Aus einer Karaffe wird Wasser in ein Glas gegossen.
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Hauptsache Gesund | 07.03.2019 | 21:00 Uhr Fasten – Der heilsame Verzicht

Immer mehr Studien zeigen, dass Fasten gesundheitliche Beschwerden verbessern kann: Rheuma- und Arthrosepatienten haben nach dem Fasten weniger Schmerzen, Blutdruck- sowie Blutzuckerwerte sinken, man nimmt leichter ab.

von Jana Olsen

Aus einer Karaffe wird Wasser in ein Glas gegossen.
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Eine Woche oder länger nichts essen? Für viele ist das immer noch unvorstellbar. Auch wenn die Akzeptanz des Fastens immer mehr zunimmt. Einer aktuellen Umfrage der DAK-Gesundheit zufolge halten mittlerweile 63 Prozent der Deutschen Fasten für gesundheitlich sinnvoll.

Der Mensch ist fürs Fasten gemacht

Rein evolutionsbedingt ist unser Körper sogar dafür gemacht, längere Hungerperioden auszuhalten. In der Steinzeit war das sogar die Regel. Denn der Jäger erlegte selten das Wildschwein Punkt zwölf Uhr und die Dame des Hauses tischte abends auch nicht pünktlich 18 Uhr die Pilzmahlzeit auf. Fastenzeiten gehörten für unsere Vorfahren zum Alltag.

Mehrere positive Gesundheits-Effekte

Heute zeigt mittlerweile eine Fülle an wissenschaftlichen Studien, dass Heilfasten insbesondere für Rheuma- und Schmerzpatienten ein guter Impuls zur Selbstheilung sein kann und einen entzündungshemmenden Effekt hat. Bei Bluthochdruckpatienten sinkt zudem der Blutdruck im Durchschnitt um etwa 25 mmHg – mehr als sich mit einem Medikament schaffen lässt.  Bei Diabetikern Typ 2 sinkt der Blutzucker, Betroffene brauchen weniger Insulin. Offenbar bewirkt das Fasten eine Art "Reset" unseres Stoffwechsels. Der Beginn zu etwas Neuem.

"Am Ende der Fastenkur fällt vielen Patienten zudem eine Ernährungsumstellung leichter und sie hält auch länger an als ohne eine Fastenkur, sagt Ernährungsexpertin Nicole Lins aus Erfahrung. "Die ersten Tage sind wirklich Hardcore!" weiß sie aus Erfahrung.. "Als ich gefastet habe, hatte ich die ersten Tage schlechte Laune, mir war kalt. Aber hat man sich da einmal durchgeboxt, profitiert man langfristig vom Fasten."

Ab dem dritten Tag fällt das Fasten leichter

Eine Möhre liegt auf einem gelben, viereckigen Teller.
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Doch Heilfasten braucht Ruhe und Muße, sich darauf einzulassen. Denn die ersten beiden Fastentage sind mühsam und anstrengend. Das liegt daran, dass das Gehirn vermehrt die Stresshormone Adrenalin und Cortisol ausschüttet. Der Körper schlägt Alarm, Hunger bedeutet Gefahr, der Fluchtreflex wird aktiviert. Beim ersten Mal sollte man daher am besten in eine naturheilkundliche Klinik gehen. Unter ärztlicher Begleitung fällt es leichter, standhaft zu bleiben. Auch wer ausgeprägtes Rheuma, Bluthochdruck oder Diabetes hat, fastet besser unter Anleitung. In guten Kliniken bekommt der Patient zudem viele Begleittherapien, wie Kneippgüsse, Leberwickel, Massagen und Bewegungstherapie, was den Stoffwechsel zusätzlich anregt. Ab dem dritten Tag fällt das Fasten zunehmend leichter. Das Gehirn stellt den Alarmmodus ab und gewöhnt sich an das Leben ohne Essen. Das Glückshormon Serotonin wird vermehrt ausgeschüttet und sorgt nicht nur für ein erstes Hochgefühl, sondern hemmt ab diesem Zeitpunkt auch Entzündungsbotenstoffe. Die Schmerzen lassen nach.

Heilfasten nach Buchinger

Am weitesten verbreitet ist die Fasten-Methode nach Otto Buchinger (1878–1966). Der Arzt hatte seine rheumatische Arthritis durch Fasten geheilt und später eine eigene Fastenklinik gegründet. Sein Buch "Das Heilfasten und seine Heilmethoden" und sein Konzept sind bis heute aktuell: Morgens und abends wird ein kleines Glas Obst- oder Gemüsesaft getrunken, mittags ungesalzene Gemüsebrühe und zwischendurch Kräutertee und stilles Wasser. Nach Ende der Fastenzeit gibt es Entlastungstage mit Obst oder Reis. Damit wird insbesondere der Darm schonend auf das normale Essen vorbereitet.

Intervallfasten als Alternative

Symbolbild Intervallfasten
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Doch nicht alle können, wollen oder dürfen fasten. "Mehrtägiges Heilfasten ist nicht für jedermann machbar", bestätigt Nicole Lins. "Dann ist Intervallfasten eine gute Alternative, weil es sanfter ist und sich besser in den Alltag integrieren lässt." Dabei fastet man nur stundenweise in größeren Pausen, also 12, 14 oder 16 Stunden, beispielsweise von 20 Uhr abends bis 12 Uhr am nächsten Tag.

In dieser Zeit ist trinken erlaubt, alles was Kalorien hat, ist jedoch tabu. Aktuell wird viel darüber gesprochen und geschrieben, dennoch gibt es im Gegensatz zum Heilfasten bisher erst wenige Studien darüber, wie sich das Intervallfasten gesundheitlich auswirkt. Erste Ergebnisse zeigen aber, dass Essenspausen von 16 Stunden ebenfalls einen positiven Effekt haben, wenn auch nicht so deutlich wie beim Heilfasten. "Meine Kursteilnehmer berichten, dass sie durch Intervallfasten besser schlafen und weniger Schmerzen haben", sagt Nicole Lins.

Abnehmen durch Fasten?

Fasten
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Beim Heilfasten ist eine Gewichtsabnahme nicht das Ziel, sondern eher eine angenehme Nebenwirkung. Ob der Effekt von Dauer ist, hängt von den Ernährungsgewohnheiten im Anschluss ab. Das Intervallfasten dagegen führt langfristig fast immer zu einem Gewichtsverlust – wenn es denn auch langfristig praktiziert wird. Durch das Weglassen einer Mahlzeit, wird dauerhaft weniger gegessen. Zudem kurbelt die längere Essenspause unseren Stoffwechsel an, Fett wird besser abgebaut. Ernährungsexpertin Nicole Lins sieht noch einen weiteren Vorteil: "Fasten ist gut für die Wahrnehmung. Man beschäftigt sich mit dem, was man isst und im Idealfall ernährt man sich dadurch auch gesünder." Auch das hilft letztlich beim Abnehmen.

Wer sollte nicht fasten?

Dennoch gibt es Erkrankungen, bei denen längere Fastenkuren nicht zu empfehlen sind. Dazu zählen Gicht, schwere Depressionen und Nierenerkrankungen. Auch wer an Gallensteinen leidet, sollte vorsichtig sein. Wer dauerhaft Medikamente einnehmen muss, wie Insulin, Blutgerinnungshemmer oder Blutdrucksenker, sollte sich auch beim Intervallfasten mit seinem Arzt beraten. Meist muss dann die Dosierung der Medikamente angepasst werden.

Aufbau einer Heilfastenkur

Entlastungstage: Man fastet nicht von null auf hundert, sondern gleitet langsam ins Fasten hinein - mit ein, zwei Entlastungstagen. Dabei isst man bewusst weniger, vorwiegend Haferbrei, Gemüse, Reis und Obst. Auf Kaffee sollte man ab jetzt verzichten.

1. Fastentag: Die Fastenkur beginnt mit einer Darmreinigung. Das hat den Vorteil, dass ein leerer Darm das Hungergefühl dämpft. Dazu kann man etwa 20 Gramm Glaubersalz in einem halben Liter Wasser auflösen und trinken. Auch ein Einlauf steht bei vielen Fastentechniken am Anfang. Beim Fasten in einer Klinik bekommt man einen Leberwickel, um das Entgiftungsorgan bei seiner Arbeit zu unterstützen.

2. und 3. Fastentag: Das sind die kritischen Tage. Man fühlt sich müde und schlapp, die Stimmung ist im Keller. Das liegt an den großen Umstellungen im Stoffwechsel. Bleiben Sie standhaft! Trockenbürstenmassagen regen die Durchblutung an, leichte Bewegung hilft, das Gedankenkarussell nach Essen zu unterbrechen. Lenken Sie sich ab mit Dingen, die Spaß machen.

4. Fastentag: Ab jetzt kommt man langsam ins Fastenhoch. Manche werden sogar euphorisch. Gelenkschmerzen nehmen ab, der Blutdruck sinkt, die Stimmung steigt. Ab jetzt fällt es leicht zu fasten. Der Anfänger sollte außerhalb einer Klinik nicht länger als fünf Tage fasten. Erfahrene Faster können die Kur auf bis zu zehn Tage ausdehnen.

Fastenbrechen: Ganz traditionell beginnt man mit einem Apfel am Morgen. Man sollte am ersten Tag nach dem Fasten weiter reichlich trinken und langsam anfangen: mit einer leichten Kartoffelsuppe, Reis mit Gemüse und Kräutern. Genießen Sie den Triumph, durchgehalten zu haben.

Aufbautage: Etwa zwei Tage nach dem Fastenbrechen sollten Sie noch auf die Pizza und das Eisbein verzichten. Der Körper muss sich erst wieder ans Essen gewöhnen. Ballaststoffreiche und salzarme Kost sind jetzt genau richtig.

Die besten Teesorten für das Fasten

Beim Fasten sollte man ausreichend Kräutertee trinken. Je nach Sorte unterstützen die Teesorten in den jeweiligen Fastenphasen. Man kann die Sorten aber auch nach seinen persönlichen Vorlieben mischen. Faustregel für eine Tasse: 1 Esslöffel Tee mit 150 Milliliter siedendem Wasser übergießen und bedeckt 10 bis 15 Minuten ziehen lassen, anschließend durch ein Teesieb geben.

Kreislaufstärkende Teesorten

Mateblätter bringen den Kreislauf in Schwung. Sie wirken anregend und helfen beim Kaffee-Entzug. Der Mate-Aufguss kurbelt auch die Verdauung an und hilft bei der Entgiftung.

Pfefferminze wirkt ebenfalls anregend, belebend und konzentrationsfördernd.

Beruhigende Teesorten

Lavendel hilft, die innere Ruhe zu finden. Denn wenn die Gedanken ruhelos ums Essen und den Wunsch nach einer frischen Tasse Kaffee kreisen, sollte man gegensteuern. Lavendel entspannt und wird gegen innere Unruhe und Schlafstörungen verwendet.

Kamille und Melisse sind eine Alternative für alle, die den Geschmack des Lavendels zu aufdringlich finden. Auch diese Heilpflanzen haben einen entspannenden Effekt auf den Körper.

Teesorten zur Entgiftung

Mariendistel, Brennnessel und Rosmarin haben eine Harn- und verdauungsanregende Wirkung. Denn vor allem unsere Nieren, die Leber und die Galle leisten beim Fasten Höchstarbeit. Diese Teesorten helfen dem Körper dabei, die Giftstoffe schneller auszuschwemmen. Allerdings sollte man bei den abführenden Kräutern beachten, dass sie nicht über einen längeren Zeitraum (mehr als sechs Wochen) getrunken werden, da der Körper sonst dehydrieren kann. Auch während des Fastens sollte immer auf einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt geachtet werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 07. März 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2019, 11:03 Uhr