Ein Mann benutzt eine Inhalator
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Hauptsache Gesund | 23.01.2018 | 21:00 Uhr Atemnot durch COPD

Wer über 50 ist und beim Treppensteigen Atemnot bekommt, schiebt es meist aufs Alter. Doch oft ist es COPD. Die Krankheit, die nur wenige kennen, könnte sie bald eine der häufigsten Todesursachen sein.

von Claudia Hempel

Ein Mann benutzt eine Inhalator
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COPD steht für chronisch obstruktive Lungenkrankheit, bei der sich die Bronchien immer weiter verengen. Allein in Deutschland gibt es bereits mindestens vier Millionen Erkrankte, doch wahrscheinlich sind es noch viel mehr. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass 56 bis 85 Prozent aller Patienten nichts von ihrer Krankheit wissen oder ihre Atemnot nicht als COPD erkannt wurde. Zwölf Prozent der Menschen über 40 sind betroffen. Mit steigendem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, an COPD zu erkranken.

Was in der Lunge passiert

Eine Computergrafik zeigt Lage und Querschnitt der Lungen im menschlichen Körper
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Bei einer COPD sind die Bronchien chronisch entzündet. Die Bronchialwände verdicken, der Raum, durch den die Luft ein- oder ausströmen kann, verringert sich. Zusätzlich bildet sich zäher Schleim, der die  Atmung weiter erschwert. Viele an COPD Erkrankte leiden dazu noch an einem sogenannten Lungenemphysem. Dabei werden die Wände der Lungenbläschen durch eine entzündliche Reaktion nach und nach zerstört. Außerdem verliert das Lungengewebe an Elastizität. Das Ausatmen fällt daher schwer. Die Lunge bläht sich immer weiter auf.

Was sind die ersten Symptome?

Wer länger als acht Wochen über unspezifische Atemnot, Husten und oder Auswurf klagt, sollte sich beim Hausarzt vorstellen.

Wie wird COPD diagnostiziert?

Eine Frau pustet in ein Spirometer, mit dem die Lungenkapazität gemessen wird
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Eine sogenannte Spirometrie, ein Lungenfunktionstest, gibt Auskunft darüber, ob eine COPD vorliegt oder nicht. Dabei pustet der Patient nach Anweisung des Arztes in ein Gerät, welches einen bestimmten Luftwiderstand erzeugt. Je nach Kraft der Lunge zeichnet die Spirometrie eine Kurve, welche verrät, wie weit die Lunge schon geschädigt ist. Je nach Ergebnis wird die Krankheit in verschiedene Schweregrade eingeteilt.

Was sind die Ursachen für COPD?

In den westlichen Industriestaaten ist die Hauptursache für die Schädigung der Lungen jahrzehntelanges Rauchen. Jeder zweite Raucher erkrankt im Laufe seines Lebens an COPD.

Ist COPD heilbar?

Nein, COPD ist nicht heilbar, man kann lediglich das Fortschreiten der Erkrankung hinauszögern.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Der wichtigste Punkt ist ein sofortiger Rauchstopp. Verschiedene Medikamente weiten die Atemwege wieder. Andererseits helfen auch spezielle Atemübungen, regelmäßige sportliche Betätigung und Spaziergänge an der frischen Luft gegen die Verengung der Bronchien.

COPD-Erkrankte sollte ab dem 60.Lebensjahr regelmäßig Grippeschutz- und Pneumokokkenimpfungen in Anspruch nehmen, um eine weitere Extrembelastung der Atemwege zu vermeiden.

Die Abwärtsspirale der Krankheit

Obwohl COPD nicht heilbar ist, sterben viele COPD-Erkrankte nicht an den Folgen ihrer Atemnot, sondern an den Begleitumständen ihres Lebens mit der Krankheit. Wenn es bei jeder kleinen Anstrengung zu Atemnot kommt, führt das unweigerlich zu einem Leistungsabfall. Man schafft nicht mehr so viel wie früher, kann weniger gut laufen, kaum noch Treppen steigen, nicht mehr schwer heben. Automatisch versuchen die Betroffenen sich zu schonen. Sie heben nur noch leichte Sachen, vermeiden jede Treppenstufe und laufen immer weniger, am Ende bleiben sie nur noch in ihrer vertrauten Umgebung und verlassen kaum noch ihre Wohnung. Das führt automatisch zu einem enormen Verlust von Lebensqualität, bis hin zur sozialen Isolation. Diese wiederum kann Auslöser für Depressionen sein. Um diese Abwärtsspirale zu durchbrechen, sollten sich Erkrankte entsprechend fordern lassen und zum Beispiel regelmäßig Lungensportgruppen besuchen.

Der "Chor der Atemlosen": Singen gegen COPD

Chor der Artemlosen
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Ein recht neuer Trend der Therapie erobert derzeit Deutschland. In Süddeutschland wurde der erste "Chor der Atemlosen" gegründet, ein Chor, in dem nur COPD-Erkrankte und Sänger mit chronisch entzündeten Lungen sowie Lungenkrebspatienten mitsingen.

Barbara Müller hat den Chor gegründet. Ihr behandelnder Arzt war so sehr von der Idee der 58-Jährigen COPD-Patientin angetan, dass er selbst mitsingt. Singen macht nicht nur Spaß und schüttet Endorphine, also Glückshormone, aus. Singen bedeutet auch spielerisches Atemtraining. Das löst Verspannungen, macht die Atemwege frei und kurbelt den Sauerstofftransport im Blut an.

Drei Atemübungen für zu Hause

Atemübungen helfen, den Atemstrom wieder richtig wahrzunehmen.

Übung 1: Nasenatmung
Sie atmen ganz tief durch die Nase ein – bis in den Bauch und dann durch die Nase wieder aus. Drei Sekunden einatmen – drei Sekunden ausatmen (drei bis vier Wiederholungen) Durch die Nasenatmung wird die Luft angewärmt und angefeuchtet. Da schont die Bronchien.

Übung 2: Wechselatmung'
Drücken Sie mit dem Finger das rechte Nasenloch zu. Atmen Sie ein und wieder aus. Nach circa zehn Mal wechseln Sie das Nasenloch. Sie können die andere Hand auch auf den Brustkorb legen, um die Atmung gut zu spüren.

Übung 3: Lippenbremse
Mit dieser Übung werden die Atemwege geweitet. Ziel ist, dass keine Atemluft in der Lunge zurück bleibt, so kann die Lunge weniger überblähen. Atmen Sie wieder durch die Nase ein, aber durch den Mund wieder aus. Die Lippen bleiben dabei ganz sanft geschlossen. Durch das gebremste Ausatmen weiten sich die Bronchien und können sich das nächste Mal wieder stärker mit Luft füllen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 25. Januar 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2018, 13:54 Uhr