Symbolbild Fersenschmerz
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Hauptsache Gesund | 08.11.2018 | 21:00 Uhr Fersenschmerz ade

Die Ferse ist eine Sonderanfertigung der Evolution für den aufrechten Gang. Und wie alle Sondermodelle hat sie ihre Schwachstellen. Fußfehlstellungen können zu Überlastungen führen. Sehnen und Schleimbeutel können sich entzünden, Knochen Kalk anlagern. Was tun also, wenn die Ferse weh tut?

von Jana Olsen

Symbolbild Fersenschmerz
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Seit Monaten schon schmerzt Jürgen Helm die linke Ferse. Nach einer langen Wanderung fing es an und hörte nicht wieder auf. "Sobald man festes Schuhwerk anhat, macht das unheimliche Schmerzen beim Gehen. Morgens ist es am schlimmsten", erzählt der Leipziger. Er beschreibt damit einen Schmerz, mit dem sich etwa jeder zehnte Deutsche im Laufe seines Lebens herumplagen muss: Schmerzen durch einen Fersensporn.

Plattfuß begünstigt Fersensporn

Ferse
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Ein Fersensporn ist ein dornartiger Auswuchs am Fersenbein. Er entsteht durch Kalkanlagerungen am Knochen. Im Bereich des Sehnenansatzes kommt es dadurch zu Entzündungen. Die können sowohl an der Unterseite der Fußsohlensehne entstehen, als auch hinten an der Ferse, wo die Achillessehne ansetzt. Letzteres ist bei Jürgen Helm eingetreten. Wie bei vielen Patienten begünstigen bei ihm ein Plattfuß und eine verkürzte Wadenmuskulatur die Entstehung des Fersensporns. Sein behandelnder Orthopäde Dr. Jörn Schwede empfiehlt in solchen Fällen zunächst drei Dinge: "Man muss immer eine mögliche Fehlstellung des Fußes korrigieren, das heißt Einlagen tragen. Dann muss die Muskulatur vor allem im Bereich der Wade gedehnt werden und Physiotherapie ist auch wichtig."

Schmerzlindernde Phonophorese

Der Physiotherapeut kann mit speziellen Massagehandgriffen die festen Sehnenansätze dehnen und dem Patienten Übungen für zu Hause zeigen. Bei akuten Schmerzen hilft auch die sogenannte Phonophorese. "Das ist eine Ultraschallbehandlung mit einem entzündungshemmenden Schmerzgel. Durch die Ultraschallwellen kommen die entzündungshemmenden Stoffe richtig gut an den Ort der Problematik", erklärt "Hauptsache Gesund"-Physiotherapeutin Gitte Baumeier. In Einzelfällen zeigt sie ihren Patienten auch, wie man Tapes zur Entlastung anlegen kann.

Patienten brauchen Geduld

Bei Jürgen Helm führt Orthopäde Dr. Jörn Schwede zusätzlich eine Stoßwellentherapie durch. "Die Stoßwelle setzt einen lokalen Reiz. Die Patienten merken das auch, das kann nämlich richtig wehtun. Dadurch wird eine Mehrdurchblutung erreicht und dem Körper geholfen, die Reizung abzubauen." Allerdings, was schon ein halbes Jahr schmerzt, verschwindet auch nicht sofort. So brauchen die Patienten bei der Behandlung auch etwas Geduld. "Den besten Therapieerfolg verspricht, wenn alle vier Maßnahmen: Einlagen, Eigentraining, Physiotherapie und Stoßwellentherapie miteinander kombiniert werden."

Stoßwelle bald Kassenleistung

Stoßwellentherapie
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Aktuell müssen Patienten übrigens die Stoßwellentherapie noch selbst bezahlen. Doch das soll sich ab Januar 2019 ändern. Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte im Sommer dieses Jahres den Einsatz der Stoßwellentherapie aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Studienlage neu bewertet und den Kassen empfohlen, die Kosten für die Stoßwellentherapie zu übernehmen. Allerdings gilt das nicht ohne Einschränkungen. Die Therapie wird künftig nur bezahlt, wenn die Patienten schon mindestens sechs Monate durch den Fersenschmerz in ihrem Alltag beeinträchtigt sind und alle anderen Therapieoptionen ohne Besserung ausgeschöpft wurden. Zudem werden nur drei Anwendungen für den betroffenen Fuß bezahlt.

Was Sie selbst tun können

Bei Fersenschmerzen sollten sie auch selbst aktiv werden. Wir zeigen ihnen, welche Übungen dazu beitragen, die Schmerzen zu lindern.

Mann balanciert barfuß über einen Baumstamm
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Kräftigung: Im Schuh haben die vielen kleinen Muskeln und Sehnen am Fuß wenig zu tun. Also raus aus den Tretern und machen Sie Balanceübungen! Stellen Sie sich zum Beispiel auf eine weiche Matte. Achten Sie darauf, dass der Fuß schön gerade steht und ein gutes Längsgewölbe bildet. Balancieren Sie etwa 20 Sekunden lang auf einem Bein.

Dehnen: Eine verkürzte Wadenmuskulatur ist eine häufige Ursache für Schmerzen an der Ferse. Diese Dehnungsübung ist ein Klassiker! Stellen Sie ein Bein nach hinten und strecken Sie das Bein durch. Das darf ruhig ein bisschen ziehen in der Wade. Halten Sie die Übung 20 Sekunden lang und wiederholen Sie diese 5 Mal.

Selbstmassage: Fersenschmerzen entstehen oft, wenn die Sehne an der Fußsohle überlastet ist. Hier hilft eine Massage. Rollen Sie etwa zwei Minuten lang mit dem Fuß über einen Igelball, von der Ferse bis zum Ballen. Andere Variante: Legen Sie eine Wasserflasche ins Gefrierfach und rollen Sie den Fuß über die kalte Flasche.

Tapes: Damit kann man eine leichte Fehlstellung korrigieren. Steht die Ferse beispielsweise zu weit innen, kann sie durch das Tape nach außen gezogen werden. Dazu wird ein 20 cm langes Tape unter die Ferse geklebt und mit starken Zug außen am Knöchel entlang gezogen. Am besten lassen Sie sich von einem Physiotherapeuten zeigen, wie das Tape angelegt werden muss.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 08. November 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2018, 10:54 Uhr