Computergrafik zeigt entzündete Divertikel im menschlichen Dickdarm
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Hauptsache Gesund | 10.01.2019 | 21:00 Uhr Divertikulitis – Gefährliche Entzündungen im Darm

Divertikel sind Ausstülpungen im Darm. Bei ihrer Entstehung spielt das Alter eine Rolle, aber auch der Lebensstil. Gefährlich wird es, wenn sie sich entzünden, denn eine Divertikulitis kann bis zum Darmdurchbruch führen.

von Jana Olsen

Computergrafik zeigt entzündete Divertikel im menschlichen Dickdarm
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Zuerst dachte er, es wäre nur ein normaler Darminfekt. Bauchschmerzen, Durchfall, bekannte Symptome. Doch die Schmerzen wurden immer schlimmer. "Ich hatte im Unterbauch wie eine dicke Wulst. Und wenn man drauf drückte, tat es weh", beschreibt der Chemnitzer Sven Jahn seine Beschwerden. Die Diagnose im Krankenhaus schließlich: Divertikulitis. Dabei entzünden sich sogenannte Divertikel, kleine, sackartige Ausstülpungen in der Darmwand. Unbehandelt können sie schwerwiegende Komplikationen wie Blutungen in den Darm, einen Darmdurchbruch oder eine Bauchfellentzündung nach sich ziehen.

Lebensstil und Alter

Divertikel an sich sind kein seltenes Phänomen. Insbesondere Menschen, die häufig unter Verstopfung leiden, sind davon betroffen. Ab einem Alter von 60 Jahren hat sie fast jeder. "Man kann das Alter inzwischen allerdings gar nicht mehr so als Faktor nennen ", schränkt Dr. Dagmar Burchert von den Zeisigwaldkliniken Bethanien in Chemnitz ein: "Heute haben wir zunehmend jüngere Menschen, die auch betroffen sind. Ich denke, hier spielt unser Lebensstil eine große Rolle – mangelnde Bewegung, zu wenig Trinken, zu wenig ballaststoffreiche Kost."

Ein Mann hält sich den Bauch vor Schmerzen.
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Wenn Divertikel keine Beschwerden machen, brauchen sie auch keine Behandlung. Problematisch wird es, wenn sie sich entzünden. Das passiert, wenn harte Stuhlreste im Divertikel zurückbleiben. "Wir wissen, dass viele Keime im Stuhl vorhanden sind. Diese sind notwendig für die Verdauung: Sie können aber auch Entzündungen verursachen", erklärt Dr. Burchert. Nämlich genau dann, wenn sie in den Divertikeln hängen bleiben. Die Entzündungen können sich dann auch über die ganze Darmwand ausbreiten. Zur Diagnose werden die Entzündungswerte im Blut gemessen. Mit Ultraschall oder einer Computertomografie kann die Divertikulitis zudem genauer untersucht werden.

Divertikel, Divertikulose und Divertikulitis Ein Divertikel ist eine Ausstülpung der Darmwand. Divertikel, die keine Beschwerden machen, müssen nicht behandelt werden.

Bei einer Divertikulose befinden sich mehrere Ausstülpungen, also Divertikel, nebeneinander.

Von einer Divertikulitis spricht man, wenn sich die Divertikel entzünden und Komplikationen wie Blutungen auftreten.

OP nur in schweren Fällen

Die Therapie richtet sich nach dem Entzündungsstadium und danach, welche Komplikationen auftreten. Sven Jahn beispielsweise musste einige Tage im Krankenhaus bleiben, bekam Antibiotika stationär über die Vene verabreicht, damit es schnell zu einer Besserung kommt. Auch auf Essen musste er in der Akutphase verzichten. "In der akuten Phase bekommt der Patient nur flüssige Kost, Kräutertee und Wasser. Erst wenn die Entzündung abklingt, kann man die Kost wieder langsam aufbauen", sagt Dr. Burchert. Bei etwa 30 Prozent der Betroffenen kommen die Entzündungsschübe immer wieder. Wenn das der Fall ist oder Komplikationen auftreten, kann auch eine Operation nötig sein. Dabei wird der Teil des Darms entfernt, in dem die Divertikel liegen. Bis vor einigen Jahren wurde bei einer Divertikulitis fast immer zu einer Operation geraten. Mittlerweile wird in ärztlichen Leitlinien mehr Zurückhaltung empfohlen. Und auch Dr. Dagmar Burchert hält es an ihrer Klinik so: "Wir raten immer als letztes zur Operation. In erster Linie empfehlen wir den Patienten zuerst eine Lebensstiländerung, wenn die Entzündung abgeklungen ist."

Ballaststoffreich essen

Um zu vermeiden, dass eine Divertikulitis wieder auftritt, sollte man sich ballaststoffreich ernähren, gut kauen und viel trinken, um Verstopfung zu vermeiden. Körperliche Bewegung hilft zudem, den Darm in Schwung zu bringen. "Ich sage meinen Patienten immer, nutzen sie Pausen für mehr Bewegung. Beim Zähneputzen kann man auch ein paar Kniebeuge machen", empfiehlt Dr. Burchert. Den Vorsatz sich mehr zu bewegen, hat auch Sven Jahn gefasst: "Ich habe mir auch vorgenommen, gesünder zu essen." Denn noch einmal will er die Schmerzen nicht haben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 10. Januar 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2019, 10:55 Uhr