Hauptsache Gesund Pflegeberufe bald attraktiver? – Zweifel an Konzept der Bundesregierung

Die Bundesregierung will mit einer Kampagne den Pflegeberuf bewerben und den Fachkräftemangel bekämpfen. Auch soll es neue Aus- und Weiterbildungsangebote geben. Viel wichtiger sei Anerkennung im Alltag, sagen Experten.

Expertinnen und Experten der Pflegebranche in Mitteldeutschland sehen die am Montag (28.01.2019) vorgestellten Pläne der Bundesregierung für eine Stärkung der Pflege-Ausbildung im Gespräch mit dem MDR-Magazin "Hauptsache Gesund" skeptisch.

Grundsätzlich seien die Ansätze begrüßenswert, aber an der Effektivität bestehen Zweifel. "Das ist zwar alles richtig und gut, wird aber nicht wahnsinnig viel ändern", befürchtet Prof. Dr. Thomas Fischer, Leiter des Studiengangs Pflegewissenschaft/Pflegemanagement an der Evangelischen Hochschule Dresden.

Anerkennung statt Imagekampagnen

Imagekampagnen, wie sie die Bundesregierung vorschlägt, führten zu keinen Effekten. Viel wichtiger sei es, Pflegekräfte im Berufsalltag anzuerkennen, ihnen mehr Freiräume zu lassen, statt sie zu Hilfskräften zu machen. Denn die Weiterempfehlungsquote sei sehr wichtig, so Fischer. Ähnlich kritisch sieht es Prof. Dr. Gabriele Meyer, Leiterin des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg: "Zehn Prozent mehr Auszubildende, da bin ich mal gespannt, wo sie die herkriegen wollen".

Besondere Herausforderungen in Mitteldeutschland

Für Mitteldeutschland sehen die Experten besondere Herausforderungen. In Sachsen etwa müsse bis zur neuen Pflegeausbildung ab 2020 noch viel passieren. "Die Altenpflegeschulen hängen derzeit völlig in der Luft", so Professor Fischer aus Dresden. "Wir können uns nicht erlauben, dass ein Jahrgang ausfällt, weil wir den Übergang nicht hinbekommen", betont er.

In Thüringen erhofft sich Prof. Dr. Olaf Scupin, Professor für Pflegemanagement an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena, eine Dezentralisierung der Pflegeschulen, damit junge Pflegekräfte nicht in die großen Städte abwandern. "Wir warnen davor, dass die Leute dann nämlich nicht mehr zurückkommen“, so Scupin. Michael Junge, Vorsitzender des Sächsischen Pflegerats, wiederum meint, dass die Pflegeausbildung in Mitteldeutschland verstärkt an Hochschulen angesiedelt werden müsse: "Da gibt es einen echten Nachholbedarf in Mitteldeutschland." Denn nur über Studienplätze ließen sich auch Abiturienten für die Pflege gewinnen, denn auch hochqualifiziertes Personal sei in der Pflege wichtig, so Junge.

Dieses Thema im Programm: 31. Januar 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2019, 13:22 Uhr