Ein Arzt untersucht mit einer Stimmgabel den Fuß eines Patienten.
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Hauptsache Gesund | 04.10.2018 | 21:00 Uhr Polyneuropathie – Wenn die Nerven verrücktspielen

Brennende Schmerzen, seltsames Kribbeln in Füßen oder Händen. Polyneuropathien – so nennt man Krankheiten, bei denen Nerven zugrunde gehen. Ursachen dafür gibt es viele, aber nicht immer sind die Symptome eindeutig. Spezialisierte Neurologen können mit gezielten Therapien helfen.

von Andrea Besser-Seuß

Ein Arzt untersucht mit einer Stimmgabel den Fuß eines Patienten.
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Polyneuropathien äußern sich unterschiedlich. Häufig beschreiben die Patienten brennende Füße und Unterschenkel. Es können aber auch starke Rücken-, Nacken- oder Schulterschmerzen mit Lähmungen auftreten. Deshalb wird eine Polyneuropathie oft mit orthopädischen Erkrankungen oder einem Bandscheibenvorfall verwechselt. Die Diagnostik ist aufwendig und erfordert von Ärzten und Betroffenen Zeit und Geduld.

Dr. Rolf Malessa ist spezialisierter Neurologe am Klinikum in Weimar. Er sagt, es sei manchmal Detektivarbeit nötig, um die richtige Diagnose zu stellen, um dann gezielt helfen zu können.

Symptome

Nervenschmerzen sind ein Leitsymptom. Die kleinen, dünnen Nerven, sogenannte small fibres, sind für die Schmerzübertragung zuständig. Neuropathische Schmerzen werden meist durch eine Schädigung und daraus folgender Überempfindlichkeit der kleinen Nervenfasern ausgelöst. Weitere typische Symptome sind:

  • taubes, pelziges Gefühl
  • überempfindlich
  • "Ameisenlaufen"
  • Hitze- oder Kälteempfinden
  • unangenehmes Druckgefühl, fühlt sich an wie bandagiert oder geschwollen
  • "Stein im Schuh"
  • Lähmungen
  • Muskelkrämpfe

Die Missempfindungen können aufsteigen, Oberschenkel, aber auch Schulter und Arme betreffen.

Ursachen und Erscheinungsformen

Mann mit Bier und Zigarette
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Diabetes und übermäßiger Alkoholgenuss sind zwei häufige und bekannte Risikofaktoren für Nervenschäden. Manchmal entwickeln Patienten Neuropathien durch Medikamente, beispielsweise nach einer Chemotherapie. Auch ein Vitamin-B-12-Mangel kann dazu führen.

Oft jedoch lässt sich die genaue Ursache nicht finden. Es kommen Erkrankungen in Frage, die das Immunsystem betreffen. Auch durch bestimmte Stoffwechselstörungen können Nerven Schaden nehmen.

Besonders wichtig sind die entzündlichen Formen. Sie beginnen häufig auf einer Körperseite, manchmal auch an den Armen und schreiten rasch voran. Diese Nervenstörungen sind gut in den Griff zu bekommen, weil Ärzte die Entzündungsreaktion und damit die Ursache behandeln können.

Diagnose und Selbst-Test

Zahnstocher
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Ob die peripheren Nerven Signale richtig weiterleiten, kann jeder zu Hause selbst testen – mit einem Zahnstocher:

Pieksen Sie sich mit einem Zahnstocher aus Holz an der nackten Wade oder an der Fußsohle mehrfach hintereinander. Empfinden Sie das Pieksen als "normal" oder löst es starke Schmerzen aus, die sich ausbreiten? Auch eine besonders sensible Reaktion auf diesen Schmerzreiz kann ein erstes Anzeichen für eine Nervenstörung sein.

Neurologen können die Leitfähigkeit der Nerven messen. In Spezialambulanzen und in Kliniken kommen auch aufwändige Tests zum Einsatz. Ein Beispiel ist die Thermo-Analyse, mit der die Kälte- und Wärmeempfindlichkeit überprüft wird. Um Schädigungen an den kleinsten Nerven zu erkennen, kommt eine Hautbiopsie infrage. Dafür entnehmen Ärzte kleine Hautproben und untersuchen darin den Zustand der kleinen Nervenfasern.

Medikamente und alternative Behandlung

Wenn die Ursache für die Polyneuropathie bekannt ist, muss die Grunderkrankung behandelt werden: beim Diabetiker den Zucker richtig einstellen, wenn ein Vitamin-B12- Mangel vorliegt, diesen ausgleichen, bei Alkoholmissbrauch konsequent Entzug einhalten - um nur einige Beispiele zu nennen.

Neurologe Dr. Rolf Malessa sagt: "Man kann viel mehr tun gegen Polyneuropathie, als gemeinhin angenommen." Gerade bei den entzündlichen Neuropathien gebe es zahlreiche Therapieansätze. Das A und O sei außerdem der richtige Mix verschiedener Medikamente.

Cortison hilft, Entzündungen, welche die Nerven schädigen, wirksam einzudämmen. Immunmodulatorische Medikamente, wie sie beispielsweise in der Rheumatherapie angewendet werden, können zum Einsatz kommen. Wichtig ist es, für jeden Patienten individuell die optimale Medikamenten-Kombination zu finden.

Das Ziel ist erst einmal , die Schmerzen so weit wie möglich einzudämmen. Wenn der Patient vier bis sechs Monate deutlich weniger Schmerzen hat, kann die Dosis der Medikamente reduziert werden.

Ergänzend können schmerzlindernde Salben und Pflaster angewendet werden. Das Team um Dr. Malessa empfiehlt einen speziellen Gewürztrank gegen schmerzhafte Krämpfe, den sich jeder zu Hause selbst mixen kann. Zweimal täglich getrunken, lassen bei einigen Patienten die Beschwerden sofort nach:

Rezept - Gewürztrank gegen Nervenschmerzen 1 Messerspitze Cayennepfeffer (enthält Capsaicin, schmerzlindernd) , ein halber Teelöffel Ingwerpulver , 1 Teelöffel Zimt und 1 Teelöffel Zucker in ca. 50 Milliliter Orangensaft oder Apfelsaft auflösen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 04. Oktober 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2018, 08:56 Uhr

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