Campylobacter
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Hauptsache Gesund | 30.08.2018 | 21:00 Uhr Campylobacter: Ein Magen-Darm-Keim auf dem Vormarsch

Salmonellen kennen die meisten, Campylobakter sind eher weniger bekannt. Wir erklären, was es mit diesem Magen-Darm-Keim auf sich hat, wie man sich schützen kann und warum Küchenhygiene so wichtig ist.

von Barbara Legner-Meesmann

Campylobacter
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Von Salmonellen und ihren unangenehmen Folgen haben die meisten Menschen schon einmal gehört. von Campylobactern eher weniger. Dieser bakteriellen Erreger sind weitgehend unbekannt. Dabei sei  er der Keim, der mittlerweile die meisten Magen-Darm-Erkrankungen in Deutschland auslöst, sagt Dr. Thomas Grünewald, Infektiologe am Klinikum St. Georg in Leipzig.

Jedes Jahr werden den deutschen Gesundheitsämtern zwischen 70.000 und 80.000 Fälle gemeldet. 2017 waren es genau 69.461 Fälle deutschlandweit. Davon 4.961 Betroffene in Sachsen, 2.099 in Thüringen und 1.690 in Sachsen-Anhalt (Quelle: Robert-Koch-Institut).

Der Fall:

Auch Sandra Rimbeck aus Leipzig hat es in diesem Sommer erwischt. Von jetzt auf gleich ging es ihr sehr schlecht. Sie fühlte sich elend, hatte Bauschmerzen, Fieber und Schüttelfrost. Kurz darauf bekam sie heftige Durchfälle. Die 32-jährige Altenpflegerin vermutete, dass sie sich eine Magen-Darm-Verstimmung eingefangen hatte. Davon ging auch ihr Hausarzt aus und verordnete ihr entsprechende Medikamente. Als ihre Beschwerden nach drei Tagen nicht weg waren, sondern der Durchfall weiter anhielt, mittlerweile sogar Blut im Stuhl war, ließ ihr Hausarzt sie ins Krankenhaus einweisen.

Dort stellten die Ärzte fest, dass sie eine heftige Campylobacter-Infektion hatte. Sie kam gleich an einen Tropf und bekam drei Tage lang Antibiotika. Daraufhin ging es ihr bald wieder gut und sie konnte wieder nach Hause zu ihren Kindern.

Häufig harmloser Verlauf

Eine nicht ganz geschlossene Toilettentür gibt den Blick auf ein WC frei
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So heftig wie bei Sandra Rimbeck verlaufe eine Campylobacter-Infektion aber nicht  immer, sagt Infektiologe Dr. Grünewald. Viele Betroffenen bemerken eine Infektion gar nicht. Sie haben lediglich ein paar Tage lang leichte Bauchschmerzen und Durchfall, danach sind sie den Keim wieder los. Diese Fälle gehen auch in keine Statistik ein.

Hier werden lediglich die Patienten erfasst, die so starke Beschwerden haben, dass sie zum Arzt gehen, eine Stuhlprobe untersucht wird und der Keimbefall schließlich den Gesundheitsämtern gemeldet wird. Die Dunkelziffer sei also noch sehr viel höher, sagt Dr. Grünewald.

Sehr seltene: Nervenausfälle und Lähmungen

In ganz seltenen Fällen kommt es nach einer Campylobacter-Infektion zu einer Nervenerkrankung. So ging es Heidemarie Seeger aus Rostock. Sie hatte plötzlich Lähmungserscheinungen in den Armen und Beinen. Die Lähmungen schritten immer weiter voran. An der Uniklinik Rostock untersuchten die Ärzte ihr Nervenwasser und fanden darin Antikörper gegen den Campylobacter.

Dieser ähnelt in seiner Struktur den menschlichen Nervenzellen, sodass bei einigen wenigen Menschen die Camopylobakter-Antikörper auch die Nervenzellen angreifen und zerstören. Es handelt sich dabei um das sogenannte Guillain-Barré-Syndrom.

Die Nervenschäden seien in der Regel komplett reversibel sind, erkärt Infektiologe Dr. Thomas Grünewald. Außerdem könnten die Ärzte die überschießende Immunreaktion mit Medikamenten, in diesem Fall Cortison, eindämmen.

Doch woher kommt der Campylobacter?

Das Bakterium ist ein Magen-Darm-Keim und kommt im Verdauungstrakt von Nutzieren wie Schweinen, Rindern, aber auch vor allem Hühnern vor. Beim Schlachten gelangen die Keime häufig ins Fleisch. Nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wird bei bis zu Dreiviertel aller Hühnerfleischproben Campylobacter nachgewiesen.

Auch Eier sind oft betroffen. Und zwar sitzen die Bakterien da auf der Schale. Ca. jedes 50. Ei sei laut Dr. Grünewald belastet. Das sei nicht wenig, wenn man bedenke, dass jeder Deutsche rund 250 Eier im Jahr esse.

Wie kann man vorbeugen?

Der beste Schutz vor dem Campylobacter sei, Fleisch nur gut durchgebraten zu verzehren, sagt Infektiologe Dr. Grünewald. Rohes Fleisch, zum Beispiel in Mettwurst, sollte man generell meiden. Beim Kochen sollte man für Fleisch immer ein gesondertes Schneidebrett und -messer verwenden. Beides sollte nach Gebrauch mit heißem Wasser und Spülmittel gründlich gereinigt werden.

Bei Eiern sollte man darauf achten, dass an ihrer Schale keinerlei Kot haftet. Wenn welcher daran ist, sollte man den vorsichtig mit Wasser abwaschen. Insbesondere beim Eiertrennen sollte man größte Vorsicht walten lassen, da dabei Keime von der Schale ins Ei gelangen können. Danach auf jeden Fall immer gründlich Händewaschen!

Vorsicht ist auch beim Grillen geboten! Oft wird mit der gleichen Grillzange rohes und durchgebratenes Fleisch berührt, so können wieder Bakterien an das gegrillte Fleisch geraten. Allgemein gilt: Große Sorgfalt bei der Küchenhygiene.

Keimfalle Küche

Gerade der Raum, in dem wir unser Essen zubereiten, ist auch der, in dem sich in der Regel die meisten Keime finden. Sie tummeln sich immer besonders gerne da, wo es warm und feucht ist, sagt Hygiene-Expertin Claudia Szczesny vom Uniklinikum Halle. Der Ort mit den meisten Bakterien ist daher in der Regel die Spüle.

Spülbecken: Hier sitzen die Keime in der Regel am Grund oder am Ausfluss. Daher Obst und Gemüse immer in einem Sieb waschen und direkten Kontakt mit der Beckenwand vermeiden. Becken regelmäßig mit Spülmittel auswischen und mit Küchenpapier abtrocknen!

Küchenschwamm
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Schwämme und Lappen: Sie sind häufig wahre Keimherde. Daher sollten sie mindestens einmal die Woche gewechselt werden. Dabei müssen sie nach Angaben von Claudia Szczesny nicht gleich weggeworfen werden: Wenn sie bei 60 Grad in der Waschmaschine gewaschen werden, werden die Keime abgetötet.

Kühlschrank: Auch hier tummeln sich gerne Keime auf den Ablageflächen oder auch im Obst und Gemüsefach. Häufig liegt hier gereinigtes mit nicht gereinigtem Obst oder Gemüse zusammen. Alle Flächen und Fächer sollten einmal die Woche gründlich mit einem Lappen und Reinigungsmittel abgewischt werden.

Reinigungsmittel: Damit die Küche hygienisch sauber wird, reichen Spülmittel oder herkömmlicher Allzweckreiniger vollkommen aus. Vom Gebrauch von speziellen antibakteriellen Küchenreinigern oder sogar Desinfektionsmitteln raten Experten dringend ab, da sie Resistenzen bei den Erregern hervorrufen können.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 30. August 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. August 2018, 13:15 Uhr

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