graphische Querschnitts-Darstellung der menschlichen Leber mit Gallenblase, Magen, Darm und Blutgefäßen.
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Hauptsache Gesund | 08.02.2018 | 21:00 Uhr Gallensteine und Koliken: Gefahr aus der Gallenblase

Die Gallenblase speichert Gallensaft für die Fettverdauung. Doch in einigen Fällen bildet sie auch Kristalle. Wenn die zu Steinen anwachsen, steigt das Risiko für Koliken – und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

von Claudia Hempel, Juliane Zeisler

graphische Querschnitts-Darstellung der menschlichen Leber mit Gallenblase, Magen, Darm und Blutgefäßen.
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Die Gallenblase ist ein kleines, birnenförmiges Organ an der Rückseite der Leber, das Gallensaft speichert. Davon fasst sie rund 50 Milliliter, die sie und täglich mehrmals, nämlich zu den Mahlzeiten, in den Zwölffingerdarm abgibt. Der Gallensaft spaltet die wasserunlöslichen Fette aus der Nahrung auf und macht sie gewissermaßen wasserlöslich. Es ist also so ähnlich wie beim Abwasch wo das Spülmittel Töpfe und Pfannen von Fett befreit.

Innerhalb eines Tages werden circa 700 bis 1.200 Milliliter Gallensaft in der Leber gebildet und in kleinen Mengen an die Gallenblase abgegeben, wo er nicht nur gespeichert, sondern auch verdickt wird. Gallensaft besteht zu über 80 Prozent aus Wasser, der Rest sind Gallensäuren, Gallenfarbstoffe und Salze.

Gallenprobleme und Herzleiden – ein neuer Zusammenhang

Gallensteine können nicht nur Auslöser für eine Gallenkolik sein, sondern auch Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. In Potsdam haben Forscher des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung beide Krankheiten im Zusammenhang betrachtet, wie Studienleiter Professor Dr. Heiner Boeing erläutert: "Wir wollten wissen, ob Gallensteine ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen bedeuten. Diese Frage wurde bisher noch sehr wenig untersucht." Dafür wurden die Daten einer umfangreichen Langzeit-Beobachtungsstudie genutzt und unter neuen Aspekten ausgewertet. "Wir haben in Deutschland in den Jahren 1994 bis 1998 über 50.000 Personen befragt und sie dann in eine Langzeitstudie, eine sogenannte Kohortenstudie, aufgenommen. Diese Personen haben uns dann über die letzten 20 Jahre berichtet, welche Erkrankungen aufgetreten sind", beschreibt Boeing die Herangehensweise. Das Ergebnis: Bei Menschen mit Gallensteinen erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 24 Prozent.

Was heißt das für die Praxis? Prof. Dr. Heiner Boeing ist vorsichtig mit vorschnellen Schlussfolgerungen, denn noch ist die Ursache für den Zusammenhang von Herzleiden und Gallensteinen nicht geklärt. Trotzdem sollten Patienten und Ärzte diesen Zusammenhang im Blick haben, rät er: "Unsere Erkenntnis könnte für den behandelnden Arzt eine wichtige Information insofern sein, als dass er neben den Gallensteinen auch noch nach anderen Risikofaktoren schaut, um dann den Patienten entsprechend zu beraten."

Am hilfreichsten ist wahrscheinlich eine Änderung des Lebensstils. Sie ist auf jeden Fall besser als eine Entfernung der Gallenblase, denn die senkt das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen nicht, sondern erhöht es sogar um 32 Prozent. Das liegt wohl vor allem daran, dass nach der operativen Gallenblasenentfernung der Blutfettspiegel in der Leber steigt.

Gallengrieß und Gallensteine

15 Gramm Fett täglich sind nötig, um ein Zusammenziehen der Gallenblase auszulösen. Damit bleibt der Gallensaft in Bewegung. Bewegt er sich nicht mehr, bilden sich kleine Kristalle oder Gallengries – die Vorstufe zu Gallensteinen.

Nahaufnahme eines Gallensteins, der mit einer Pinzette gehalten wird.
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Ursachen
Neben einer vererblichen Neigung zu Gallensteinen, können auch Stoffwechselstörungen oder Diabetes die Ursachen für Gallensteinleiden sein. Hintergrund für die Bildung der kristallinen Steinstrukturen ist eine Störung der Zusammensetzung des Gallensafts. Es entstehen Kristallisationskerne, an denen sich Cholesterin, Eiweiß, der Farbstoff Bilirubin und Kalksalze ablagern.

Symptome
Sowohl Gallengrieß, als auch Gallensteine können jahrelang überhaupt keine Symptome hervorrufen. Fangen die Probleme an, sind die Schmerzen ähnlich einer Gallenblasenentzündung, die ebenfalls mit Schmerzen im Oberbauch, Völlegefühl oder Übelkeit einhergeht.

Gallensteine: Beeindruckend schön

Am Medizinhistorischen Museum der Charité sammelt die Präparatorin Navena Widulin seit 18 Jahren Gallensteine. Ihre Sammlung - wahrscheinlich die größte weltweit - zeigt eine erstaunliche Vielfalt an Farben und Formen.

Gallensteine
Am Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité sammelt die Präparatorin Navena Widulin seit 18 Jahren Gallensteine. Ihre Sammlung - wahrscheinlich die größte weltweit - zeigt eine erstaunliche Vielfalt an Farben und Formen. Was auf diesem Bild zu sehen ist, sind weder Marshmellows, noch Ohrstöpsel oder Genmais, sondern Gallensteine! Genauer gesagt: Cholesterinsteine. Bildrechte: Navena Widulin, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
Gallensteine
Am Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité sammelt die Präparatorin Navena Widulin seit 18 Jahren Gallensteine. Ihre Sammlung - wahrscheinlich die größte weltweit - zeigt eine erstaunliche Vielfalt an Farben und Formen. Was auf diesem Bild zu sehen ist, sind weder Marshmellows, noch Ohrstöpsel oder Genmais, sondern Gallensteine! Genauer gesagt: Cholesterinsteine. Bildrechte: Navena Widulin, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
Gallensteine
Die dunklen Pigmentsteine kommen etwas seltener vor. Sie machen rund 20 Prozent der Gallensteine aus. Bildrechte: Navena Widulin, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
Gallensteine
Gallensteine können so groß wie Hühnereier werden. Dieses Exemplar, eine Mischung aus Cholesterin und Pigment, hat mit einer Größe von rund zehn Zentimetern seinem Träger bestimmt keine Freude gemacht. Bildrechte: Navena Widulin, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
Gallensteine
Etwa 80 Prozent der Gallensteine sind Cholesterinsteine. Sie entstehen durch einen Überschuss an Cholesterin in der Galle. Bildrechte: Navena Widulin, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
Gallensteine
Nicht selten sind sowohl Cholesterin als auch Pigmente für die Entstehung von Gallensteinen verantwortlich. Bildrechte: Navena Widulin, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
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Im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité ist auch dieses Feuchtpräparat einer Gallenblase mit Gallensteinen zu bestaunen. Bildrechte: Navena Widulin, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
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Die Gallenkolik

Es gibt Frauen, die vergleichen die Schmerzen einer Gallenkolik mit den Schmerzen bei einer Geburt. Ausgelöst wird eine Kolik meist durch fette oder reichhaltige Speisen oder übermäßigen Ärger, Stress oder Zorn. Meist beginnt eine Kolik nachts und ohne Vorwarnung.

Eine Kolik entsteht dadurch, dass ein Stein in den Gallengang gerutscht ist und die Muskulatur durch permanentes Dehnen und Zusammenziehen nun versucht, diesen Gang wieder frei zu bekommen, indem. Bei kleineren Steinen gelingt das durchaus manchmal und die Kolik ist nach kurzer Zeit vorbei. Bei größeren Steinen allerdings bleibt der Gallengang verstopft und die Kolik kann sich über Stunden hinziehen. Auf jeden Fall sollte man bei einer Kolik sofort einen Arzt rufen, der die Symptome lindert und über die nachfolgende Therapie entscheidet.

Therapien

Solange Gallensteine keine Beschwerden verursachen, sprechen Ärzte von "stummen Steinen", welche nicht behandelt werden müssen. Treten aber Komplikationen auf oder hat sich ein Stein im Gallengang festgehakt, muss die Gallenblase samt Steinen chirurgisch entfernt werden.

Leben ohne Gallenblase

Die meisten Patienten verkraften die völlige Entfernung der Gallenblase recht gut und können nach der Operation wieder normal essen. Allerdings sollten sie sehr große und üppige Mahlzeiten weglassen und stattdessen viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt einnehmen. Auch auf Kaffee und Alkohol sollte verzichtet werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 08. Februar 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2018, 09:44 Uhr

Experte im Studio

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Dr. med. Jens-Uwe Erk
Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Diakonissenkrankenhaus Dresden
Facharzt für Innere Medizin / Gastroenterologie/Diabetologe (DDG)