Hände
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Hauptsache Gesund | 16.08.2018 | 21:00 Uhr Problemzone Hand

Die Hand ist ein Wunderwerk – und pausenlos im Einsatz. Das macht ihre Knochen und Gelenke aber auch anfällig für Beeinträchtigungen. Doch mit gezielten Bewegungen lassen sich Schmerzen und Beschwerden häufig lindern.

von Beate Splett und Michael Kästner

Hände
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Wunderwerk Hand

Unsere Hände sind perfekte Werkzeuge. Sie sind extrem beweglich, um selbst feinste Arbeiten auszuführen, zum Beispiel nähen oder das Binden von Schnürsenkeln. Sind sie aber auch kräftig genug, um richtig zuzupacken. Aber wie funktioniert das Wunderwerk Hand?

anatomische Darstellung einer menschlichen Hand
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An jeder Hand besitzen wir 27 Knochen. Allein die Finger haben 14 davon. Damit das ganze Konstrukt beweglich ist, gibt es insgesamt 36 Gelenke. Besonders bedeutsam ist das Daumensattelgelenk. Es ermöglicht es uns, den Daumen den anderen Fingern gegenüberzustellen. Nur so können wir richtig greifen. Doch die Gelenke von Hand und Fingern sind auch anfällig für Verletzungen und Erkrankungen. Besonders häufig kommt es zu Arthrose, also Schäden am Knorpel. Meist beginnt das im Zeige- oder Mittelfinger. Die Knorpelschicht nutzt sich ab und verschwindet schließlich ganz. Knochen reibt auf Knochen, was starke Schmerzen verursacht. Der verlorene Knorpel lässt sich leider nicht wieder zurückholen.

Übungen zur Kräftigung und besseren Beweglichkeit der Hände

Sofern nicht Verletzungen und Schädigungen der Sehnen für die Beschwerden verantwortlich sind, lautet die Zauberformel: Bewegung! Für eine genaue Diagnose werden Beweglichkeit, Koordination und Hand-Kraft untersucht. Ob beide Hände gleich stark sind, lässt sich mit einem einfach Test herausfinden: Dazu einem Partner  über Kreuz beide Hände geben. Ist der Händedruck links und rechts unterschiedlich kräftig, könnte das ein erster Hinweis auf mangelnde Muskulatur sein. Gezielte Übungen können die Hände dann wieder kräftiger machen und auch Schmerzen lindern. So funktioniert´s:

Übung 1:
Die Hände fest zu Fäusten ballen. Die Fäuste wieder öffnen und die Finger weit abspreizen. Das Ganze zehn Mal wiederholen. Um den Widerstand zu erhöhen, kann man die Übung auch mit einem Theraband ausführen. Das Band dafür an einer Seite an einer Türklinke oder ähnlichem festbinden und mit der Hand kräftig am anderen Ende des Therabandes ziehen. Die Finger gegen den Widerstand zur Faust schließen und öffnen.

Übung 2:
Beide Arme im Sitzen oder Stehen gerade nach vorn ausstrecken. Die Handflächen zeigen dabei zum Boden. Jetzt die Handgelenke abwechselnd so weit wie möglich zuerst nach oben, anschließend nach unten beugen. So wird der so genannte "Armstrecker", der Muskel, der für das Ausstrecken der Arme verantwortlich ist, gedehnt und trainiert.

Übung 3:
Die Daumen nacheinander an die Kuppen der vier Finger derselben Hand drücken. Den Druck für jeweils einige Sekunden halten, dann den Finger wechseln.

Übung 4:
Im Sitzen oder Stehen die Handinnenflächen auf Brusthöhe für einige Sekunden fest gegeneinander drücken. Die Unterarme bilden eine gerade Linie. Einige Sekunden entspannen und die Übung wiederholen. So werden die sogenannten "Handbeuger" gedehnt und die Muskulatur im Oberarm gekräftigt.

Die  Übungen möglichst mehrmals täglich wiederholen.

Unser Tipp: Im Sanitätshaus gibt es auch eine große Auswahl an speziellen Handtrainern. Lassen Sie sich beraten!

Der Fall: Daumen-Arthrose

Ob Tür aufschließen oder auch nur ein Wasserglas halten: Bei jedem Handgriff hat Marina Groß starke Schmerzen. "Das kommt ganz plötzlich. In dem Moment, wo man die Bewegung macht, ist es das schon. Alleine die Bewegung, wenn Sie ein Blatt Papier nehmen wollen, geht einfach nicht mehr", erzählt sie. Schon seit Jahren leidet die 58-Jährige unter einer sogenannten Rhizarthrose, also einem Verschleiß des Daumensattelgelenks, und zwar an beiden Händen. Ihrem geliebten Hobby kann sie nicht mehr nachgehen und selbst einfache Alltagstätigkeiten bereiten ihr zunehmend Beschwerden. Hinzu kommt, dass sie als Verkäuferin ganz besonders auf ihre Hände angewiesen ist.

Daumen-Orthese
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Eine Lösung musste dringend her, doch an eine Operation war für sie nie zu denken: "Ich hab so viele Leute kennengelernt, die sich haben operieren lassen und es hat nicht geklappt. Die haben es wirklich bereut", sagt sie. Eine neuartige Daumen-Orthese, eine Spezialanfertigung aus Wernigerode, soll ihr jetzt anstelle einer Operation gegen die Schmerzen helfen. Das Besondere: Die Orthese besitzt kleine Polster, sogenannte Pelotten. "Die Pelotten drücken von unten gegen das Daumengelenk. Wenn man dann mit dem Daumen zudrückt, wird das Gelenk quasi extendiert und auseinandergezogen. Dadurch entsteht die Entlastung, wenn man dann etwas greift oder eine Flasche aufschraubt", erklärt Orthopädiemeisterin Alexandra Liebe. So kann nichts mehr aneinander reiben. Dafür muss die Orthese aber exakt passen. Millimetergenau müssen die Pelotten auf dem Gelenkspalt liegen. Außerdem müssen sie aus einem speziellen weichen Material bestehen und so geformt sein, dass nichts unangenehm drückt. Deutschlandweit gibt es hierfür nur wenige Anbieter. In Sachsen-Anhalt ist das Sanitätshaus Liebe in Wernigerode das einzige, das diese Orthesen anfertigt.

Die Hände einer alten Frau beim Kartoffelschälen.
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Schon nach wenigen Monaten ist Marina Groß nahezu beschwerdefrei. "Ich kann das nur jedem, der die Probleme damit hat, nahelegen, das zu machen", schwärmt sie. Kartoffelschälen und andere Handbewegungen sind mit Orthese inzwischen kein Problem mehr – ganz ohne Operation und sogar zum Nulltarif, denn die Krankenkasse hat alles bezahlt. Und auch das Stricken klappt wieder.

Die Orthese R.E.O. (Rhizarthrose Extensions Orthese) ist vom Patentamt als Gebrauchsmuster geschützt und zugelassen. Weitere Informationen gibt es unter: www.rhizarthrose-spezialist.de.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 16. August 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2018, 14:01 Uhr