Blutzuckermessgerät
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Hauptsache Gesund | 29.11.2018 | 21:00 Uhr Mit gezielter Ernährung gegen Diabetes

Allein in Deutschland sind laut Schätzungen knapp sieben Millionen Menschen zuckerkrank, die meisten davon haben einen Diabetes erst in höherem Alter entwickelt. Eine kohlenhydratarme Ernährung kann jedoch dabei helfen, den Blutzuckerspiegel wieder zu senken.

von Jeannette Averhaus

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Die Diabetes-Erkrankung, umgangssprachlich auch Zuckerkrankheit genannt, hat eine lange Historie. Sie ist bereits seit Jahrhunderten bekannt, erste Hinweise lieferten schon Aufzeichnungen aus der Antike. Im 17. Jahrhundert beschrieb ein englischer Arzt den Urin der Betroffenen als "honigsüßen Durchfluss" – hieraus leitete sich die lateinische Bezeichnung "Diabetes mellitus" ab.

Unterscheidung zwischen Typ 1 und Typ 2

Heute werden zwei Formen des Diabetes unterschieden: Typ 1 und Typ 2.

Typ 1 entsteht vor allem im Kindes- und Jugendalter und geht auf eine Autoimmunerkrankung zurück. Die körpereigene Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse wird angegriffen und die Zellen, die Insulin produzieren, werden zerstört.

Typ 2 hingegen entwickelt sich in der Regel später, meist erst nach dem 40. Lebensjahr. Diese Form tritt mit Abstand am häufigsten auf, in Deutschland sind über 90 Prozent der Betroffenen Typ 2-Diabetiker. Hier liegt der Kern des Problems an anderer Stelle: Zwar produziert die Bauchspeicheldrüse Insulin, aber die Körperzellen verlieren die Empfindlichkeit für das Hormon. Dessen Aufgabe besteht darin, die Zuckermoleküle aus dem Blut in die Zellen weiterzuleiten. Bei einer Insulinresistenz funktioniert diese Weiterleitung nur unzureichend und der Zucker staut sich in den Blutgefäßen an. Die Bauchspeicheldrüse reagiert zunächst mit einer erhöhten Insulinproduktion. Später versiegt die Produktion jedoch ganz, sodass Insulin gespritzt werden muss.

Ursachen und Folgen

Ein erhöhter Blutzuckerwert ruft zunächst keine äußerlichen Beschwerden hervor. Darum wissen viele der Betroffenen lange gar nicht, dass sie zuckerkrank sind. Ist der Wert jedoch über mehrere Jahre erhöht, hat das schwerwiegende Folgen. Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Nierenschwäche können entstehen. Auslöser für den Typ 2-Diabetes sind neben einer genetischen Veranlagung vor allem Bewegungsmangel und Übergewicht. Eine große Rolle spielt ebenfalls die Ernährung.

Kohlenhydratarme Ernährung

Studien wie die von Sarah Hallberg aus den USA zeigen: Eine "Low Carb"-Ernährung kann sich bei Typ 2-Diabetikern positiv auf das Krankheitsbild auswirken. Ziel dieser Ernährungsform ist es, die vermehrte Insulinausschüttung zu verringern. Die Grundannahme ist, dass eine kohlenhydratreiche Kost die Insulinproduktion triggert und nach einer gewissen Zeit zu einer Insulinresistenz der Zellen führt. Folglich kann der Zucker nicht mehr in die Zellen geschleust werden. "Letztlich schützen sich die Körperzellen vor zu viel Zucker", erklärt die Leiterin des Studienzentrums am Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum Düsseldorf, Kerstin Kempf.

Wird hingegen der Anteil an Kohlenhydraten in der Nahrung reduziert und durch Fette und Proteine ersetzt, so produziert der Körper weniger Insulin, der Blutzuckerwert sinkt. Zudem beginnt der Körper, seine Energie hauptsächlich aus der Fettverbrennung zu gewinnen. Hierbei spielen sogenannte Ketonkörper eine Rolle. Eine sehr strikte Form der kohlenhydratarmen Kost wird daher ketogene Diät genannt.

Vergleich der Kohlenhydratmenge (in Gramm) in der täglichen Nahrung
  Normal Low Carb
Frühstück 40 g

z.B.: 1 Vollkornbrötchen; 1 TL Butter; 20 g Marmelade; Milchkaffee
11 g

z.B.: 1 Scheibe Eiweißbrot; 1 TL Butter; 1 Scheibe Käse od. Wurst; 1 gekochtes Ei; 1 Schale mit 125 g Sahnejoghurt, 25 g gemischte Beeren, 15 g gehackte Mandeln; Pott Kaffee mit Milch
Mittag 50 g

z.B.: 1 Portion Bratkartoffeln; 1 paniertes, gebratenes Fischfilet; Ketchup; 1 Glas Apfelschorle
5 g

z.B.: 150 g gedünsteter Brokkoli, bestreut mit 50 g Mandelblättchen (in Butter geröstet); 1 gebratenes Lachsfilet; 1 großes Glas Wasser
Kaffeezeit 48 g

z.B.: 1 Stück Marmorkuchen; 1 Milchkaffee
2 g

z.B.: zuckerfreie Marzipankartoffeln; 1 Pott Kaffee mit etwas Milch
Abendbrot 71 g

z.B.: 2 Scheiben Vollkornbrot, Butter, 1 Scheibe Salami, Wurst und Gouda, 1 Tomate, 1 Flasche Bier
10 g

z.B.: 100 g Feldsalat; 100 g Tomaten; 100 g Gurke; 80 g Feta; 1 EL Rapsöl; 1 Scheibe Eiweißbrot; 1 Scheibe Wurst; 1 Glas Wasser
Gesamt: 209 g 28 g

Einkauftipps von Ernährungsberaterin und "Low Carb"-Expertin Peggy Dathe:

  • Auch Produkte, die als "Low Carb" bezeichnet werden, enthalten teilweise einen zu hohen Kohlenhydratanteil. Deswegen ist es wichtig, immer auf die Zutaten- und Nährwertliste zu schauen: Ein Produkt gilt als "Low Carb" bei einer Kohlenhydratmenge von 10 g je 100 g des Produkts.
  • Zuckerersatzstoffe wie Stevia enthalten oftmals die Zuckerverbindung Maltodextrin. Als Zuckerersatz empfehle ich deshalb 100 Prozent Erythrit oder reines Mandel- oder Kokosmus.
  • Nicht alle "Low Carb"-Produkte sind als solche ausgewiesen. Es lohnt ein Blick auf die Zutatenliste. Eine Schokoladentafel mit einem hohen Kakaoanteil ist zum Beispiel eine tolle "Low Carb"-Alternative zur zuckerhaltigen Vollmilch-Schokolade.

Rezepte für zuckerfreie Naschereien in der Weihnachtszeit

Die Adventszeit lockt mit allerlei zuckrigen Verführungen, keine einfache Zeit für Diabetiker. Hauptsache-Gesund-Ernährungsexpertin Nicole Lins stellt süße Alternativen vor, die auch ganz ohne Zucker auskommen:

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 29. November 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2018, 12:25 Uhr