Eine Krätzmilbe
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Hauptsache Gesund | 03.05.2018 | 21:00 Uhr Krätze – Ansteckung vermeiden

Eine fast vergessene Hauterkrankung ist zurück: Die Krätze, medizinisch Skabies genannt. Laut einer Analyse der Barmer hat im vergangenen Jahr die Zahl der Verordnungen von Salben bundesweit um 60 Prozent zugenommen. Wo lauert die größte Ansteckungsgefahr?

von Jana Olsen

Eine Krätzmilbe
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"Es ist schon eine Epidemie und sie zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten", sagt Dr. Marion Krakor über die Zahl ihrer Patienten mit Krätze. Die Leipziger Hautärztin hat in den ersten drei Monaten dieses Jahres 116 Fälle in ihrer Praxis behandelt. Zum Vergleich: im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum nur 36. Auch die Unikliniken in Magdeburg, Jena und Leipzig melden einen deutlichen Anstieg der Patientenzahlen. An der Uniklinik Leipzig mussten im ersten Quartal dieses Jahres sogar sieben Patienten stationär behandelt werden.

Symptome richtig deuten

Dr. Marion Krakor
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Krätzmilben verursachen starken Juckreiz sowie Bläschen und Pusteln auf der Haut. Sie treten häufig zwischen den Fingern und in Hautfalten wie der Armbeuge oder der Achselhöhle auf. Da die Erkrankung fast in Vergessenheit geraten ist, werden ihre Anfangssymptome häufiger auch mal mit Neurodermitis oder einer Allergie verwechselt. "Am größten ist die Ansteckungsgefahr innerhalb der Familie, in Kitas oder Pflegeheimen. Also überall dort, wo viele Menschen längere Zeit nah beieinander sind", so Dr. Krakor. Denn Krätzmilben brauchen intensiven Hautkontakt, um sich zu verbreiten.

Parasiten im Hauttunnel

Doch was sind das eigentlich für Tierchen, die solchen Ärger bereiten können? Krätzmilben gehören zu den Spinnentieren. Weibliche Milben werden bis zu einem halben Millimeter groß und sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Die Weibchen sind es auch, die tunnelförmige Gänge in die Oberhaut bohren und dort Kot sowie Eier ablegen. Nach etwa drei Tagen schlüpfen aus den Eiern Larven, die sich wieder an die Hautoberfläche graben, um sich dort zu paaren. Das verursacht den quälenden Juckreiz. Auf der Haut entstehen Ausschlag und Ekzeme. Pro Tag bewegen sich die Milbenweibchen in ihrem Tunnelsystem bis zu einem halben Zentimeter vorwärts. Unbehandelt leben sie dort bis zu 60 Tage.

Mit Salben gegen Krätze

Krätzmilben werden mit äußerlichen Salben, sogenannten Anti­scabiosa, behandelt. Das Problem ist, dass sich die Milben gut verstecken. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt daher eine flächendeckende Anwendung der Anti-Krätzemittel "lückenlos vom Unterkiefer abwärts". Besonders am Rücken ist das für betroffene Patienten kaum allein zu bewältigen. Unter Umständen werden diese Mittel auch in Tablettenform verschrieben. Doch mit einer Behandlung ist es oft nicht getan: "Der Patient wird im zweiten Schritt nachbehandelt, zum Beispiel mit kortisonhaltigen Salben, die den Juckreiz reduzieren oder mit antibiotischen Salben, die Infektionen behandeln. Und er muss sich vier bis sechs Wochen gedulden. Der Juckreiz dauert so lange an, bis die Haut sich völlig regeneriert hat und die Milbenreste vom Körper abgestoßen sind", macht Dr. Krakor Mut zum Durchhalten.

Auf Hygiene achten

Krätze ist gar nicht so hochansteckend wie viele vielleicht denken. Da sich die Milben nur langsam bewegen, setzt eine Über­tragung einen längeren Hautkontakt voraus. Händeschütteln oder Begrüßungsküsschen sind meist unproblematisch, allerdings sollten nicht die gleichen Kleidungsstücke, Betten oder Decken genutzt werden. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, dass sich auch Kontaktpersonen untersuchen lassen sollten. Um eine erneute Infektion zu vermeiden, sollten Patienten ihre Kleidung, Handtücher und Bettwäsche täglich wechseln. Auch Gebrauchsgegenstände wie Sofakissen, Polstermöbel, Bettzeug, Matratzen oder Teppiche, zu denen der Betroffene länger Kontakt hatte, sollten sorgfältig abgesaugt (Beutel danach entsorgen) oder sieben Tage lang nicht benutzt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 03. Mai 2018 | 21:00 Uhr

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