Frau leidet an Kopfschmerz
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Hauptsache Gesund | 14.03.2019 | 21:00 Uhr Was das Immunsystem schwächt

Unser körpereigenes Abwehrsystem hat wirksame Waffen gegen die meisten Eindringlinge. Bei jeder Begegnung mit einem Erreger lernt es dazu. Doch was schwächt unsere Abwehr? Wie können wir die Abwehr wieder stärken?

von Jörg Simon

Frau leidet an Kopfschmerz
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"Wir bekommen immer wieder Patienten, die seit Jahren ständig schwere Infekte durchmachen und schon zwanzig Lungenentzündungen hatten", sagt Professorin Carmen Scheibenbogen, unsere Expertin im Studio. Die Ärztin leitet die Ambulanz für Immundefekte an der Berliner Charité. Dort betreut sie Menschen, deren körpereigenes Abwehrsystem nicht mehr richtig funktioniert. Das heißt – sie sind anfälliger für Infektionen, machen häufiger Infektionen durch und leiden unter schwereren Verläufen. Oft dauert es aber sehr lange, bis dem Verdacht auf einen Immundefekt wirklich nachgegangen wird.

Wie funktioniert unser Immunsystem?

Unsere Körperabwehr ist ein höchst komplexes und lernfähiges System. Verschiedene Organe, Zellen und Eiweiße übernehmen dabei zum Teil sehr spezialisierte Aufgaben. Das Immunsystem soll uns vor Krankheitserregern schützen, aber auch Schadstoffe unwirksam machen sowie gegen eigene Körperzellen wirken, die sich krankhaft verändert haben.

Man könnte sich die Abwehr wie die verschiedenen Verteidigungsringe um eine Burg vorstellen. Die äußere Barriere sind Haut und Schleimhäute. Die meisten Eindringlinge scheitern bereits hier, weil es ihnen gar nicht erst gelingt, ins Innere des Körpers vorzudringen.

Im Inneren unseres Körpers nehmen zwei verschiedene Abteilungen des Immunsystems den Kampf gegen Erreger auf. Es handelt sich um die unspezifische Abwehr und um die spezifische Abwehr.

elektronenmikroskopische Aufnahme einer Fresszelle
Fresszelle Bildrechte: imago/Science Photo Library

Die unspezifische Abwehr ist angeboren. Zu dieser Abteilung gehören zum Beispiel Fresszellen. Sie werden aktiviert, wenn wir uns verletzt haben, wenn Fremdkörper eingedrungen sind oder bakterielle Erreger. Die Fresszellen sind in der Lage, die Erreger gewissermaßen zu "schlucken" und damit unschädlich zu machen. Vorteil der unspezifischen Abwehr – sie reagiert sehr schnell. Allerdings kann sie nicht alle Keime am Eindringen und an der Ausbreitung hindern.

Dafür braucht es sozusagen Spezialkräfte, die sich genauer auf einzelne Erreger einstellen können und jeweils passende Waffen gegen diese Erreger erzeugen. Zu dieser "spezifischen Abwehr" gehören die Lymphozyten. Die T-Lymphozyten erkennen fremde Zellen und können sich gezielt vermehren, um diese fremden Zellen anzugreifen. Sie können sich auch zu so genannten Gedächtniszellen umbilden, die sich nach dem Kontakt mit einem Erreger dessen Eigenschaften merken, um bei einer erneuten Infektion rascher reagieren zu können.

Die B-Lymphozyten wiederum sind in der Lage, sogenannte Antikörper zu bilden. Das sind lösliche Eiweiße, die sich an im Blut schwimmende Erreger heften können, um diese zu vernichten.

Was sind Anzeichen für einen Immundefekt?

Es gibt eine ganze Reihe von Alarmsignalen, die auf einen möglichen Immundefekt hindeuten. Wenn jemand zum Beispiel vier Mal im Jahr oder sogar häufiger Infektionen der Luftwege hat und banale Erkältungen ausgeschlossen wurden, kann durchaus ein Problem mit dem Abwehrsystem vorliegen. Mögliche Hinweise sind auch lang anhaltende Durchfälle, immer wiederkehrende Herpes-Infektionen, hartnäckige Pilzinfektionen der Haut oder Schleimhaut, chronische Müdigkeit, häufig oder langanhaltend erhöhte Körpertemperatur.

Immundefekte können angeboren, also genetisch bedingt sein. Davon sind inzwischen über 300 bekannt – allesamt sehr seltene Erkrankungen. Es gibt aber auch erworbene Immundefekte – der bekannteste ist AIDS. Schwächen unseres Immunsystems können mitunter auch die Folge einer Mangelversorgung sein, zum Beispiel mit Eisen oder Vitamin D. Und nicht zuletzt – ist ein geschwächtes Immunsystem manchmal auch die unvermeidliche Folge einer medizinischen Behandlung. So können Chemotherapien oder Bestrahlung bei Krebs unsere Abwehr beeinträchtigen. Nach Organtransplantationen wird das Immunsystem des Empfängers absichtlich unterdrückt, um eine Abstoßung zu verhindern.

Wie behandeln?

Bei manchen Patienten verspricht eine Behandlung mit Stammzellen Hilfe, mit der sozusagen ein intaktes Immunsystem verpflanzt wird. Viele von einem Immundefekt Betroffene können sich die fehlenden Bestandteile der Abwehr, zum Beispiel Antikörper, auch regelmäßig zuführen – man spritzt sie, ähnlich wie Insulin. Solche Antikörperzubereitungen werden aus Fremdblut gewonnen. Liegt der Immunschwäche ein Mangel zugrunde, zum Beispiel an Eisen oder an Vitamin D, muss dieser Mangel behoben werden. Wichtig: bei Menschen mit Immundefekt ist die Reaktion auf Schutzimpfungen zum Teil verändert. Das muss der Arzt bei der Planung der Impfungen berücksichtigen.

Können wir unser Immunsystem gezielt stärken?

Sonnenhut-Pflanzen (Echinacea) auf einer Wiese
Sonnenhut (Echinacea) Bildrechte: imago images / Westend61

Viele Menschen nehmen Nahrungsergänzungsmittel ein, in der Hoffnung, dadurch ihre Abwehr zu kräftigen. Hier ist jedoch Skepsis angebracht. Bei den meisten Mitteln gibt es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege, dass sie tatsächlich eine Wirkung auf das Immunsystem haben. Professorin Carmen Scheibenbogen, unsere Expertin im Studio: "Die Mittel, die wirklich wirken, kann man an einer Hand aufzählen. Das sind Vitamin-D-Präparate, falls es an diesem Vitamin mangelt. Und es gibt Hinweise, dass Echinacea-Präparate eine gewisse Wirkung haben."

Ansonsten gilt: Abhärtung, moderater Sport, Vermeidung von Stress, Entspannungstechniken tun unserem Immunsystem gut.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 14. März 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2019, 11:07 Uhr

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