Eine Hand nimmt Feuchtigkeitscreme aus einem Cremetiegel.
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Hauptsache Gesund | 08.02.2018 | 21:00 Uhr Winterhaut: Mit der richtigen Pflege gegen Wind und Kälte

Draußen Kälte, Wind und Regen, drinnen Heizungsluft: Das macht der Haut zu schaffen. Sie trocknet aus, juckt und reißt auf, sodass Keime eindringen können. Hautärztin Dr. Marion Krakor rät zur richtigen Pflege.

von Andrea Besser-Seuß

Eine Hand nimmt Feuchtigkeitscreme aus einem Cremetiegel.
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Die Haut ist unser Aushängeschild, sie spiegelt auch unseren Gesundheitszustand wieder. Gesund und schön bleibt sie nur, wenn wir sie pflegen. Die Leipziger Hautärztin Dr. Marion Krakor warnt davor, die Haut Winter zu vernachlässigen. Wir haben mit ihr gesprochen und sie gefragt, worauf die Haut reagiert, wer besonders aufpassen muss und was der Haut im Winter besonders gut tut.

Hauptsache Gesund: Warum ist die Haut im Winter so empfindlich?

Dr. Marion Krakor
Bildrechte: Marion Krakor

Dr. Marion Krakor: Im Winter haben wir zum einen das Problem, dass es draußen kalt ist, drinnen sehr warm. Zu diesen Temperaturunterschieden kommt hinzu, dass die Haut am ganzen Körper von Kleidung bedeckt ist. Dies stellt große Anforderungen an die Haut, welche dann manchmal schuppig oder trocken reagiert. Hier sind von außen dann auch vermehrt Pflegeprodukte notwendig. Ein weiterer Punkt ist die im Winter oft fehlende Sonne.

Gibt es unterschiedliche Haut-Stresstypen?

Das ist tatsächlich sehr individuell. Es gibt Menschen, die haben eine sehr robuste Haut. Diese ist einfach von der ganzen Struktur in der Epidermis ein bisschen dicker, sie hat mehr Talgdrüsen. Das kennen wir alle. Personen, die eine sehr fettige Haut haben können natürlich auch besser damit umgehen, wenn es draußen eine Temperaturschwankung gibt oder der Wind mal draufpustet. Menschen, die eine sehr zarte Haut haben, mit wenigen Talgdrüsen und einer sehr dünnen Lederhaut, sind natürlich deutlich empfindlicher und die reagieren dann auch eher irritiert. Außerdem gibt es ja bestimmte Erkrankungen, die wirklich stressgetriggert sind. Dazu zählt zum Beispiel die Rosazea, also die Schmetterlingskrankheit, erkennbar an den Rötungen auf den Wangen. Rosazeapatienten haben eine Haut, die anlagebedingt sehr sensibel ist und dann auf Stress jeder Art reagiert, sei es Wärme, sei es Kälte, sei es Wind, sei es Alkohol oder seien es auch scharfe Gewürze.

Wie pflege ich meine Haut in der kalten Jahreszeit?

Die Pflege muss auf jeden Fall einen höheren Fettgehalt haben. Man sollte von einer Lotion auf eine Creme bzw. von einer Creme auf eine Salbe umsteigen. Besonders ist darauf an den Körperstellen zu achten, die nicht von der Kleidung bedeckt sind, wenn es sehr kalt ist. Das Problem, das wir haben, ist der Wind, der die Feuchtigkeit auf der Hautoberfläche verdunsten lässt. Je mehr Wasser in der Creme enthalten ist, desto unangenehmer empfinden wir die Verdunstungskälte und umso eher ist auch die Pflege von der Haut verschwunden. Mein Tipp: Nutzen Sie die Nachtcreme als Tagespflege!

Was sind denn die gesundheitlichen Gefahren von kaputter Haut?

Wir haben ganz oben auf der Epidermis einen Säureschutzmantel. Der besteht aus Ceramiden, das sind Hautfette, die unsere Talgdrüsen selbst produzieren und die zwischen die oberen Hautzellen eingelagert werden. Das kann man vergleichen mit dem Putz am Haus.

Wenn der "Putz" ab ist, weil einfach die Haut nicht richtig gepflegt wurde, dann kann es natürlich zu Irritationen an der Haut kommen. Es kommt zu Rötungen, zu Ekzemen, es kommt zu Juckreiz, im schlimmsten Fall zu Einrissen. Deshalb sollte man versuchen, die Hautbarriere nicht zu sehr zu strapazieren, wie es zum Beispiel durch ausgiebiges Duschen und Baden oder häufiges Peelen geschieht. Auch alkoholhaltige Gesichtswasser sollte man im Winter vermeiden oder sie zumindest mit einer geeigneten Pflegecreme wieder ausgleichen.

Müssen Männer anders pflegen?

Männerhaut ist meist robuster als Frauenhaut, aber sie ist nicht gefeit vor Irritationen durch Wind und Kälte. Deshalb müssen auch Männer darauf achten, dass sie sich pflegen.

Hinzu kommt, dass zum Beispiel durch eine Nassrasur Mikroverletzungen auf der Oberfläche entstehen, die dann mit einer Pflegecreme wieder zur Ruhe gebracht werden sollten. Ansonsten sind Männer zwar meist eher etwas zurückhaltender mit der Hautpflege, aber wer eine sehr trockene Haut hat, der cremt sich meist freiwillig ein. Wer eine eher fettige Haut hat, kann hin und wieder getrost darauf verzichten.

Rezept Badezusatz für Samt-Haut – Ein Rezept von Dr. Marion Krakor 1 Liter Vollmilch
1 Tasse Öl, zum Beispiel Mandelöl
Ins Badewasser geben und genießen. Wichtig! - Nach dem Baden nicht abtrocknen, nur trocken tupfen!

Viele nehmen gerade gern ein Vollbad, was gibt es dabei zu beachten?

Man sagt prinzipiell, nicht zu lange und nicht zu heiß. Wenn man zusätzlich ein Duschbad oder Schaumbad benutzt, werden die Ceramide aus den oberen Hautschichten ausgewaschen. Die Zellen der Epidermis lagern Wasser ein und quellen auf. Man erkennt das an den Fingerspitzen, wenn die so schrumpelig werden. Das ist eigentlich der Moment, wo man aus dem Wasser sollte. Wichtig ist auch hier, nach dem Baden wieder Creme aufzubringen und den Schutz so wieder herzustellen. Es sei denn, man hat ein Ölbad gemacht, dann braucht man sich nur abzutupfen und alles ist gut.

Wie gut sind Öle für die Winterhaut?

Öle ziehen schlecht ein, weil sie keine Emulgatoren haben. Dazu kommt, dass Öl der Haut selbst eigentlich noch Feuchtigkeit entzieht. Also eigentlich sind Öle schlecht für die Haut. Wenn Öl, dann muss man darauf achten, dass man es noch mit einer Creme vermischt, bzw. einen Emulgator dazu gibt und so den Transport dieser Substanzen in die Haut fördert. Reines Öl liegt nur obenauf und glänzt.

Lippenpflege ist in der Vergangenheit in Verruf geraten, zu Recht?

Lippen einer frau
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In diesem Zusammenhang ging es um die Paraffine, die aus Erdöl hergestellt werden und giftig sind. Man sollte hier einfach darauf achten, dass die Lippenpflege paraffinfrei ist. Ich selbst benutze immer reines Lanolin. Das gibt es in kleinen Tuben in der Apotheke. Das ist eine sehr gute Lippenpflege, ohne dass man Angst haben muss, dass irgendwelche Zusätze drin sind.

Was ist Ihr Geheimrezepte gegen trockene, schuppende Haut?

Ein Ölbad ist herrlich. Hinterher hat man Haut wie Samt.

Rezept natürliche Lippenpflege – Ein Rezept von Dr. Friederike Fellmer, Salbenmanufaktur Leipzig Zutaten:
- 1 TL Bienenwachs
- 2 TL Kokosnussöl kaltgepresst
- 1 TL Kakaobutter unraffiniert

Einen Teelöffel Bienenwachs und zwei Teelöffel Kokosfett im Wasserbad schmelzen, dabei immer weiter rühren. Wenn alles flüssig ist, das Glas aus dem Topf nehmen, die Kakaobutter darin aufschmelzen und unterrühren. Das flüssige Wachs-Öl-Buttergemisch zügig in die kleinen Tiegel abfüllen und ohne Deckel abkühlen lassen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 08. Februar 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2018, 09:13 Uhr