Sprechstundenhilfe misst den Blutdruck einer Patientin.
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Hauptsache Gesund | 21.03.2019 | 21:00 Uhr Der Schrittmacher gegen Bluthochdruck

Jüngste Negativmeldungen um Blutdrucksenker sorgen für Verunsicherung. Wann spricht man von Bluthochdruck? Wann kommen Medikamente und wann operative Alternativen, wie ein Schrittmacher gegen Bluthochdruck, zum Einsatz?

von Katharina Jünemann

Sprechstundenhilfe misst den Blutdruck einer Patientin.
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Rund 20 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Bluthochdruck. Viele von ihnen können medikamentös gut eingestellt werden. Wenn das nichts hilft und der Blutdruck dauerhaft erhöht bleibt, können moderne Therapieverfahren wie ein Blutdruck-Schrittmacher oder die Nierenablation wirkungsvolle Alternativen sein.

Auf einen gesunden Lebensstil achten Risikofaktoren für Bluthochdruck sind Übergewicht, Bewegungsmangel, eine zu fettreiche und fleischlastige Ernährung, Stress, Nikotin, Alkohol und Nebenwirkungen von Medikamenten.

Gesundheitsrisiken durch Bluthochdruck

Von Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) spricht man bei einem dauerhaft erhöhten Blutdruck mit Werten ab 140/90 mmHG und höher. Blutdruckwerte ab 180/110 mmHG werden als schwere Hypertonie eingeordnet. Durch den andauernd erhöhten Druck werden die Gefäßwände geschädigt und eine Arteriosklerose entsteht. Dramatische Folgen können ein Schlaganfall, Herzinfarkt, Aortenaneurysma, arterielle Gefäßverschlüsse und eine Herzschwäche sein.

Einsatz von Medikamenten

Zahlreiche Medikamente liegen in den Regalen eines Kommissionierautomaten
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Bei sicher diagnostiziertem Bluthochdruck und Ausschluss einer Vorerkrankung haben die medikamentöse Therapie und die Ordnungstherapie immer noch Vorrang vor operativen Eingriffen. Dabei lässt sich der Blutdruck an verschiedenen Stellschrauben im Körper medikamentös beeinflussen. Hierfür stehen fünf Substanzgruppen im Mittelpunkt, wobei mehrere Wirkprinzipien individuell kombiniert werden: Die sogenannten ACE-Hemmer, Angiotensin-I-Antagonisten und Kalzium-Antagonisten erweitern die Blutgefäße. Betablocker vermindern die Herzfrequenz und Diuretika fördern die Flüssigkeitsausscheidung.

Nebenwirkungen von Medikamenten

Aufgrund ihrer blutdrucksenkenden Wirkung können alle Blutdruckmittel Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit und einen zu niedrigen Blutdruck (Hypotonie) hervorrufen. Arzt und Patient müssen daher ein gutes Team bilden, um den Blutdruck optimal einzustellen. Im Rahmen der Ordnungstherapie sollte auf eine gesundheitsfördernde Lebensführung mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Sport und genügend Schlaf geachtet werden. So können Blutdruckmedikamente oftmals reduziert oder sogar abgesetzt werden.

Blutdruck richtig messen

Eine alte Frau sitzt an einem Tisch und misst ihren Blutdruck
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Viele Patienten sind verunsichert, wenn der Blutdruck bei der täglichen Messung zu Hause starken Schwankungen unterliegt. Oft sind Messfehler und ungeeignete Messgeräte dafür verantwortlich. Daher sollten die Handlungsanleitung genauestens beachtet und Fehlerquellen aufgedeckt werden. Ebenso können Medikamente oder ein hektischer Alltag den Blutdruck extrem schwanken lassen. Patienten sollten sich deshalb immer vergewissern, ob sie die richtige Dosierung ihrer Medikamente eingehalten haben und vor der Messung des Blutdrucks mindestens fünf Minuten in Ruhe sitzen. Im Zweifelsfall und zur Ausschlussdiagnose empfiehlt sich eine ärztlich begleitete 24-Stunden-Blutdruckmessung.

Wertvolle Informationen über Bluthochdruck finden Sie bei der "Deutschen Hochdruckliga" im Internet.

Der Schrittmacher gegen Bluthochdruck

Lutz Kutter leidet seit geraumer Zeit an Blutdruckschwankungen und ihm ist oft schwindelig. Blutdruckmittel halfen nicht. Immer wieder hatte er starke Schwankungen mit Spitzenwerten über 200 im systolischen Bereich (oberer Blutdruck). Der optimale Blutdruck liegt jedoch bei 120/80 Millimeter Quecksilbersäule. Die seit Jahren andauernde Hypertonie (Bluthochdruck) birgt auch die Gefahr eines Schlaganfalls oder eines Herzinfarktes. Professor Joachim Beige vom Klinikum St. Georg in Leipzig setzte ihm einen Schrittmacher gegen Bluthochdruck ein.

Das Gehirn reguliert den Blutdruck

In der Plastischen Chirurgie im Magdeburger Universitätsklinikum operieren Oberarztarzt Armin Kraus (l) und Assistenzarzt Felix Hövelborn ein Opfer von Böllern und Raketen an der Hand.
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Das Therapieverfahren wird nur in Ausnahmefällen eingesetzt, wenn nichts weiter mehr hilft. Lutz Kutter ist einer der ersten überhaupt, bei dem der Eingriff vorgenommen wird. Dabei wird der Blutdruck-Schrittmacher unterhalb des Schlüsselbeins unter der Haut eingesetzt. Zudem bekommt er eine kleine Elektrode direkt an der Halsschlagader implantiert. Dort sitzen kleine Nervenknötchen, die sogenannten Barorezeptoren. Bei jedem Pulsschlag registrieren die Rezeptoren den Druck in den Blutgefäßen und leiten die Informationen an das Gehirn weiter. Das Gehirn wiederum sendet Signale zurück an die Blutgefäße und reguliert so den Blutdruck.

Blutdruckmesspunkt exakt bestimmen

Über den Schrittmacher werden nun verstärkte elektrische Impulse an die Barorezeptoren gesendet. Der Schrittmacher "gaukelt" dem Gehirn damit einen noch viel höheren Blutdruck vor. Die verstärkte Stimulation der körpereigenen Blutdruckregler führt letztendlich zur Weitstellung der Blutgefäße und damit zu einer dauerhaften Senkung des Blutdrucks.

Professor Joachim Beige zu der seit Anfang dieses Jahrtausends erprobten Methode: "Der Eingriff ist ungefährlich, weil das Blutgefäß nicht eröffnet werden muss. Es ist aber technisch anspruchsvoll, weil man den Blutdruckmesspunkt genau finden muss." Dank des Blutdruck-Schrittmachers hat Lutz Kutter seinen Blutdruck nun auch ohne Medikamente im Griff. Doch ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Die Batterien halten nur drei Jahre und der Schrittmacher muss rechtzeitig ausgewechselt werden.

Mit der Nierenablation Nerven ausschalten

Computergrafik menschlicher Nieren.
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Der Blutdruck wird nicht nur von den Druckrezeptoren der Halsschlagader reguliert, sondern auch von den Nerven in den Nierenarterien. Bei therapieresistentem Bluthochdruck wird daher die sogenannte Nierenablation als noch junges Therapieverfahren angewendet. Professor Philipp Lurz, Kardiologe am Herzzentrum Leipzig, erklärt: "Die Idee bei der Prozedur ist, die Nervenfasern zu unterbrechen, also zu zerstören, weil diese viel zu aktiv sind und dadurch zu Bluthochdruck führen." Der Patient ist während des gesamten Eingriffs wach und bekommt lediglich ein Schmerzmittel.

Für die Denervierung wird ein sogenannter Ablationskatheder über die Leiste in die Nierenarterie eingeführt. Auf dem Katheter befinden sich vier Gold-Elektroden, über die Strom appliziert wird. Durch den Strom erhitzen sich die Elektroden auf rund 60 Grad und zerstören die Nervenfasern im Kontaktbereich. Prof. Lurz wiederholt das Prozedere auf jeder Nierenseite an zwölf verschiedenen Stellen und nach einer Dreiviertelstunde ist es geschafft. Bei drei Viertel aller behandelten Patienten konnte bislang durch die Nierenablation der Bluthochdruck erfolgreich gesenkt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 21. März 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 12:55 Uhr