Hauptsache Gesund | 11.01.2018 | 21:00 Uhr Rhythmusstörungen heilen

Das Herzzentrum Leipzig ist eins der weltweit modernsten Behandlungszentren für Herzrhythmusstörungen. Dr. Philipp Sommer erklärt im Interview, welche Rhythmusstörungen behandelt werden müssen, wie gefährliches Vorhofflimmern geheilt werden kann und welche Risiken mit einer Ablation einhergehen.

"Hauptsache Gesund:" Es gibt unterschiedliche Formen von Rhythmusstörungen. Welche müssen behandelt werden?

Dr. Philipp Sommer (rechts) leitet das Herzlabor für elektrophysiologische Untersuchungen am Herzzentrum Leipzig, eins der weltweit modernsten Behandlungszentren für Herzrhythmusstörungen.
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Dr. Philipp Sommer: Generell unterscheiden wir lebensbedrohliche von lediglich störenden Rhythmusstörungen. Eine unbedingte Behandlungsnotwendigkeit besteht bei den gefährlichen Rhythmusstörungen aus der Hauptkammer des Herzens. Hierbei kann das Herz sprichwörtlich stehenbleiben und der Patient verliert das Bewusstsein. Aber auch hier lassen sich die meisten Probleme gut therapieren. Bei den störenden Rhythmusstörungen entsteht die Notwendigkeit zur Behandlung aus dem Leidensdruck der Patienten, da meist unangenehme Symptome wie Kurzatmigkeit oder Schwindel auftreten können.

Welche Behandlungsoptionen gibt es für Patienten mit Rhythmusstörungen?

Man kann prinzipiell die medikamentöse Therapie, die Ablationsbehandlung und die Therapie mit Hilfe von implantierbaren Geräten wie Schrittmacher oder Defibrillatoren unterscheiden. Die Reihenfolge der Maßnahmen beschließt der Arzt in enger Rücksprache mit dem Patienten, der natürlich das letzte Wort hat.

Was wird bei einer Ablation gemacht?

Das ist ein Eingriff am schlagenden Herzen. Über die Leiste gehen wir mit einem Katheter bis ins Herz. Dort veröden wir unter großer Hitze – meist mittels Hochfrequenzstrom - krankhafte Bereiche im Herzmuskelgewebe. Wenn die Behandlung erfolgreich ist, ist der Patient geheilt.

Für welche Patienten kommt eine Ablation in Frage?

Prinzipiell können wir alle Formen an Rhythmusstörungen mit dem Katheter angehen. Die Frage ist nur, an welcher Stelle der therapeutischen Maßnahmen. Das hängt im Wesentlichen vom Patienten ab. Manche bevorzugen eher einen medikamentösen Therapieversuch, andere möchten lieber gleich die potentiell heilende Ablation durchführen lassen.

Die Ablation ist eine Behandlung, die vom Arzt viel Fingerspitzengefühl abverlangt. Woher weiß der Patient, dass er sich in erfahrene Hände begibt?

Das Risiko, dass etwas schief läuft, liegt statistisch im Bereich von einem Prozent. Hier im Herzzentrum haben wir das Privileg, dass wir den ganzen Tag nichts anderes machen müssen, außer Rhythmusstörungen zu behandeln. Die untere Grenze, wo die Untersucher beginnen als sicher gelten, liegt bei etwa 25 Untersuchungen pro Jahr. Hier bei uns in Leipzig macht jeder Untersucher etwa 250 Untersuchungen pro Jahr.

Bei der Ablation von Vorhofflimmern muss in etwa zehn Prozent der Fälle der Eingriff wiederholt werden. Woran liegt das?

Diese Wiederholungseingriffe sind ein Problem, welches wir nach wie vor haben. Das liegt meist daran, dass wir an der einen oder anderen Stelle zu wenig Energie mit dem Katheter abgegeben haben. Und das liegt vor allem daran, dass wir eins nicht wollen: nämlich, dass zu viel Energie abgegeben wird. Zu viel würde bedeuten, wir würden umgebende Strukturen in Mitleidenschaft ziehen, die Speiseröhre oder den Zwerchfellnerv verletzen. Und das wäre für den Patienten weitaus dramatischer, als wenn er sich einem zweiten Eingriff unterziehen muss. Die Sicherheit des Patienten geht vor.

Wie viel bekommt der Patient von der Behandlung mit?

Es gibt zwar Patienten, die das ohne Betäubung machen lassen, aber das soll nur mittelschön sein, habe ich mir sagen lassen. In der Regel bekommt der Patient ein Medikament – Propofol – das ihn schlafen lässt. Das wird auch bei Magen- oder Darmspiegelungen eingesetzt und ist extrem gut steuerbar. Sobald wir es verabreichen, schläft der Patient. Sobald wir es absetzen, ist er wieder ansprechbar.

Wie lange dauert der Eingriff?

In der Regel dauert die Behandlung zwei bis drei Stunden. Danach sind die Patienten gleich wieder wach, müssen aber noch sechs Stunden still liegen. In der Regel können sie am nächsten Tag entlassen werden. Etwa drei Monate lang müssen die Patienten noch Blutverdünner einnehmen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 11. Januar 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2018, 10:08 Uhr

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