Computergrafik: Magen-Darm-Trakt eines Mannes
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Hauptsache Gesund | 01.02.2018 | 21:00 Uhr Sanfte Medizin gegen Magenschmerzen

Nicht nur unsere Nahrung geht durch den Verdauungstrakt. Auch Medikamente, Stress und Hektik schlagen uns sprichwörtlich auf den Magen. Doch es gibt einiges, was sich gegen Magenschmerzen tun lässt.

von Jana Olsen

Computergrafik: Magen-Darm-Trakt eines Mannes
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Magenschmerzen können verschiedene Ursachen haben. Die häufigsten sind zu viel und zu fettes Essen oder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit gegen Fruchtsäure, Milch oder Getreide. Ob es sich um einen Reizmagen, eine entzündete Magenschleimhaut, ein Magengeschwür oder ein gar einen Tumor handelt, kann letztlich nur ein Gastroenterologe herausfinden. Neben Blutuntersuchungen und einem Atemtest kann er bei einer Magenspiegelung genau sehen, was die Schmerzen verursacht. Ist die Ursache geklärt, können Sie mit Ruhe, Entspannung und Heilpflanzen den Heilungsprozess gut unterstützen.

Andorntee gegen Völlegefühl

Ein Stängel Gemeinen Andorns (Marrubium vulgare) liegt auf einer Untertasse, auf der eine mit Tee gefüllte Tasse aus Tee steht
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Kennen Sie Andorn? Die Arzneipflanze des Jahres 2018 ist eine uralte Heilpflanze, die ziemlich in Vergessenheit geraten ist. Als Tee zubereitet hilft Andorn gegen Blähungen sowie Völlegefühl und regt die Magen-Darm-Tätigkeit und den Appetit an. Für einen Tee werden die Blätter verwendet. Andorn enthält viele Bitterstoffe, weswegen der Geschmack tatsächlich Geschmackssache ist. Die Europäische Arzneimittel-Agentur, in deren Heilpflanzen-Monografie Andorn verzeichnet ist, empfiehlt die Anwendung allerdings erst ab zwölf Jahre. In der Schwangerschaft wird von Andorn abgeraten.

Umwelt Star, Stichling & Lactobacillus

Baum, Vogel oder Fisch: Regelmäßig werden Tiere und Pflanzen des Jahres gewählt. Sogar eine Mikrobe des Jahres gibt es – und die haben Sie heute wahrscheinlich schon gegessen. Eine Auswahl der "Natur des Jahres" 2018.

Computerillustration eines Lactobacillus
Die Mikrobe des Jahres: Die Mikrobe des Jahres haben Sie heute vermutlich schon mehrfach verzehrt: als Sauerteigbrot, in Joghurt oder Käse. Der Lactobacillus bildet aus Kohlenhydraten Milchsäure. Der ph-Wert von Lebensmitteln sinkt dadurch so stark, dass sich schädliche Bakterien nicht mehr vermehren können. So hält sich Essen länger. Bildrechte: IMAGO
Computerillustration eines Lactobacillus
Die Mikrobe des Jahres: Die Mikrobe des Jahres haben Sie heute vermutlich schon mehrfach verzehrt: als Sauerteigbrot, in Joghurt oder Käse. Der Lactobacillus bildet aus Kohlenhydraten Milchsäure. Der ph-Wert von Lebensmitteln sinkt dadurch so stark, dass sich schädliche Bakterien nicht mehr vermehren können. So hält sich Essen länger. Bildrechte: IMAGO
Star (Sturnus vulgaris), sitzt auf einem Baumstumpf
Der Vogel des Jahres: Der Star ist es echtes Gesangstalent. Er kann andere Vögel und sogar Umgebungsgeräusche perfekt nachahmen. Zu hören sind dann sogar Handyklingeltöne, Hundebellen oder Alarmanlagen. Durch die industrielle Landwirtschaft fehlt es ihm laut NABU immer mehr an Brutmöglichkeiten und Nahrung. Bildrechte: IMAGO
Steckrüben
Das Gemüse des Jahres: Die Steckrübe wird wegen ihres süßlichen Aromas auch "Ananas des Nordens" genannt. Zugleich hat sie aber aufgrund der Erinnerungen an den „Steckrübenwinter" 1916/17 einen schlechten Ruf. Damals wurden die eigentlich als Viehfutter angebauten Rüben an die hungernde Bevölkerung verteilt. Heute erfeut sich die Steckrübe auch in der Sterneküche wieder großer Beliebtheit. Bildrechte: Colourbox
Rizinusbaum
Die Giftpflanze des Jahres: Die Rizinus-Pflanze wird auch Wunderbaum genannt, denn sie ist vielseitig einsetzbar: Rizinus-Öl kommt als Arzneimittel, Brennmaterial und in Kosmetikartikeln zum Einsatz. Die Schalen der Samen enthalten das hochgiftige Rizin, das zum Tod führen kann. Da es sich nicht in Fett löst, ist Rizinus-Öl aber absolut ungefährlich. Bildrechte: IMAGO
ein Grasfrosch
Der Lurch des Jahres: Der bräunlich bis gelblich gefärbte Grasfrosch ist laut der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde noch weit verbreitet. Allerdings gehe der Bestand dennoch stark zurück. Der Name des Grasfroschs bezieht sich auf seinen bevorzugten Lebensraum in naturbelassenen Wiesen und Wäldern - und gerade die werden durch landwirtschaftliche Nutzung immer seltener. Bildrechte: IMAGO
Eine Wildkatze steht auf einem bemoosten Baumstamm
Das Tier des Jahres: Die Europäische Wildkatze ist keineswegs nur eine verwilderte Hauskatze. Die Tiere sind selten und streng geschützt. In Deutschland kommen sie in waldreichen Mittelgebirgen vor, wurden aber auch schon in Großstädten wie Leipzig entdeckt. Bildrechte: IMAGO
Weißer Andorn
Die Arzneipflanze des Jahres: Der Gemeine Andorn (Marrubium vulgare) ist heute weitgehend unbekannt. Das war nicht immer so: Jahrhundertelang gehörte dieser Lippenblütler zu den beliebtesten Heilpflanzen, vor allem als Mittel gegen Husten. Bildrechte: IMAGO
Fettspinne
Die Spinne des Jahres: Trotz ihres wenig schmeichelhaften Namens ist die Fettspinne nicht dick. Ihr Name rührt daher, dass ihr rotbrauner Körper glänzt, als wäre er mit Fett eingerieben. Sie ist zwar mit der berüchtigten Schwarzen Witwe verwandt, aber völlig harmlos. Bildrechte: IMAGO
Dreistachliger Stichling
Der Fisch des Jahres: Der Dreistachlige Stichling gehört zu den kleinsten heimischen Süßwasserfischen. In der Paarungszeit legen die Männchen ein "Hochzeitskleid" an: Die Brust färbt sich rot, der Rücken blaugrün und die Augen funkeln silberblau. Damit signalisieren sie den Weibchen ihre Fruchtbarkeit. Bildrechte: IMAGO
Esskastanie
Der Baum des Jahres: Die Esskastanie mit ihren kugelig-braunen Früchten ist der Baum des Jahres 2018. Esskastanien wachsen vor allem in Weinbaugebieten wie der Pfalz, aber auch in vielen Parks und Gärten. Sie können rund 30 Meter hoch und mehrere hundert Jahre alt werden. Bildrechte: IMAGO
Skorpionsfliege
Insekt des Jahres: Gefährlich ist die kleine Fliege trotz ihres Namens nicht. Auch einen Stachel sucht man bei der Skorpionsfliege vergebens. Ihr Name leitet sich vielmehr von dem großen, auffällig über dem Hinterleib getragenen Sexualorgan der männlichen Tiere ab, das einem Skorpionsstachel ähnelt. Bildrechte: IMAGO
Großer Fuchs
Der Schmetterling des Jahres: Der Große Fuchs ist eine der wenigen Schmetterlingsarten, die sich nicht nur von Nektar ernähren, sondern auch von Baumsäften, Exkrementen und Aas. In Deutschland steht er auf der Vorwarnliste der bedrohten Tiere. Bildrechte: IMAGO
Wiesenchampignon
Der Pilz des Jahres: Mit dem Wiesen-Champignon (auch: Feld-Egerling) hat die Deutsche Gesellschaft für Mykologie den wild wachsenden Verwandten des Zucht-Champignons zum Pilz des Jahres erkoren. Pilzsammler berichten, dass der einst in Massen auftretende Speisepilz immer seltener wird. Bildrechte: IMAGO
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Kamille-Rollkur gegen unspezifische Magenbeschwerden

Kamille
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Bei unspezifischen Magenbeschwerden oder bei einem Magen-Darm-Infekt ist eine Rollkur mit Kamille ein bewährtes Hausmittel. Kamille wirkt entzündungshemmend sowie krampflösend und regeneriert gleichzeitig die Magenschleimhaut. So wird’s gemacht: Kochen Sie einen starken Kamillentee (zwei bis drei Teelöffel Kamille pro Tasse). Trinken Sie möglichst auf nüchternen Magen eine große Tasse. Legen Sie sich anschließend hin und drehen Sie sich nacheinander auf den Rücken, die linke, die rechte Seite und den Bauch. Bleiben Sie pro Seite etwa fünf Minuten liegen. Die Rollkur kann in dieser Weise mehrmals täglich durchgeführt werden.

Heilerde gegen Reizmagen

Wer sich auf eine Therapie mit Heilerde einlässt, darf keine großen Gaumenfreuden erwarten. Man kann sie pur in Flüssigkeit verrühren (ein Esslöffel auf ein Glas) und trinken. Es gibt sie aber auch in Kapseln verpackt. Heilerde quillt in Verbindung mit Flüssigkeit auf und saugt im Magen überschüssige Säure wie ein Schwamm auf. Das soll Sodbrennen und Reizmagensymptome lindern. Doch bei der Anwendung ist Geduld nötig. Einer Studie am Berliner Immanuel-Krankenhaus zufolge verringerten sich die Beschwerden der Patienten erst nach sechswöchiger kurmäßiger Einnahme. Problematisch ist, dass bei der Einnahme von anderen Medikamenten ein Abstand von zwei Stunden eingehalten werden muss, weil sonst deren Arzneiwirkung verloren geht. Besprechen Sie sich vor der Einnahme von Heilerde besser mit Ihrem Arzt.

Haferbrei als Schonkost für einen empfindlichen Magen

Haferbrei in einer Schüssel
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Das Rezept ist denkbar einfach. Man kocht einige Löffel Haferflocken mit Wasser auf und lässt den Brei noch einige Minuten ziehen bis er die typische, zähe Konsistenz bekommt. Essen Sie den Haferbrei am besten zum Frühstück. Bei starken Beschwerden können Sie auch einen ganzen Hafertag einlegen. Der Brei ist leicht verdaulich und bildet im Magen eine Art Schutzschicht, die den sauren Magensaft bindet und die Magenschleimhaut abheilen lässt.

Ingwer gegen Übelkeit und Magen-Darm-Infekte

Eine Ingwerknolle wird mit dem Messer in Scheiben geschnitten.
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Ingwer ist reich an ätherischen Ölen und Scharfstoffen, die antibakteriell und entzündungshemmend wirken. Raspeln Sie für einen Tee ein Stück frische Knolle in eine Tasse und übergießen Sie das Ganze mit kochendem Wasser. Lassen Sie den Tee zehn Minuten zugedeckt ziehen, seihen Sie ihn ab und trinken Sie ihn über den Tag verteilt. Ingwer kann auch gut als Würze für Suppen oder Reis verwendet werden.

Pfefferminze gegen Magenkrämpfe

Pfefferminze
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Minze enthält Menthol, das krampflösend und schmerzlindernd wirkt. Übergießen Sie zwei bis drei Teelöffel getrocknete Pfefferminzblätter mit 150 Millilitern heißem Wasser und lassen Sie den Tee zehn Minuten ziehen. Drei mal täglich trinken. Achten Sie bei der Wahl des Pfefferminztees auf Arzneipflanzenqualität.

Entspannungstherapien gegen Reizmagen

Junge Frau sitzt in Yoga Haltung auf einer Wiese.
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Wir leben in stressigen Zeiten. Bei dem einen ist es der Job, der stresst, beim nächsten sind es finanzielle Sorgen, der Haushalt oder die Kinder. Stress ist eine der Hauptursachen für einen Reizmagen. Gönnen Sie sich also hin und wieder eine kleine Auszeit. Jeder muss dabei für sich seine eigene Methode finden, bei der er entspannen kann. Das liegt vor allem daran, dass es unterschiedliche Entspannungstypen gibt. Progressive Muskelentspannung ist eher etwas für aktive Menschen, die bei Bewegung entspannen können. Autogenes Training ist etwas für ruhige Zeitgenossen. Auf Yoga oder Qigong muss man sich einlassen wollen. Wichtig ist aber: Bauen Sie immer wieder kleine Entspannungsmomente in Ihren Alltag ein. Ihr Magen wird es Ihnen danken.

Hilfe bei Magen-Darm-Infekten

Die kalte Jahreszeit ist Hochzeit für Magen-Darm-Infekte. Sie sind hochansteckend, äußerst unangenehm und können insbesondere für Kinder und Ältere richtig gefährlich werden. Dabei sind Durchfall und Erbrechen letztlich nur ein Schutzmechanismus des Körpers, der damit versucht, die Krankheitskeime wieder loszuwerden.

Ein Arm gießt Tee aus einer Kanne in ein Glas
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Trinken, Trinken, Trinken
Bei Magen-Darm-Infekten gehen dem Betroffenen innerhalb kürzester Zeit viel Flüssigkeit und auch größere Mengen Mineralstoffe verloren. Diese müssen ersetzt werden. Gut geeignet sind Kamillen- oder Pfefferminztee und, wenn es langsam besser wird, eine kräftige Gemüsebrühe.

WHO-Trinklösung
Bei großem Flüssigkeitsverlust empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation eine spezielle Trinklösung, Rehydrationslösung genannt. Sie besteht aus vier Teelöffeln Zucker, einem dreiviertel Teelöffel Salz, einem Liter Wasser und einer Tasse Orangensaft. Die Flüssigkeit sollte anfangs löffelweise eingenommen werden. Gekühlt schmeckt sie besser. Hält der Infekt länger als drei Tage an, sollte man zum Arzt. Gar nicht zögern sollte man, wenn blutiger Stuhlgang, starke Schmerzen und hohes Fieber auftreten.

Die Tage danach
Wenn der Appetit zurückkommt, sollte man langsam und in kleinen Portionen anfangen wieder zu essen. Die Klassiker sind Zwieback und Salzstangen, geriebener Apfel mit Traubenzucker, Bananenmus und gekochte Möhren. Auch Reis- und Haferschleim bringen den Magen schonend zurück in den Normalbetrieb.

So beugen Sie vor
Ist im Umfeld jemand von einem Magen-Darm-Virus betroffen, hält man sich möglichst von der betroffenen Person fern. Das gelingt bei unmittelbaren Familienmitgliedern eher selten. Achten Sie daher genau auf Hygiene und Sauberkeit. Waschen Sie die Hände häufiger als gewöhnlich. Benutzen Sie getrennte Handtücher und desinfizieren Sie verunreinigte Flächen.

Eine Schusswunde und ihre Folgen für Medizin Viele Dinge, die in unserem Magen passieren, wissen wir, weil sich 1822 die Schicksalswege eines kanadischen Fellhändlers und eines neugierigen Arztes kreuzten. Der Trapper Alexis St. Martin wurde durch einen Gewehrschuss im Bauch verletzt. Der Fellhändler überlebte, hatte aber fortan ein Loch im Bauch, das bis in das Innere seines Magens ging.

Solche, von der Natur nicht vorgesehenen Verbindungen zwischen Organen und der Körperoberfläche werden medizinisch Fistel genannt. Diese weckte die Neugier des Arztes William Beaumont, sah er doch die einmalige Chance, durch das "Guckloch" herauszufinden, was mit der Nahrung im Magen passiert.

Beaumont schloss mit seinem Patienten einen Vertrag und die beiden machten fortan Experimente. Der Arzt befestigte unter anderem kleine Stückchen Fleisch an Bindfäden, stopfte sie in das Magenloch, um sie nach geraumer Zeit wieder herauszuziehen. Akribisch notierte er seine Beobachtungen, entnahm Flüssigkeit aus dem Magen und entdeckte so die erstaunliche Wirkung des Magensaftes. Die Untersuchungsergebnisse verhalfen dem Arzt zu einer gewissen Berühmtheit in der medizinischen Fachwelt.

1853 fanden sie jedoch ein jähes Ende. Nicht etwa, weil der Patient verstarb, sondern der Arzt - nach einem Sturz auf vereisten Stufen. Fellhändler Alexis St. Martin dagegen wurde trotz seiner Magenfistel 86 Jahre alt. Nach seinem Tod beerdigte ihn seine Familie anonym, um zu verhindern, dass eine Obduktion und weitere Untersuchungen an seinem Magen durchgeführt werden konnten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 01. Februar 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2018, 10:17 Uhr