Eine Frau hält sich beim Fensterputzen den Ellenbogen.
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Hauptsache Gesund | 13.09.2018 | 21:00 Uhr Rheumatoide Arthritis: Wenn die Gelenke schmerzen

Geschwollene Gelenke, verformte Finger, Schmerzen: Beim Thema "Rheuma" denken wir an Ältere, und vor allem an Frauen. Doch die Erkrankung ist keine Frage des Alters, selbst junge Menschen können davon betroffen sein.

Eine Frau hält sich beim Fensterputzen den Ellenbogen.
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Das Wort "Rheuma" kommt aus dem Griechischen und beschreibt einen reißenden, ziehenden Schmerz. Die rheumatoide Arthritis, auch chronische Polyarthritis genannt, ist nur eines von mehr als 100 Krankheitsbildern des "rheumatischen Formenkreises", wie Ärzte das Rheuma nennen. Bundesweit sind etwa eine halbe Million Menschen davon betroffen. Frauen erkranken etwa doppelt so häufig wie Männer.

Eine Autoimmunerkrankung

Röntgenaufnahme von einer Hand.
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Beim Rheuma handelt sich um eine Autoimmunerkrankung: Fehlgeleitete Zellen der Immunabwehr greifen körpereigene Zellen an und lösen Entzündungen aus. Bei rheumatoider Arthritis sind hauptsächlich die Gelenkschleimhäute betroffen, neben den Händen besonders stark auch die Füße. Diese Entzündungen treten schubweise auf und werden im Krankheitsverlauf immer häufiger. Das führt dazu, dass Gelenkknorpel und letztlich die Gelenke zerstört werden. Die Auslöser für die Entzündungsreaktion sind noch nicht vollständig bekannt. Mediziner vermuten erbliche Veranlagung, schädliche Umwelteinflüsse, aber auch Stress als mögliche Ursachen. An Rheuma können generell alle Gelenke im Körper erkranken.

Der Fall

30 Jahre Rheuma haben Händen und Füßen von Carmen Schreiber zugesetzt. Ein Wunder, dass die 54-Jährige ihr Hobby, das Gärtnern, überhaupt noch ausüben kann. "Es gibt Tage, da bereitet es mir große Mühe, da funktioniert es erst, wenn man ein Schmerzmittel eingenommen hat und in die Bewegung reingekommen ist", erzählt sie. Aber nicht nur ihre Hände sind betroffen. Die Krankheit sitzt überall: in den Ellenbogengelenken, in den Schultern, in den Füßen, der linke Fuß wurde zwei Mal operiert, ebenso beide Knie.

Carmen Schreiber engagiert sich in der Selbsthilfe. In Bautzen leitet sie eine Arbeitsgruppe der Rheumaliga Sachsen. Dort trifft sie sich einmal im Monat mit anderen Patienten, macht  Mut, hilft beim Ausfüllen von Anträgen oder hört einfach nur zu. Dass sie trotz allem so aktiv sein kann, haben neue Medikamente wie Biologika und das bekannte Rheumamittel Methotrexat möglich gemacht, das sie jeden Sonntag selbst spritzt. Es verursacht heftige Nebenwirkungen. "Es kann sein, dass es abends schon los geht mit starker Übelkeit. Montags habe ich dann oft Kopfschmerzen und bin benommen. Es gibt aber auch Phasen, wo es mir gut geht", beschreibt sie. Aber das Methotrexat hält ihr Rheuma und die Entzündungsschübe in Schach.

Medikament mit (Neben-) Wirkungen: Methotrexat (auch: MTX) Der Wirkstoff MTX wurde ursprünglich für Krebspatienten entwickelt, um die Vermehrung von Tumorzellen zu hemmen. Inzwischen kommt er auch bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen zum Einsatz. Bei Autoimmunerkrankungen wirkt MTX immunsuppressiv - es unterdrückt das Immunsystem und verhindert so, dass körpereigene Zellen weiter angegriffen werden. Die entzündungshemmende Wirkungsweise ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall.

Wie sinnvoll ist eine "Rheuma-Diät"?

Neben einem Krug mit Milch liegen Eier
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Die schlechte Nachricht vorweg: Mit einer Ernährungsumstellung lässt sich eine rheumatoide Arthritis leider nicht heilen. Aber es gibt auch eine gute: Über die richtigen Lebensmittel können Entzündungen gezielt gemildert werden. Besonders wichtig ist es, darauf zu achten, dass man keine Nahrungsmittel zu sich nimmt, die Gelenkentzündungen zusätzlich befördern. Dazu zählen hauptsächlich tierische Fette. Vor allem Schweinefleisch besitzt hohe Mengen an Arachidonsäure. Aus ihr bilden sich entzündungsfördernde Botenstoffe, die verantwortlich sind für Schwellungen, Überwärmung und Entzündungen der Gelenke.

Arachidonsäure ist auch in Eiern, Milch und Milchprodukten wie Käse, Butter und Sahne enthalten. Die maximale Empfehlung für Fleisch lautet: zwei kleine Portionen pro Woche. Auf Eier sollte man möglichst ganz verzichten und nur fettarme Milchprodukte zu sich nehmen. Als gesunde Eiweißquelle sind Hülsenfrüchte und Nüsse eine gute Alternative. Anstelle von Butter und Schmalz sind pflanzliche Öle geeignet: Lein-, Raps-, Soja- und Walnussöle können die Aufnahme der schädlichen Arachidonsäure sogar hemmen. Auch die Omega-3-Fettsäuren aus fettem Fisch wie Makrele, Hering oder Wildlachs können Entzündungen eindämmen. Eine Ernährungsumstellung sollte man immer mit dem Arzt besprechen.

Natürliche Helferlein

Viele Antioxidantien, wie zum Beispiel der Stoff Lycopin in reifen Tomaten oder Tomatenmark, wirken entzündungshemmend. Gleiches gilt für die Stoffe Curcumin in Ingwer und Kurkuma und Capsaicin in Chili. Sie lindern Schmerzen und fördern die Durchblutung.

Auch Wacholdersalbe aus der Apotheke kann äußerlich aufgetragen die Durchblutung ankurbeln. Die ätherischen Öle wirken hautreizend und anregend. Ein- bis zweimal täglich auf die betroffenen Stellen reiben.

Arnika
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Arnika-Umschläge kühlen und können akute Schmerzen lindern. Dazu vier Teelöffel der Blüten mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen, abgießen und abkühlen lassen. Ein Leinentuch mit dem Sud tränken und für zwei Stunden auf die schmerzenden Stellen legen.

Ein Handdampfbad kann gegen Morgensteifigkeit der Fingergelenke helfen. Dafür Wasser in einem Topf oder Wasserkocher erhitzen. Über beide Hände ein Handtuch legen und in einigem Abstand über den Wasserdampf halten. Die Hände dabei abwechselnd bewegen. Anschließend die Hände in ein feuchtes, kaltes Tuch wickeln und mit einer Decke zudecken. Das regt die Durchblutung an und fördert die Beweglichkeit.

Auf das Gewicht achten

Übergewicht ist ein Risikofaktor, da das Bauchfett Hormone produziert, die Entzündungen fördern.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 13. September 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2018, 10:42 Uhr

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