, wenn die Werte von 135 zu 85 mmHg überschreiten.

Was kann ich selbst tun?

Ein Mann in Anzughose und weißem Hemd sitzt im Lotossitz meditierend auf einer Wiese.
Bildrechte: colourbox

Bluthochdruck entsteht in der Regel auch durch eine Summe beeinflussbarer Angewohnheiten. Bewegung beispielsweise führt zu einer besseren Durchblutung aller Gefäße und hilft dabei, Gewicht zu reduzieren oder zu halten. Erhöhte Blutfettwerte dagegen verengen langfristig die Blutgefäße, genauso wie Nikotin. Auch Stress treibt den Blutdruck in die Höhe. Entspannungsverfahren wie Yoga oder autogenes Training sind daher für Bluthochdruckpatienten eine gute Selbsthilfe-Maßnahme. Bei deutlich erhöhtem Blutdruck müssen Medikamente eingenommen werden, die es in fünf Substanzklassen gibt. Diese werden als alleinige Mittel oder in Kombination eingesetzt.

Neue Hoffnung "Renale Denervierung"

Wer trotz der Einnahme von mehreren Medikamenten immer noch gefährlich Bluthochdruck hat, könnte zukünftig von der sogenannten "Renalen Denervierung" profitieren. Dabei wird in einem kleinen operativen Eingriff über die Leiste ein Katheter bis zu den Nierenarterien geschoben, weil der Blutdruck auch von den Nerven in den Nierenarterien reguliert wird. An der Spitze des Katheters befinden sich Elektroden, die mit Hochfrequenzstrom erhitzt werden. "Die Idee bei der Prozedur ist, die Nervenfasern mit Hitze zu zerstören, weil diese Nervenfasern zu aktiv sind und dadurch zu Bluthochdruck führen", erklärt Dr. Philipp Lurz, Kardiologe am Herzzentrum Leipzig. Noch wird die Therapie nur an wenigen Kliniken durchgeführt. Sie ist auch nur für solche Patienten geeignet, bei denen keine Medikamente anschlagen, wie bei Lutz-Michael Matthias. Er hat sich gerade dem Eingriff am Herzzentrum Leipzig unterzogen. Etwa sechs Wochen nach der OP wird er wissen, ob die Therapie anschlägt. Bei etwa dreiviertel aller behandelten Patienten ist das der Fall.

Was bedeuten die Blutdruckwerte?

Unser Herz schlägt in zwei Phasen. Erst zieht es sich kräftig zusammen, um Blut in den Körper auszustoßen. Und dann entspannt es sich wieder, um sich neu mit Blut zu füllen.

Blutdruckmesser an einem Arm, 2011
Bildrechte: IMAGO

Die Phase, in der das Herz sich zusammenzieht, heißt ‚Systole’. Dabei entsteht hoher Druck. Wenn das Herz zwischen zwei Schlägen wieder erschlafft, heißt das – ‚Diastole’. Der Druck in den Blutgefäßen wird niedriger.

Wenn wir den Blutdruck messen, dann kommen deswegen immer zwei Werte raus, ein hoher und ein niedriger. 120 - das ist der normale systolische Blutdruck. 80 – das ist der normale diastolische Blutdruck.

Bei der richtigen Einstellung des Drucks helfen Nervensystem, Hormone und die Gefäßwände. Mit zunehmendem Alter werden vor allem die Blutgefäße starrer, Ablagerungen bilden sich. Die Folge: Der Druck steigt.

Ist mein Blutdruck normal?
  Systolisch Diastolisch
Optimal <120 <80
Normal 120-129 80-84
Hochnormal 130-139 85-89
Bluthochdruck Grad 1 140-159 90-99
Bluthochdruck Grad 2 160-179 100-109
Bluthochdruck Grad 3 ≥180 ≥110

Quelle: Pocket-Leitlinien der European Society of Cardiology in mmHg

Richtig Blutdruck messen

Wenn Sie den Blutdruck selbst zu Hause messen, sollten Sie folgende Hinweise beachten:

  1. Vor der Messung mindestens fünf Minuten Ruhe einplanen. Körperliche Anstrengung vor der Messung vermeiden.
  2. Die Blutdruckmanschette sollte sich auf Herzhöhe befinden. Das ist vor allem bei Handgelenksgeräten wichtig.
  3. Immer zur gleichen Zeit messen. Zu häufiges Messen hintereinander verfälscht die Werte.
  4. Beim Messen nicht bewegen oder sprechen. Anspannung in der Muskulatur ergibt eine fehlerhafte Messung.
  5. Notieren Sie sich Ihre Messergebnisse mit Datum und Uhrzeit. Das hilft dem Arzt für eine Langzeitanalyse.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 03. Mai 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2018, 23:05 Uhr

Auch interessant