Zahlreiche Medikamente liegen in den Regalen eines Kommissionierautomaten
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Hauptsache Gesund | 09.08.2018 | 21:00 Uhr Medikamente – Helfer mit Risiken und Nebenwirkungen

Ob rezeptpflichtig oder freiverkäuflich: Bei Arzneimitteln sollte immer der Beipackzettel beachtet werden. Denn die Dosis macht das Gift – und wo Wirkung ist, ist auch Nebenwirkung.

Zahlreiche Medikamente liegen in den Regalen eines Kommissionierautomaten
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Auch freiverkäufliche Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können gravierende Nebenwirkungen haben. Die Leipziger Apothekerin Dr. Anne-Kathrin Habermann appelliert daher, sich auch bei freiverkäuflichen Medikamenten an die Dosierungsanleitung zu halten. Insbesondere bei Paracetamol ist das nicht immer ganz leicht. Es ist wie auch Ibuprofen in vielen Kombinationspräparaten enthalten - wie etwa Paracetamol in Grippostad, DoreGrippin oder WickMediNait oder Ibuprofen in Boxagrippal, RatioGrippal oder Wick DuoGrippal.

Vorsicht bei Kombi-Präparaten Wer zu Kombi-Präparaten noch den Wirkstoff "pur" einnimmt, überschreitet schnell die zulässige Tages-Höchstdosis. Wem das nur einmal passiert, dem drohen nicht gleich irreversible Schäden, doch bei Dauergebrauch kann auch das vermeintlich harmlose Paracetamol die Leber nachhaltig schädigen.

Pflanzlich ist nicht gleich harmlos

Detailaufnahme von zartlila Blüten in Kugelform.
Pelargonien-Extrakte vertägt nicht jeder. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Viele greifen am liebsten zu pflanzlichen Mitteln, in der Meinung, dass pflanzlich zugleich auch schonend ist. Doch das muss nicht so sein. So können z. B. sehr beliebte abwehrstärkende Mittel mit Pelargonium-Extrakten zu Leberschädigungen führen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel registrierte 2011 elf Fälle von Leberentzündungen nach Einnahme eines solchen Mittels.

Die Pelargonie ist eine Geranienart, die ursprünglich aus Afrika stammt. Ihr Wurzelextrakt wurde dort traditionell zur Behandlung bei Bronchitis verwendet. Heutzutage ist er in Mitteln wie Umckaloabo, Pelaysa oder Pelargonium-Ratiopharm enthalten. Nur wenige Patienten vertragen dieses pflanzliche Mittel nicht. Doch, weil es hin und wieder Mal Betroffene gibt, deren Leber heftig auf den Wirkstoff Pelargonium reagiert, steht die möglicherweise hepatoxische Wirkung unter den Nebenwirkungen im Beipackzettel.

Schöllkraut
Vorsicht auch bei Schöllkraut-Präparaten. Bildrechte: IMAGO

Auch ein anderer Pflanzenwirkstoff steht im Verdacht in zu hohen Dosen die Leber zu schädigen: das Schöllkraut. Es wird in der Naturmedizin unter anderem zur Behandlung von Warzen und bei Magen- und Darm-Beschwerden verwendet. Auch heute findet es noch in Kombinationsprodukten Verwendung. Das Bundesinstitut für Arzneimittel hat 2008 die Tagesdosierung auf maximal 2,5 mg Gesamtalkaloide beschränkt. Das Schweizer Heilmittelinstitut Swiss Medic warnt daher Patienten mit bestehenden Lebererkrankungen oder solche, die noch weitere Medikamente einnehmen, vor der Einnahme von Schöllkraut.

Wechselwirkungen von Medikamenten beachten

Gerade ältere Patienten müssen häufig mehrere Medikamente am Tag nehmen. Dabei vertragen sich längst nicht alle Wirkstoffe miteinander. Manche verstärken sich, andere blockieren sich oder aber sie reagieren auf ungewollte Weise miteinander. Um dem vorzubeugen, gibt es seit 2016 den bundeseinheitlichen Medikationsplan. Darauf werden in der Hausarztpraxis alle Medikamente vermerkt, die der Patient einnimmt sowie die Angaben, wie die Mittel eingenommen werden sollen.

Auch das sind ganz wichtige Vorgaben, die eingehalten werden müssen, sagt Apothekerin Anne-Kathrin Habermann.  Ihrer Beobachtung nach setzt sich der Medikationsplan mehr und mehr durch. Sie fordert ihre Kunden immer auf, auch die freigekauften Medikamente darauf einzutragen, denn auch die können mit den anderen Mitteln reagieren. Auf dem Medikationsplan ist auch vermerkt, wann die Medikamente eingenommen werden sollen.

Vorgegebene Einnahmezeiten beachten

Ein blauer Wecker, der die Uhrzeit 10 vor 2 anzeigt
Medikamente sollten pünktlich eingenommen werden. Bildrechte: IMAGO

Wenn die Tabletten vor dem Essen genommen werden sollen, bedeutet dies, dass die Tablette 30 Minuten bis eine Stunde vor der nächsten Mahlzeit geschluckt werden muss. Auf leerem Magen wirken Medikamente nämlich schneller. Manche sogenannte magensaftresistente Tabletten sind mit einer speziellen Schicht überzogen, sodass sie unbeschadet bis in den Darm gelangen, wo ihre Wirkstoffe dann aufgenommen werden.

Mit der Mahlzeit wird bei Medikamenten empfohlen, die sonst die Magenschleimhaut angreifen würden. Der Speisebrei schützt den Magen davor.

Nach dem Essen bedeutet: Der Abstand zur letzten Mahlzeit sollte mindestens zwei Stunden betragen. Der Grund: Es gibt Lebensmittel, die die Wirkstoffaufnahme stören.

Achtung bei bestimmten Nahrungsmitteln

Medikamente haben nicht nur Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, auch Nahrungsmittel können z. T. ganz unliebsame Wechselwirkungen mit Medikamenten haben.

Alkohol z. B. verträgt sich mit den wenigsten Medikamenten.

Calcium und Antibiotika

Aber auch Milch und andere calciumhaltige Lebensmittel wie Mineralwasser und Broccoli vertragen sich nicht mit Antibiotika. Denn das Calcium bindet das in der Magensäure aufgelöste Antibiotikum und es flockt aus. Der Körper kann den Wirkstoff dann nicht mehr aufnehmen. Deshalb sollte man mindestens zwei Stunden vor und nach der Antibiotika-Einnahme warten, bevor man wieder Milchprodukte, Broccoli oder andere calciumreiche Lebensmittel isst.

Auch Osteoporose-Medikamente und Schilddrüsenpräparate können durch Calcium unwirksam gemacht werden.

Lakritz und Entwässerungsmittel

Schwarze Lakritze vor weißem Hintergrund.
Lakritz erhöht die Kaliumausscheidung. Bildrechte: Colourbox.de

Lakritz und Entwässerungsmittel vertragen sich nicht. Das Süßholz im Lakritz verringert die Hauptwirkung - das Entwässern.

Gleichzeitig erhöht es aber die Nebenwirkung: die Kaliumausscheidung. Das kann zu Kaliummangel führen. Der geht einher mit Muskelschwäche, Schläfrigkeit und Bluthochdruck.

Ananas verstärkt Blutverdünner

Ananas und die Superfrucht Goji-Beere verstärken die Wirkung von manchen Blutverdünnern: Es kann zu Blutungen kommen. Diese Früchte sollte man vorsichtshalber ganz weglassen.

Grapefruit - der Enzymhemmer

Eine halbe und eine ganze Grapefruit
Grapefruit hemmt die Wirkung vieler Medikamente. Bildrechte: colourbox.com

Inhaltsstoffe der Grapefruit hemmen Enzyme in Leber und Darm, die die Medikamente eigentlich abbauen sollten. Die Folge: Zu viel Wirkstoff bleibt im Blut. Das ist eigentlich bei allen Medikamenten schlecht.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 09. August 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. August 2018, 06:00 Uhr