Bienen am Eingang eines Bienenstocks.
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Hauptsache Gesund extra | 02.08.2018 | 21:00 Uhr Bienenstockluft hilft gegen Asthma

Bienen produzieren in ihrem Stock leckeren Honig, der verarbeitet als Heilmittel eingesetzt wird. Die Luft aus dem Bienenstock kann aber auch für Linderung bei Atemwegserkrankungen sorgen. Wir haben zu beiden Tipps.

Bienen am Eingang eines Bienenstocks.
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Wenn man sich in der mitteldeutschen Imkerschaft umhört, wer sich denn am besten mit Heilmitteln aus dem Bienenstock auskennt, bekommt man immer wieder einen Namen zu hören: Jürgen Schmiedgen. Er lebt im Erzgebirge, in Walthersdorf. Jürgen Schmiedgen ist seit 40 Jahren Imker und einer der wenigen Apiimker in Deutschland. "Apitherapie ist die Lehre, wie man Bienenprodukte zu Heilzwecken einsetzt. Das erfordert eine bestimmte Art der Imkerei. Alles muss in sehr hoher Qualität geerntet, verarbeitet und gelagert werden", betontt er. Und Jürgen Schmiedgen erntet und verarbeitet alles, was der Bienenstock so hergibt: Honig, Propolis, Bienenwachs oder Gelee Royal, den Futtersaft der Bienenkönigin.

Bienenluft gegen Asthma und Bronchitis

Ein Bienenwagen am Rande eines Sonnenblumenfeldes bei Prettin in Sachsen-Anhalt.
Bienenwagen bieten Platz für Dutzende Bienenkästen. Bildrechte: IMAGO

Jürgen Schmiedgens Steckenpferd ist die Stocklufttherapie. "Mein Enkel hatte Asthmaprobleme, deswegen habe ich vor Jahren begonnen einen neuen Inhalator zu entwickeln", erklärt der Imker. Die Stocklufttherapie war lange in der Kritik, teilweise sogar von Amtsärzten verboten. Die verfügbaren Inhalatoren waren eher Bastlergeräte und nicht bienensicher. Jürgen Schmiedgen ist gelernter Ingenieur und suchte nach neuen Wegen - die auf medizinischen Grundsätzen basieren. Auf seinen selbstentwickelten Inhalator hat er mittlerweile ein Patent. Das Gerät enthält einen Speziallüfter aus einem Nachtbeatmungsgerät, außerdem Filter, die selbst Bienenhaare abfangen, und ist beheizbar. Denn durch die 35 Grad warme Luft aus dem Bienenstock würde sich sonst innerhalb kürzester Zeit Kondenswasser im Beatmungsschlauch bilden. Und Feuchtigkeit ist ein Nährboden für Keime.

Zwei Völker für einen Therapieplatz

Heute arbeitet Jürgen Schmiedgen mit Kurkliniken und Ärzten in ganz Deutschland zusammen. Seine "Beecura"-Therapiestationen stehen seit diesem Jahr in Bad Schlema, aber auch in Bad Wiesenbad oder Oberwiesenthal. Rund 30 Minuten muss ein Patient dort sitzen, jeweils zwei Bienenvölker speisen einen Therapieplatz bei der Stocklufttherapie. "Es ist ja nur ein bestimmtes Luftvolumen im Bienenstock drin. Deshalb wechselt man nach 15 Minuten das Bienenvolk, sodass der Patient immer die intensivste Luft hat", beschreibt er das Prozedere. Für die Bienen und deren Honig ist die gelegentliche Entlüftung auch von Vorteil.

Der Honig aus diesen Stöcken ist sogar besser als der normale Honig. Denn er hat durch die regelmäßige Entlüftung einen geringeren Feuchtigkeitsgehalt - ein Qualitätsmerkmal.

Jürgen Schmiedgen, Imker und Ingenieur hauptsache gesund, 02.08.2018
Eine Bienenwabe, deren Ränder mit Propolis überzogen sind.
Eine Bienenwabe, deren Ränder mit Propolis überzogen sind. Bildrechte: IMAGO

Auch Sabine Röhnert aus Bad Schlema hat seit Jahren mit Asthma und Heuschnupfen zu kämpfen. Seit drei Jahren geht sie regelmäßig zur Stocklufttherapie. "Vom ersten Tag an war ich begeistert von der Luft. Schon nach kurzer Zeit konnte ich wieder durchatmen, ich bin Berge wieder hoch gelaufen", beschreibt die 66-Jährige. Ihre Medikamente gegen Heuschnupfen braucht sie jetzt gar nicht mehr, auch die Asthma-Medikamente konnte sie reduzieren.

Trotz 50.000 Bienen in einem Stock ist die Luft in der Bienen-WG hochrein – dank Propolis. Dieses Harz verhindert im Bienenstock, dass sich Keime bilden. Und diese Mischung aus Propolis und ätherischen Ölen scheint Atemwegserkrankungen wie die von Sabine Röhnert zu lindern. Und wonach riecht und schmeckt die Luft? "Süßlich, schön warm und total angenehm", findet Sabine Röhnert. 

Pralinen mit Gelee Royal

Doch nicht nur in puncto Stockluft ist Jürgen Schmiedgen erfinderisch. Auch für das quietschsaure Gelee Royal hat er eine genießbare Verpackung gefunden: Pralinen. "Meine Eltern sind im fortgeschrittenen Alter und ich wollte, dass sie regelmäßig Gelee Royal essen. Der Weiselfuttersaft sorgt ja dafür, dass die Bienenkönigin viel länger lebt als alle anderen Bienen. Für die Wirkung auf den Menschen gibt es eine japanische Studie, die sagt, fünf Gramm Gelee Royal am Tag helfen gegen Demenz", sagt der Imker. Doch egal ob im Orangensaft aufgelöst oder gefroren, die Eltern wollten den kostbaren Saft zunächst nicht essen. Bis Jürgen Schmiedgen das Gelee Royal in Hohlkörper aus Schokolade goss. Jetzt essen die beiden zwei Pralinen am Tag, mit exakt 2,5 Gramm Gelee Royal.

Auf Qualität achten

Honigbienen auf einer Honigwabe.
Man sollte immer schauen, wo der Honig geerntet wurde. Bildrechte: colourbox

Regelmäßig lässt Jürgen Schmiedgen seinen Honig, die Waben und die anderen Bienenprodukte auf Schadstoffe untersuchen. "Das ist wichtig, dass man saubere Ware hat. Und dass man weiß, wo die Bienenprodukte geerntet wurden", erklärt er. Das gilt natürlich vor allem dann, wenn man Pollen, Propolis oder Gelee Royal in Reformhäusern oder Apotheken kauft. Auch beim Honigkauf lohnt ein Blick auf das Etikett. Stammt der Honig aus "Nicht-EG-Ländern" besteht das Risiko, dass der Honig Antibiotika-Rückstände enthält.

Honig für die Haut

Im Gesundheitsbad von Bad Schlema gibt es eine ganz besondere Massage - mit Honig. Dafür wird ganz normaler Blütenhonig genommen. Mit regelmäßigen Bewegungen wird der Honig in die Haut eingearbeitet. Das klebt gewaltig, hat aber eine erstaunliche Wirkung. "Man sieht, dass die Durchblutung gefördert wird, der Rücken wird leicht rot. Auch die ersten Ablagerungen sind zu erkennen. Durch die Bewegungen werden die Hautschichten gelöst und die Schlackstoffe, die im Körper sitzen, können ausgeschieden werden", erklärt Masseurin Nancy Matthias.

Eine Frau liegt auf einer Massageliege und wird mit einem Öl begossen
Bei Massagen mit Honig kommt medizinischer Honig zum Einsatz. Bildrechte: IMAGO

Bei der Massage hat der Honig in erster Linie eine pflegende Wirkung. Doch auch für verletzte Haut und Wunden ist Honig Balsam. Allerdings kein normaler Blütenhonig, sondern medizinischer Honig. Dieser wird extra keimfrei gemacht und zeigt bei chronischen Wunden eine erstaunliche Wirkung, wie Dr. Bahram Biglari von der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Ludwigshafen in einer Studie zeigen konnte. "Der medizinische Honig ist keimabtötend. Im Vergleich zu gängigen Mitteln konnten wir eine schnellere Wundverkleinerung erzielen. Interessanterweise konnten wir auch beobachten, dass gerade bei Kindern die Schmerzangaben während des Verbandswechsels deutlich geringer waren", betont die Medizinerin. Trotzdem ist auch medizinischer Honig kein Allheilmittel. Es gibt ihn zwar rezeptfrei in der Apotheke, doch die Behandlung sollte immer von einem Arzt verordnet werden. Der Honig aus dem Supermarkt gehört in keinem Fall auf offene Wunden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 02. August 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2018, 13:42 Uhr