Zeichnung eines Gehirns in Gestalt eines Straßenlabyrinths.
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Hauptsache Gesund | 08.02.2018 | 21:00 Uhr So bleibt das Gedächtnis fit!

Das Gedächtnis ist ein enormer Speicher. Ob emotionale Momente oder grundlegende Fähigkeiten: Alles wird hier abgelegt und ist ständig in Bewegung, bereit Neues aufzunehmen und manches in Vergessenheit geraten lassen. Wir haben und von "Superhirn" Johannes Mallow Tipps für ein gutes Gedächtnistraining geben lassen.

von Claudia Hempel, Annett Böhm

Zeichnung eines Gehirns in Gestalt eines Straßenlabyrinths.
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Der erste Kuss, der Abend vor der Abiturfeier, die Geburt des Enkelkindes: Diese Ereignisse sind in unserem Gedächtnis gespeichert wie auf einer großen Festplatte. Doch nicht nur emotionale Erlebnisse sind dort verankert, sondern auch praktische Kenntnisse, wie laufen zu können, Fahrrad zu fahren oder eine Kaffeemaschine bedienen zu können. All das ist möglich, weil im Gedächtnis bestimmte Dinge verknüpft werden. Diese Informationen werden von Nervenzelle zu Nervenzelle über die Synapsen, die Nervenenden, weitergegeben.

Das Gedächtnis ist kein starres System, sondern plastisch und ständigen Veränderungsprozessen unterworfen. Dadurch gerät zwar manches in Vergessenheit, gleichzeitig lernen wir ständig Neues - und das unabhängig vom Alter. Neues lernen ist dabei das beste Training für unser Gehirn.

Das "Superhirn" aus Magdeburg

Gedächtnisweltmeister Johannes Mallow
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Als Johannes Mallow 2003 in einer Fernsehshow sah, wie Verona Feldbusch sich ohne Mühe eine zwanzigstellige Zahlenfolge merken konnte, saß vor dem Fernseher und dachte: Das will ich auch können! Seit seinem 14. Lebensjahr leidet der Magdeburger unter einer Muskelerkrankung, die seinen Körper schwächt. Seither konzentriert er sich mit voller Kraft auf seinen Geist. Johannes Mallow begann, sich ausgiebig mit Gedächtnissport und verschiedenen Lern- und Merktechniken auseinanderzusetzen.

2008 war er dann das erste Mal Deutscher Meister, 2013 sogar Weltmeister im Gedächtnissport. Zwanzigstellige Zahlen, Namen oder historische Ereignisse sind seither kein Problem mehr. Das Gute daran: Gedächtnistraining ist wie Sport. Mit den entsprechenden Strategien lässt es sich erlernen.

So lassen sich Zahlenfolgen merken!

Zahlen lassen sich merken, indem sie Bilder, die ihrer Form ähneln, zugeordnet werden. Die Ziffer 1 lässt sich zum Beispiel als Kerze vorstellen, die 2 als Schwan oder die 8 als Achterbahn. Aus diesen Bildern werden im Gedächtnis kleine Geschichten entwickelt, mit deren Hilfe sich ein PIN-Code oder ein Datum hervorragend merken lässt.

Das Zahlen-Form-System: 1= Kerze, 2 = Schwan, 3 = Dreizack, 4 = Stuhl, 5 = Hand, 6 = Schlange, 7 = Sichel, 8 = Achterbahn, 9 = Ballon, 0 = Ei

Das Erstsendedatum von "Hauptsache Gesund" war am 12.01.1998. Johannes Mallow merkt sich die Zahl folgendermaßen: Zunächst einmal lässt er die 19 aus – da klar ist, dass die Sendung weder 1898 noch 1698 lief, kann man die 19 weg lassen. Bleiben die Zahlen 12.01.98 übrig.

Seine Geschichte lautet nun so:
Eine Kerze wird vom Schwan ausgepustet. Nachdem er die Kerze ausgepustet hat, legt er ein Ei. Aus diesem Ei schlüpft eine weitere Kerze. Die fliegt mit einem Ballon zur Achterbahn.

Wie merkt man sich Wörter?

Zeichnung eines Gehirns, in dem ein Gewichtheber eine Hantel stemmt.
Treinieren Sie Ihr Gedächtnis! Bildrechte: IMAGO

Ob lange Einkaufslisten, Namen oder die Hauptstädte aller Länder Südamerikas: Um sich Wörter zu merken, wendet Johannes Mallow eine andere Strategie an: Er verknüpft die Wörter mit einem vorgestellten Gang durch seine Wohnung.

Will er sich beispielsweise die Wörter: Butter, Eier, Brot, Gurke und Käse merken, beginnt er an der Wohnungstür. Beim Öffnen der Wohnungstür fällt sein Blick auf den Schuhschrank.

So stellt er sich vor, auf dem Schuhschrank liegt die Butter, die Eier liegen an der Garderobe, das Brot auf der Sitzbank im Flur. Geht er weiter in die Küche, liegt auf der Küchenzeile die Gurke und auf dem Küchentisch der Käse. So geht er Schritt für Schritt durch die eigene Wohnung und verknüpft die Dinge, die er sich merken möchte, mit den Einrichtungsgegenständen.

Altershirndruck – das heilbare Gedächtnis

Als Dieter Thonfeld merkte, dass er ab und an etwas vergisst, nahm er es anfangs gelassen. So ist es eben im Alter, dachte sich der 78-Jährige, wenn wieder mal die Kaffeemaschine ohne Kaffee durchlief oder er den Einkaufszettel zu Hause vergessen hatte. Doch als die Vergesslichkeit immer schlimmer wurde und dazu noch Probleme mit dem Laufen dazu kamen, war er beunruhigt. 

Nach einer Odyssee von Arzt zu Arzt und verschiedenen Fehldiagnosen, fand sich schließlich eine plausible Ursache: Altershirndruck. Der entsteht, wenn sich im Gehirn sich viel Nervenwasser ansammelt und sich die Hirnkammern erweitern. Durch diesen Druck werden Verbindungen zwischen den Nervenzellen gelockert. Das wirkt sich auch auf das Erinnerungsvermögen aus.

"Wir gehen davon aus, dass durch die Erweiterung der Hirnkammern Gefäße auch gedehnt werden und dadurch die Durchblutung schlechter wird und über die Zeit chronisch eben solche Störung auftreten", erklärt Prof. Dr. med. Jürgen Meixensberger, Leiter der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. Dieter Thonfeld gehört zu den zehn Prozent, bei denen Altershirndruck die Ursache der Vergesslichkeit ist. Das Positive daran: Diese Form der Demenz ist behandelbar. Dieter Thonfeld ließ sich operieren. Die körperlichen Probleme verschwanden gänzlich. Das Erinnerungsvermögen trainiert er nun fast täglich, mit kleinen Gedächtnisstützen im Alltag oder auch mit Kreuzworträtseln. Die Ärzte hatten ihn schon darauf vorbereitet, dass das Gedächtnis etwas länger braucht, um sich zu erholen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 08. Februar 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2018, 14:21 Uhr