Ein Notarzt bringt einen Patienten zur Stroke Unit eines Krankenhauses
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Hauptsache Gesund | 07.03.2019 | 21:00 Uhr Leben nach dem Schlaganfall

Ein Schlaganfall kommt ohne Vorwarnung. Viele Patienten sind danach auf Hilfe angewiesen. Spätfolgen lassen sich auch Jahre nach dem Schlaganfall noch verbessern, weil es immer wieder neue Hilfsmittel gibt.

von Jana Olsen

Ein Notarzt bringt einen Patienten zur Stroke Unit eines Krankenhauses
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"Time is brain" sagen die Ärzte, "Zeit ist Gehirn". Beim Schlaganfall zählt jede Minute. Rund 270.000 Deutsche trifft es pro Jahr. Nach Angaben der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe sind fast 80 Prozent der Betroffenen über 60 Jahre alt. Doch ein Schlaganfall ist keine reine Alterskrankheit, auch junge Menschen und sogar Kinder können einen Schlaganfall bekommen.

Schlaganfall ist dritthäufigste Todesursache

Auch wenn die Behandlungsmöglichkeiten in den Spezialstationen der Kliniken, den sogenannten Stroke Units, immer besser werden, ist der Schlaganfall immer noch die dritthäufigste Todesursache. Ein Jahr nach dem Schlaganfall ist etwa die Hälfte der Patienten noch auf Therapie oder Pflege angewiesen.

So erkennen Sie einen Schlaganfall

Mit dem FAST-Test lässt sich auch für einen Laien innerhalb kürzester Zeit der Verdacht auf einen Schlaganfall überprüfen. Die Buchstaben FAST stehen für die englischen Wörter  "Face – Arms – Speech – Time" (Gesicht – Arme – Sprache – Zeit).

Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab, deutet das auf eine Halbseitenlähmung hin.

Arms (Arme): Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, ein Arm sinkt oder dreht sich.

Speech (Sprache): Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.

Time (Zeit): Zögern Sie nicht, wählen Sie unverzüglich die 112 und schildern Sie die Symptome.

Grafik erklärt FAST-Methode zum Erkennen von Schlaganfällen. F steht für "Face", man soll sich das Gesicht ansehen, ob es einseitig gelähmt ist. "A" steht für "Arme", man soll den Betroffenen beide Arme heben lassen. ""S" steht für Sprache": Man soll hören, ob der Betroffenen verwaschen spricht. "T" steht für "Time": Man soll keine Zeit verlieren und den Notruf 112 wählen.
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Wie kann man einem Schlaganfall vorbeugen?

Bluthochdruck, Diabetes, Herzrhythmusstörungen wie das Vorhofflimmern, Rauchen und Übergewicht erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall. Man sollte also seine Werte kennen und gegebenenfalls behandeln lassen. Auch ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung und nicht zu viel Stress senkt das Schlaganfallrisiko. Fünf Jahre nach der letzten Zigarette reduziert sich das Risiko eines Schlaganfalls auf das eines Nichtrauchers.

Therapie mit Elektrostimulationsgeräten

Grafische Darstellung eines Schlaganfalls
Grafische Darstellung eines Schlaganfalls Bildrechte: Colourbox.de

Auch Lars Gottschall kämpft heute noch mit den Folgen seines Schlaganfalls. Die rechte Seite ist nach wie vor gelähmt, der rechte Arm kaum zu gebrauchen. Das Sprechen strengt an. Lange Zeit war auch das Laufen ein großes Problem. Denn die Halbseitenlähmung führt zu einer Fußheberschwäche, die ihn ständig stolpern ließ. Erst drei Jahre nach dem Schlaganfall entdecken die Gottschalls durch Zufall im Internet, dass es für solche Fälle Elektrostimulationsgeräte gibt. "Sagen tut einem so was keiner", bedauern die beiden.

Über eine Beinmanschette und einen Kontakt am Fuß und in der Fußsohle werden elektrische Impulse an die Nerven weitergeleitet, um die fußhebende Muskulatur zu aktivieren. "Ich merke, dass es ein bisschen kribbelt, dann kriegt man Kontakt und kann laufen", beschreibt Lars Gottschall, wie sich das anfühlt. Solche Geräte gibt es mittlerweile in verschiedenen Größen, für die Wade oder den Oberschenkel und sogar für Kinder. Sie können über einen Facharzt verordnet und somit als Krankenkassenleistung abgerechnet werden.

Drei Vormittage in der Woche geht Lars Gottschall wieder arbeiten. Er erledigt nun leichte Büroarbeiten, der Kontakt mit seinen Kollegen an seinem alten Arbeitsplatz tut ihm gut. Zu Hause trainiert er fast täglich auf dem Ergometer. Und er hat sich ein spezielles Fahrrad gekauft, mit drei Rädern, das ihn trotz Gleichgewichtsproblemen wieder mobil macht. Auch das haben die Gottschalls erst durch Zufall gefunden. Doch es macht Mut, dass es weiter und immer noch ein Stückchen besser geht.  

Beratung der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe Das Service- und Beratungsteam der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe beantwortet Betroffenen und Angehörigen Fragen zum Schlaganfall, gibt beispielsweise Informationen zum Ablauf einer Reha-Maßnahme und Hilfsmitteln.

Servicetelefon: 05241/97700 (Mo-Do 9 bis 17 Uhr, Fr 9 bis 14 Uhr)

Internet: www.schlaganfall-hilfe.de

Beratung von Patient zu Patient Hotline "SOS-Care" für Schlaganfallpatienten des Uniklinikums Dresden:

Tel. 0351/458 33 30 (Di 10 bis 12 Uhr, Do 13 bis 15 Uhr)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 07. März 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2019, 13:53 Uhr

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