Darstellung eines Knochens mit Osteoporose
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Hauptsache Gesund | 06.12.2018 | 21:00 Uhr Osteoporose individuell behandeln

Osteoporose zerstört die Struktur der Knochen. Bis der Knochen bricht, bleibt sie oft lange unbemerkt. Doch wenn sie rechtzeitig erkannt und individuell behandelt wird, lassen sich schmerzhafte Brüche vermeiden.

von Jana Olsen

Darstellung eines Knochens mit Osteoporose
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Bloß nicht stürzen! Im Winter ist die Angst vor einem Knochenbruch bei Osteoporose-Patienten stete Begleiterin. Renate Willenberg aus Gera hat schon zwei Wirbelbrüche hinter sich. Ihre Knochen sind ohne äußeren Einfluss zerbrochen: "Ich bin nicht gestürzt", erzählt die 77-Jährige. "Ich habe nur gemerkt, dass plötzlich wahnsinnige Schmerzen aufgetreten sind. Und das war im Nachhinein gesehen der Wirbelbruch." Ihre behandelnde Ärztin Dr. Gabriele Lehmann vom Uniklinikum Jena bestätigt: "Eine Fraktur durch Osteoporose braucht keinen Sturz. Der Klassiker ist, dass der Patient etwas macht, das für die Wirbelsäule schlecht ist. Zum Beispiel einen Blumenkübel anheben. Manchmal braucht es aber nicht mal das."

Osteoporose kommt schleichend

Knochen mit Osteoporose
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Osteoporose ist nicht zu sehen. Sie wird erst spürbar, wenn es zu spät ist: wenn ein Knochen bricht. Das hat oft fatale Folgen. "Viele können nach osteoporotischen Brüchen die Wohnung nicht mehr verlassen, nicht mehr alleine einkaufen gehen. Die Lebensqualität ändert sich völlig", sagt Dr. Lehmann, die häufig schwere Fälle in ihrer osteologischen Sprechstunde sieht. Auch wenn es sich bei einer Osteoporose um keine normale Alterserscheinung handelt, sind viele der betroffenen Patienten schon älter.

Frühe Diagnose wichtig

Neben Röntgenbildern und einer Analyse der Blutwerte gibt die Knochendichtemessung Aufschluss über den Zustand des Knochens. Seit einiger Zeit bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen diese Untersuchung, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen. Dazu gehören beispielsweise die familiäre Veranlagung, Erkrankungen wie chronische Magen-Darm-Beschwerden, Rheuma oder eine Niereninsuffizienz. Auch die Einnahme von Medikamenten wie Marcumar, Heparin oder Antidepressiva erhöht das Osteoporose-Risiko.

Im Fall von Renate Willenberg hat die langjährige Kortisonbehandlung ihrer Polyarthritis zur Osteoporose geführt. "Kortison macht die Knochen kaputt und das sehr effektiv, weil es einerseits den Knochenaufbau behindert und andererseits den Knochenabbau befördert. Und die gegenläufige Entwicklung führt dazu, dass man nach Einleitung der Kortisontherapie sehr rasch an Knochensubstanz verliert", erklärt Osteologin Dr. Lehmann.

Individuelle Therapien

Damit genau das nicht mehr passiert, bekommt Renate Willenberg eine knochenschützende Therapie in Form einer Injektion, die ihr alle sechs Monate unter die Haut verabreicht wird. Sie enthält einen Antikörper, der den weiteren Knochenabbau verhindert. Renate Willenberg verträgt die Spritze sehr gut: "Ich merke gar nichts davon. Ich habe auch keine Schmerzen an der Einstichstelle." Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von gut wirksamen Osteoporose-Medikamenten, die das Frakturrisiko deutlich verringern können. "Wir haben für jeden Patienten die Möglichkeit, eine individuelle Therapie zu bauen. Da kann man berücksichtigen, ob der Patient noch Begleiterkrankungen wie eine eingeschränkte Nierenfunktion hat oder auch, ob er Tabletten schlucken kann oder nicht." Die häufig verordneten Bisphosphonate beispielsweise haben Einnahmevorschriften, die nicht jeder Patient streng befolgen kann.

Auf Kalzium und Vitamin D achten

Ein Glas Milch
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Neben der medikamentösen Therapie gibt es einiges, was die Patienten selbst tun können, über die Ernährung zum Beispiel. Ein großes Glas Milch zum Frühstück deckt etwa ein Drittel des von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Tagesbedarfs von 1.000 Milligramm Kalzium pro Tag. Zudem sind Käsesorten wie Parmesan, Emmentaler und Edamer reich an Kalzium. Wer keine Milchprodukte mag oder verträgt, hat zahlreiche Alternativen. Grüne Gemüsesorten wie Grünkohl, Spinat oder Brokkoli sind kalziumreich, ebenso Sesam und Mohn. Gute Kalziumquellen sind auch Mineralwässer. Osteoporose-Patienten sollten zu einem Mineralwasser mit mindestens 350 Milligramm pro Liter greifen. Zudem sollte der Vitamin-D-Spiegel stimmen. "Den sollte man vom Arzt bestimmen lassen. Und je nach Ergebnis sollte dann eine entsprechende Dosierung an Vitamin D eingenommen werden", empfiehlt Dr. Lehmann.

Bewegung stärkt die Knochen

Frau beim Treppensteigen
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Zudem ist Bewegung gut und wichtig für Osteoporose-Patienten. Denn der Muskelzug am Knochen regt den Knochenaufbau an. Geeignet sind beispielsweise Treppensteigen sowie ein kleines, gezieltes Krafttraining. Und wie hält es Renate Willenberg mit Sport? "Oh, da haben Sie meine Schwachstelle getroffen, mit Sport hapert es ein bisschen", gibt sie zu. "Aber für das neue Jahr habe ich mir fest vorgenommen, mich einer Seniorensportgruppe anzuschließen."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 06. Dezember 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2018, 09:30 Uhr

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