Verpacktes Obst und Gemüse
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Hauptsache Gesund | 27.09.2018 | 21:00 Uhr Gesundheitsgefahr Plastik

Ob Trinkflasche, Flasche, Verpackung oder Zahncremetube: Wir sind umgeben von Plastik. Dass die Kunststoffe die Umwelt gefährden, ist bekannt. Doch wie sieht es eigentlich mit unserer Gesundheit aus? Die Forschungsergebnisse dazu sind zwar noch relativ neu, doch nicht weniger alarmierend.

von Beate Splett

Verpacktes Obst und Gemüse
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Phtalate – Weichmacher mit Nebenwirkungen

Weichmacher sind Stoffe, die Plastik geschmeidig machen sollen, wie etwa beim Gartenschlauch oder den Gummistiefeln. Doch sie bergen eine besondere Gefahr: Sie können uns krank machen. Sie können nämlich ins Hormonsystem eingreifen und Stoffwechselvorgänge fehlsteuern. Von Diabetes über Unfruchtbarkeit bis hin zu Adipositas: Gelangen die Weichmacher über den Verdauungstrakt in unseren Körper, werden sie im Blut verteilt und kommen in die Leber. Normalerweise werden sie als ungesunde Stoffe erkannt, abgebaut und ausgeschieden. Doch sind zu viele Stoffe im Blut, können sie nicht mehr vollständig ausgeschieden werden. Sie wirken dann wie künstliche Hormone.

Kinder mit roten und gelben Gummistiefel an den Füßen.
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"Man wusste, dass bei einer Belastung mit Weichmachern die Menschen dicker werden. Aber es war nicht bekannt, wie das im Organismus, im Gewebe tatsächlich funktioniert. Davon wissen wir jetzt mehr, und wir können sagen, dass unter dem Einfluss von Weichmachern sich die Größe der Fettzellen erhöht" erklärt Prof. Dr. Martin von Bergen vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Gemeinsam mit Stoffwechselexperten des Leipziger Universitätsklinikums erforscht er den Zusammenhang von Weichmachern und Erkrankungen wie Fettleibigkeit.

Einer dieser Weichmacher heißt DEHP. Obwohl er bis auf wenige Ausnahmen inzwischen bei uns verboten ist, wird er noch immer in Proben von Mensch und Tier nachgewiesen. Mit diesem Weichmacher haben die Leipziger Forscher einen Test an Mäusen durchgeführt. Dabei wurde einem Teil der Tiere DEHP ins Trinkwasser gegeben. Bereits nach zehn Tagen zeigten sich erste Veränderungen. Vor allem die weiblichen Mäuse nahmen zu. "Das Ausmaß der Wirkungen dieses Weichmachers in einer ganz geringen Dosis hat uns doch überrascht. Wir sehen eine deutliche Vermehrung der Fettzellen, wir sehen auch eine deutliche Tendenz, dass die Fettzellen mehr Zucker aufnehmen können. Dadurch wurden die Tiere auch dicker und das könnte natürlich auch auf den Menschen übertragen eine Rolle spielen," sagt Stoffwechselexperte Dr. Matthias Blüher. Das Tückische: Viele der Weichmacher sind fettlöslich. Wenn sie also in Lebensmittelverpackungen zum Beispiel für Schnittkäse oder Wurst enthalten sind, können sie auf die Nahrungsmittel übergehen und so auch in unseren Körper gelangen. Deshalb sind einige der Weichmacher seit 2007 verboten. Für weitere Stoffe wurden Grenzwerte eingeführt. Für die Verpackungen wurden inzwischen Alternativen gefunden. Doch bisher weiß man nicht, ob sie gesünder sind oder vielleicht sogar noch schädlicher, da Langzeitstudien dazu noch fehlen.

Entwarnung bei PET-Flaschen

Auch Trinkflaschen aus dem Kunststoff PET haben einen schlechten Ruf. Lange Zeit standen die Plastikwasserflaschen im Verdacht, Kunststoffteilchen an die Flüssigkeiten abzugeben. Stehen die vollen Flaschen zum Beispiel längere Zeit in der Sonne oder werden sie mehrmals neu befüllt, kann das Wasser leicht chemisch schmecken. Neuere Untersuchungen konnten zeigen, dass zwar tatsächlich Stoffe aus dem Kunststoff in die Getränke wandern, allerdings in so geringen Mengen, dass sie nicht als gesundheitsgefährdend eingeschätzt werden. Da die Flasche hart und stabil sein soll, stecken in PET-Wasserflaschen auch keine Weichmacher.

Allzu oft sollte man die Trinkflaschen dennoch nicht wieder auffüllen. Grund dafür ist jedoch nicht der Kunststoff, sondern die Hygiene. Da die Flaschen selten heiß genug ausgespült werden, können sich nach längerem Gebrauch Bakterien ansiedeln.

Mikroplastik in Kosmetik

 Mikroplastik-Teilchen liegen 2016 auf einem Centstück.
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Als Mikroplastik werden Kunststoffteilchen mit einer Größe von weniger als fünf Millimetern bezeichnet. Sie können fest oder flüssig sein. Diese kleinsten Plastikteile, sogenannte synthetische Polymere, werden für kosmetische Produkte chemisch hergestellt und stecken in vielen Drogerieartikeln: In Peelings wirken sie als Schleifmittel, in Cremes sorgen sie als Bindemittel für ein geschmeidiges Gefühl und in Shampoos für gute Kämmbarkeit der Haare. Auch in Lippenstiften, Deos oder Rasierschaum sind sie enthalten. Eigentlich brauchen Kosmetika die künstlichen Plastikteile nicht. Früher wurden natürlich vorkommende Stoffe wie zum Beispiel Sand oder grobes Salz für Peelings verwendet. Doch diese Inhaltsstoffe kosten die Kosmetikindustrie mehr Geld.

Noch sind die Auswirkungen auf die Gesundheit relativ wenig erforscht. Bisher gehen Wissenschaftler davon aus, dass die kleinen Partikel vom Körper zwar aufgenommen, aber einfach wieder ausgeschieden werden und so keinen Schaden anrichten. Dennoch es gibt ein Problem: Die winzigen Teilchen sind so klein, dass sie von Kläranlagen nicht gefiltert werden. Gelangen sie über den Ausfluss im Waschbecken in Flüsse, Seen und Meere, binden sie dort schädliche Giftstoffe wie Pestizide und andere Umweltgifte. Fische nehmen sie auf und so landen die Schadstoffe schließlich irgendwann auf unseren Tellern.    

Oft ist es ohne Chemiekenntnisse nur schwer zu erkennen, ob ein kosmetisches Produkt Mikroplastik enthält. Die Partikel können sich zum Beispiel hinter Bezeichnungen wie Acrylates Copolymer (AC), Methicone, Siloxane oder Polyacrylate (PA) verstecken. Auf der Internetseite des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland findet sich eine Produktliste, die alle Hersteller und Marken von Produkten mit Mikroplastik auflistet. Auch kostenlose Apps fürs Smartphone wie "CodeCheck" oder "Beat the Mikrobead" helfen dabei, die Stoffe beim Einkauf zu erkennen. Beim Scannen des Strichcodes mit dem Handy werden alle Informationen angezeigt. Zertifizierte Naturkosmetik ist generell frei von Kunststoffen. Man erkennt sie unter anderem am "NaTrue"-Siegel.

In Kanada und Großbritannien ist Mikroplastik in Kosmetika inzwischen verboten. Auch in den USA dürfen die Produkte seit Sommer 2018 nicht mehr verkauft werden. Doch es gibt auch bei uns ein positives Zeichen: Viele Hersteller von Zahnpasta verzichten inzwischen auf Mikroplastik.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 27. September 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2018, 10:52 Uhr

Eine Frau trinkt aus einer Plasteflasche. Darüber wurden verschiedene Abkürzungen eingeblendet die für die verschiedenen Weichmacher im Plastik stehen. DIBP, DBP, BBP,DEHP. 3 min
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