Ein Zigarettenstummel
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Hauptsache Gesund | 01.02.2018 | 21:00 Uhr Mit dem Rauchen aufhören: So geht es

Rauchen gilt als Auslöser von Krebs und anderen Krankheiten. Trotzdem greift noch immer jeder vierte erwachsene Deutsche zur Glimmstängel. Aufhören lohnt sich in jedem Fall, denn oft erholt sich der Körper danach wieder vollständig

von Marlen Schernbeck

Ein Zigarettenstummel
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Ob die morgendliche Zigarette zum Kaffee oder die Raucherpause mit den Arbeitskollegen: Viele haben sich das Rauchen in bestimmten Situationen regelrecht antrainiert. Neben der Gewohnheit erschwert meist auch eine körperliche Abhängigkeit das Aufhören. Hauptverantwortlich dafür ist das Nikotin im Tabakrauch. Es bewirkt im Gehirn die Ausschüttung von Dopamin und anderen Botenstoffen, die zunächst anregend wirken. Regelmäßige Raucher hingegen haben sich daran gewöhnt und benötigen das Nikotin, um nicht nervös und unruhig zu werden.

Wie sich das Rauchen auf den Körper auswirkt

Viele ausgedrückte Zigaretten
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Der Rauch einer Zigarette enthält neben Nikotin nachweislich 5.000 bis 9.500 weitere chemische Stoffe. Viele dieser Substanzen verursachen körperliche Schäden. Lange Zeit ist davon nichts zu spüren, bis die Schäden ein gewisses Maß übersteigen, sich bemerkbar machen – und oft irreversibel sind. Besonders häufig entstehen Erkrankungen der Atemorgane, des Herz-Kreislauf-Systems sowie Krebserkrankungen. Allein in Deutschland sterben pro Jahr etwa 140.000 Menschen an den Folgen des Rauchens.

Was passiert nach dem Rauchstopp?

Wer das Aufhören schafft, hat gute Chancen, sich wieder ganz davon zu erholen. Das Gesundheitsrisiko verringert sich Schritt für Schritt:

nach 1 Tag: Der Geruchs- und der Geschmackssinn verfeinert sich.
nach 3 Tagen: Die Atmung verbessert sich spürbar.
nach 3 Monaten: Die Lungenkapazität erhöht sich um bis zu 30 Prozent.
nach 1 Jahr: Das Risiko für eine koronare Herzkrankheit (KHK) hat sich halbiert.
nach 2 Jahren: Das Herzinfarktrisiko ist auf beinahe normale Werte abgesunken.
nach 10 Jahren: Das Lungenkrebsrisiko ist fast so niedrig wie bei lebenslangen Nichtrauchern.
nach 15 Jahren: Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist so niedrig wie vor dem ersten Tabakkonsum.

Was hilft beim Aufhören?

Wichtig ist, gewohnte Verhaltensmuster zu durchbrechen und sich das Rauchen in bestimmten Situationen nach und nach wieder abzutrainieren. Kommt es zu starken Entzugssymptomen, können zusätzlich Medikamente eingesetzt werden, die das Nikotin vorübergehend ersetzen.Zugelassene Nikotinersatzprodukte sind zum Beispiel Pflaster, Kaugummis, Lutschtabletten und Mundsprays. In bestimmten Fällen ist auch eine Kombination der Mittel möglich. Vor der Einnahme sollte jedoch eine individuelle Beratung durch einen Arzt oder Apotheker erfolgen. Für Menschen mit einer starken psychischen Abhängigkeit sind diese Präparate eher nicht geeignet.

E-Zigaretten

Ein Mann exhaliert den Dampf einer E-Zigarette
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Besonders im Trend sind derzeit E-Zigaretten. Hier wird eine Flüssigkeit über eine Heizspirale verdampft, sodass ein Tröpfchennebel entsteht. Die sogenannten Liquids gibt es sowohl ganz nikotinfrei oder nikotinhaltig in verschiedenen Konzentrationen. Letzteres soll "Dampfern" ein langsames Reduzieren des Gehalts und damit ein schrittweises Entwöhnen ermöglichen. Zwar gilt das Dampfen von E-Zigaretten als weniger schädlich als das Rauchen von Tabakzigaretten, dennoch wurden auch in der Flüssigkeit und im Dampf von E-Zigaretten krebserzeugende Substanzen gefunden. Derzeit fehlen noch Langzeitstudien über die Sicherheit von E-Zigaretten. Zudem werden die Inhaltsstoffe der Flüssigkeiten nicht arzneimittelrechtlich geprüft.


Drei Fragen an Prof. Dr. Stephan Mühlig, Leiter der Raucherambulanz der TU Chemnitz

Prof. Dr. Stephan Mühlig leitet die Raucherambulanz der TU Chemnitz. Wir haben ihn gefragt, worauf es beim Aufhören ankommt und warum auch wenige Zugaretten schon schädlich sind.

Verhaltenstherapeut Prof. Stephan Mühlig
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Frage: Wenn man ein Jahr nicht geraucht hat, ist man dann vor einem Rückfall sicher?
Antwort: Nein, aber nach zwölf Monaten ist die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls geringer.

Wie gefährlich ist nur eine Zigarette am Tag?
Männer, die täglich eine Zigarette rauchen, haben ein um fast 50 Prozent erhöhtes Risiko, eine koronare Herzerkrankung oder einen Schlaganfall zu bekommen. Bei Frauen bewegen wir uns da noch höher, nämlich um die 60 bis 65 Prozent.

Was sollte man beim Aufhören beachten?
Man sollte sich nie entmutigen lassen. Oft braucht es mehrere Versuche und auch Misserfolge gehören dazu. Aber irgendwann klappt es!"


Nicht mehr rauchen: Sechs Tipps von Prof. Dr. Stephan Mühlig

1. Selbst Motivieren  und eine klare Entscheidung treffen!
Man muss sich innerlich zu 100 Prozent sicher sein, dass man aufhören will. Das ist die Basis!

2. Rauchstopp gut vorbereiten!
Informieren Sie sich, was auf Sie zukommt an Entzugserscheinungen und neuen Lebenssituationen und sorgen Sie vor! Tipp: Suchen Sie sich ein Familienmitglied, einen Freund oder Bekannten als Partner.

Wandkalender mit roter Markierung auf der 14
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3. Konkreten Termin festlegen!
Nicht spontan, sondern geplant aufhören. Ab da alle Zigaretten wegwerfen und alles entsorgen, was mit dem Rauchen zu tun hat.

4. Entzugserscheinungen aushalten!
Schon nach drei bis vier Wochen hat der Körper die Nikotinabhängigkeit überwunden! Wenn es arg schlimm wird bis dahin, helfen zum Beispiel Atemübungen am offenen Fenster.

5. Strategien für den "Notfall"!
Sie brauchen ein Rückfallmanagement, um Verführungssituationen zu widerstehen. Wenn Kollegen zur Raucherpause gehen, ruhig mitgehen und sich klar machen, wie viel Gutes Sie sich tun, wenn Sie hier nicht mitmachen.

6. Langfristig rauchfrei leben!
Die beste Rückfallprophylaxe sind die dauerhafte Umstellung von Gewohnheiten, ein anderer bewussterer Lebensstil sowie mehr Sport und Bewegung.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 01. Februar 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. April 2018, 13:38 Uhr