Fahrradladen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK/Ines Adam

Hauptsache Gesund | 03.05.2018 | 21:00 Uhr Fit und gesund durch die Fahrradsaison

Auf dem Fahrrad unterwegs zu sein, macht Spaß – wenn der Rahmen passt, die Sitzposition stimmt und wir uns sicher fühlen. Aber wie wird das Fahrrad passend? Wir haben uns Tipps von Rad-Profi Martin Goetze geholt.

von Andrea Besser-Seuß

Fahrradladen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK/Ines Adam

Der passende Fahrrad-Rahmen

Das A und O beim Fahrrad ist der richtige Rahmen. Der sollte von Anfang an passen, denn schließlich lässt er sich nicht im Nachhinein ändern. Passt der Rahmen nicht zur Person, drohen Verspannungen und Fehlbelastungen der Gelenke.

Um die richtige Rahmengröße zu berechnen, muss zunächst die Schrittlänge bestimmt werden. Das ist der Abstand vom Boden bis hoch zum Schritt. Wichtig ist, möglichst gerade messen. Als kleine Hilfe dabei empfiehlt Radprofi Martin Götze, ein Buch zwischen die Beine zu klemmen und den Buchrücken an der Wand auszurichten, damit man gerade steht. Dann mit Zollstock oder Bandmaß die Schritthöhe ermitteln. Mit Hilfe einer zweiten Person geht es leichter!

Die Faustformeln vom Experten: Schrittlänge (in cm) mal 0,866 = Sitzhöhe (cm)

Sitzhöhe minus 26 bis 28 cm = Rahmenhöhe MTB
Sitzhöhe minus 20 bis 23 cm = Rahmenhöhe Rennrad
Sitzhöhe minus 16 bis 20 cm = Rahmenhöhe City- oder Trekkingrad

Um den errechneten Wert in Zoll umzurechnen – beispielsweise dann, wenn die Rahmengröße nur in Zoll angegeben ist – wird der Wert mit 0,3937 multipliziert.

Portrait des ehemaligen Radprofis Martin Goetze in seinem Fahrradladen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK/Ines Adam

Wichtiger als die Rahmenhöhe ist aber eigentlich die Länge des Rahmens.
Da unterscheiden sich die Rahmen je nach Hersteller oft deutlich. Die Rahmenlänge beeinflusst letztendlich den Abstand zwischen Lenker und Sattel und damit, wie aufrecht wir sitzen. Das wiederum ist abhängig davon, für welchen Zweck man das Rad nutzen möchte.

Fazit: Wer auf Nummer sicher gehen möchte, lässt sich beim Fachmann vermessen und den Rahmen individuell anpassen. Ohnehin ist es sinnvoll, sich beim Fahrradkauf im Fachgeschäft beraten zu lassen. Orientierung bieten auch Online-Portale, auf denen man sich über den richtigen Rahmen informieren kann.

Wir stellen vor: Rad-Profi Martin Goetze                                       Martin Goetze ist vierfacher DDR-Meister im Straßenradsport. 1990 nahm er als 37-Jähriger an der 43. Internationalen Friedensfahrt teil und gewann die letzte Etappe. Heute hat der dreifache Familienvater rund 800.000 Radkilometer in den Beinen. Mit seinen 60 Jahren ist Martin Götze immer noch topfit und stellt so manchen jüngeren Radsportler in den Schatten. In seinem eigenen Radgeschäft gibt er sein Wissen weiter und organisiert Radtouren.

Martin Goetze sagt: "Radfahren ist toll, um sich wieder in Form zu bringen! Wer nicht so fit ist, sollte sich nicht gleich zu viel vornehmen. Wichtig ist, regelmäßig zu fahren, auch wenn es die Zeit nur einmal pro Woche erlaubt. Dann die Länge der Strecke so wählen, dass man wieder fröhlich zu Hause ankommt. Radfahren muss Spaß machen, man sollte nur so schnell fahren, dass man noch dabei singen kann! Je länger die Strecke am Ende ist umso besser – dann kann man auch mal wieder gut essen gehen danach! Die richtige Ernährung gehört natürlich bei allem dazu."

Die richtige Sitzposition

Sattelhöhe
Eine einfache Faustregel lautet: Mit den Hacken auf die Pedale, wenn man dann beim Treten nicht mit dem Becken auf dem Sattel kippelt, ist es fast perfekt. Wer mehr als Schuhgröße 42 hat darf den Sattel ein bis zwei Zentimeter höherstellen. Der Sattel sollte im vorderen Sitzbereich waagerecht stehen oder ganz leicht abfallend. So muss der Kopf nicht zu weit angehoben werden und der Nacken bleibt entlastet.

Fahrradsattel
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK/Ines Adam

Abstand zwischen Sattel und Lenker
Wer zu weit nach vorn gebeugt ist, bekommt es im Kreuz oder stößt mit den Oberschenkeln an. Auf dem Stadt-Rad sitzt man auch eher entspannt aufrecht. Wer schnell fahren will, wird automatisch versuchen, eine windschnittigere Position zu finden. Das ist ganz individuell je nach Rad und Typ. Als Faustregel gilt:

Der Abstand zwischen Sattelspitze und Lenker entspricht etwa der Unterarmlänge plus zwei Zentimeter. Die Arme sollten leicht gebeugt sein, damit die Gelenke die Stöße optimal abfedern können.

Lenkerhöhe
Wer schnell Nackenschmerzen bekommt, kann über die Lenkerhöhe viel bewirken.

Lieber etwas aufrechter sitzen, ideal ist etwa eine Neigung von 45 Grad. Der Profi sagt, das muss man tatsächlich ausprobieren.

Weil Frauen im Vergleich zum Oberkörper oft längere Beine haben, sollte bei ihnen der Abstand zum Lenker etwas kleiner ausfallen, etwa durch einen kürzeren Rahmen. Dadurch bekommt der Oberkörper die gewünschte Neigung.

Lenker und Griffe
Um eingeschlafenen Händen vorzubeugen, empfiehlt der Experte Folgendes: Die Hände und der Unterarm bilden eine gerade Linie. Das Handgelenk sollte möglichst nicht abknicken. Bewährt haben sich auch spezielle Lenkergriffe, die im Handballenbereich abgeflacht sind. Sowas kann man im Fachgeschäft für wenig Geld nachrüsten lassen.

Pedale
Bei Knieproblemen kann neben der optimalen Sattelhöhe helfen, wenn man eine kürzere Pedal-Kurbel montieren lässt. Dadurch wird der Radius beim Treten kleiner und das Knie nicht so stark gebeugt. Wer mehr Geld ausgeben kann, für den gibt es in Fachgeschäften auch spezielle Pedale. Die bewegen sich sozusagen dreidimensional mit und lassen sich bei allen gängigen Rädern nachrüsten.

Grundsätzlich ist Radfahren bei Knieproblemen oft die angenehmste Fortbewegungsart. Maßvoll betrieben ist es sogar für die Knie gut , weil damit Muskeln aufgebaut werde, ohne den Knien zu schaden.

Sicher Radfahren

2016 verunglückten in Deutschland 81.274 Radfahrer. Bei den meisten Unfällen sind Autofahrer beteiligt. Für 393 Radfahrer endete der Unfall tödlich.

Fahrradhelme
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK/Ines Adam

Erschreckend dabei ist, dass die Radfahrer in mehr als 40 Prozent der Fälle mitschuldig am Unfall waren. Der häufigste Grund: Sie waren auf der falschen Straßenseite unterwegs. Außerdem trugen viele Opfer keinen Helm.

Unfallchirurg Dr. Christoph Josten, Leiter der Unfallchirurgie an der Uniklinik Leipzig sagt: "Helme stellen die sicherste Schutzmaßnahme gegen schwere Verletzungen dar. Man weiß, 85 Prozent der tödlichen Fahrradunfälle könnten mit einem Helm vermieden werden. Selbst Gesichtsverletzungen könnten um ein Mehrfaches reduziert werden, wenn man einen Helm trägt."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 03. Mai 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2018, 23:04 Uhr

Fahradunfallopfer Felix Gebhardt
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch interessant