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Hauptsache Gesund | 15.02.2018 | 21:00 Uhr Brandwunden richtig versorgen

In Deutschland werden etwa 15.000 Menschen pro Jahr mit Brandwunden im Krankenhaus versorgt. Bei kritischen Fällen muss die Haut transplantiert werden. Doch wie werden Brandwunden erstversorgt? Und vor allem - wie nicht?

von Beate Splett, Michael Kästner

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Was passiert bei einer Verbrennung im Körper?

Die Haut ist ein schlechter Wärmeleiter. Deshalb kann sich die Hitze, die auf einen Bereich einwirkt, nicht verteilen und es kommt zu Gewebezerstörung mit teils bleibenden Schäden. Sind die Verbrennungen sehr großflächig, kann es sogar lebensbedrohlich werden. Direkt nach der Verbrennung kommt es zunächst zu einem Schock. Der Körper reagiert mit einer Schutzreaktion: Dabei wird an der Wunde eiweißreiche Flüssigkeit abgesondert, um das Eindringen von Keimen zu verhindern.

Medizinische Grafik einer Niere.
Kommt es zu einem Nierenversagen, kann eine nicht rechtzeitig behandelte Verbrennung tödlich enden. Bildrechte: IMAGO

Ist die Wunde jedoch zu groß, um sich von selbst zu verschließen, kommt es zu einem Flüssigkeitsverlust. Im ganzen Körper verteilt sich zerfallenes Eiweiß über den Blutkreislauf - es kommt zu einer Blutvergiftung und schließlich zum Kreislaufversagen. Die Nieren sind häufig am stärksten gefährdet. Kommt es zu einem Nierenversagen, kann eine nicht rechtzeitig behandelte Verbrennung tödlich enden. Bei schweren Verbrennungen kann es außerdem zum Atemstillstand kommen. Mediziner sprechen dann von einer Verbrennungskrankheit.

Verbrennungsgrade

Brandwunden können entstehen durch Verbrennungen, also den direkten Kontakt mit Feuer oder heißen Oberflächen, Verbrühungen, meist dem Kontakt mit heißem Wasser oder Wasserdampf oder durch Stromunfälle.  Die Schwere von Verbrennungen wird in Verbrennungs-, Schwere- oder auch Tiefegrade unterteilt. Sie entscheiden über die weitere notwendige Behandlung.

Verbrennungen 1. Grades
Davon spricht man bei oberflächlichen Verbrennungen mit Temperaturen über 45 Grad. Die Haut ist gerötet, leicht geschwollen und tut weh. Nach wenigen Tagen sind die Symptome meist deutlich gelindert und die Haut geheilt. Auch Sonnenbrände gehören übrigens zu Verbrennungen ersten Grades.

Verbrennungen 2. Grades
Hier ist die Haut oberflächlich bis tief geschädigt und häufig kommt es zur Bildung von Blasen und starken Schmerzen.

Verbrennungen 3. Grades
Dazu kommt es bei Temperaturen über 60 Grad. Die Unterhaut ist dabei oft so stark geschädigt, dass Hautzellen abgetragen und durch ein Transplantat ersetzt werden müssen. Sind auch die tiefliegenden Nervenzellen mit beschädigt, sind die Schmerzen meist nicht so stark, da keine Schmerzreize weitergeleitet werden können.

Verbrennungen 4. Grades
Ursachen hierfür sind der Kontakt mit offenem Feuer oder Starkstrom. Die Haut ist komplett zerstört, im schlimmsten Fall sind Muskeln, Nerven oder sogar Knochen mit beschädigt. Ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem die Patienten meist auf der Intensivstation betreut werden müssen.

Neuner-Regel: Neben der Tiefe der Verbrennung ist auch die Größe der betroffenen Hautoberfläche für die Behandlung entscheidend. Dabei gilt die sogenannte Neuner-Regel, bei der bestimmten Körperteilen Prozentzahlen zugeordnet werden, um das Ausmaß der Verletzung einzuschätzen: Arm, Oberschenkel, Unterschenkel und Kopf entsprechen jeweils neun Prozent. Sowohl die vordere, als auch die hintere Rumpfseite werden mit je 18 Prozent angegeben. Die Summe aller betroffenen Körperteile beschreibt das gesamte Ausmaß der Verletzung. 

Wundbehandlung nach Verbrennungen oder Verbrühungen

Hände kühlen unter laufendem Wasserhahn
Brandwunden unter dem Wasserhahn leicht kühlen. Bildrechte: Colourbox.de

In keinem Fall sollten Hausmittel wie Eis, Quark oder ähnliches zum Einsatz kommen. Kleidung sollte schnellstmöglich entfernt werden, aber nur, wenn sie nicht direkt mit der Wunde verklebt ist. Die Brandwunde sollte anschließend nur leicht gekühlt werden, am besten unter ca. 20 Grad kaltem Wasser aus dem Wasserhahn. Ist das Wasser zu eisig, kann es zu zusätzlichen Schädigungen kommen. Sich eventuell bildende Brandblasen sollten nicht geöffnet werden. Die Blasen schützen die Wunde und verhindern das Eindringen von Keimen.

Es sollten auch keine Cremes aufgetragen werden. Am besten ist es, die Wunde mit einem sterilen Verband aus dem Verbandskasten abzudecken. Wunden, die im ersten Moment nur oberflächlich scheinen, aber größer als eine Handfläche sind, gehören unbedingt in die Hände eines Arztes. Betrifft die Verbrennung mehr als zehn Prozent der Körperoberfläche, muss der Patient schnellstmöglich in eine Spezialklinik gebracht werden. Für Säuglinge und Kleinkinder gilt das auch schon bei geringeren Verbrennungen.

Eigenhaut-Transplantation bei schweren Verbrennungen

Eine Patientin wird in mit einer Narkose auf die Operation vorbereitet
Bei großflächigen Brandwunden werden Hauttransplantationen vorgenommen. Bildrechte: dpa

Um seinen Sohn aus dem Feuer zu retten, hat sich ein 27-jähriger Mann schwerste Verbrennungen an den Unterschenkeln zugezogen. Die Verletzungen sind so groß, dass er in die Abteilung für plastische Chirurgie am Uniklinikum Dresden eingeliefert werden muss. Oberarzt Martin Schreiber ist Spezialist für Brandverletzungen. Er behandelt den jungen Mann und ist froh, dass er keine lange Hose anhatte. "Wenn sich Textilien in die Haut einbrennen, ist das eine Katastrophe, weil dadurch die tiefen Hautschichten verbrannt werden." Zunächst wird mit einer ambulanten Therapie begonnen, doch als sich große Blasen auf den verbrannten Hautpartien bilden, muss Haut transplantiert werden, um die offenen Stellen zu schließen.

"Wunden, die nicht transplantiert werden, heilen vielleicht auch irgendwann ab, aber sie machen ganz furchtbare Narben und führen zu Bewegungseinschränkungen", sagt Prof. Adrian Dragu, Leiter der Abteilung für Plastische Chirurgie am Dresdner Uniklinikum. Er gibt dem 27-Jährigen ein Versprechen: Obwohl zehn Prozent seiner Körperoberfläche verbrannt sind, soll er sich später völlig ohne Einschränkungen wieder bewegen können. Möglich machen soll das eine spezielle Transplantationstechnik, bei der gesunde, hauchdünne Schichten Haut aus dem Oberschenkel entnommen werden. Da die Wunden so großflächig sind, wird die Spenderhaut wie ein Gitternetz aufgespaltet und somit ihre Fläche vergrößert. Das Hautgitter wird auf die verbrannten Stellen am Bein aufgelegt und festgeklammert. Nach ca. vier Tagen werden die Klammern wieder entfernt, dann ist die Spenderhaut schon festgewachsen. Dank der großflächigen Eigenhaut-Transplantation hat es der junge Vater nach nur einem halben Jahr geschafft, wieder schmerzfrei zu sein. Doch die Narben werden für immer bleiben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 15. Februar 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2018, 14:56 Uhr

Überblick Wunden 3 min
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Tiefegrade 2 min
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