Übereinandergelegte Hände
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Hauptsache Gesund | 13.12.2018 | 21:00 Uhr Schmerzen im Handgelenk

Unsere Handgelenke zählen zu den zusammengesetzten Gelenken. Deren komplexe Mechanik sorgt für eine enorme Vielseitigkeit und ermöglicht komplizierte Bewegungen. Was aber lässt sich tun, wenn diese Mechanik streikt?

von Jörg Simon

Übereinandergelegte Hände
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Kraftvoll eine Schraube ins Holz drehen, Suppe mit dem Löffel schöpfen, mit dem Bleistift eine Skizze auf das Papier bringen: Ohne die enorme Beweglichkeit unserer Handgelenke wäre all das kaum möglich. So wichtig Daumen und Finger für das Greifen sind, so wichtig sind auch die Gelenke an der Handwurzel, um unsere Hände überhaupt erst in die passende Position zu bringen.

"Handgelenk" ist ein umgangssprachlicher Begriff, der nicht ahnen lässt, mit was für einer komplexen Konstruktion wir es zu tun haben. Zum Handgelenk gehören zwei Gelenkbereiche: Zum einen die Verbindung zwischen den beiden Unterarmknochen Speiche und Elle und den Handwurzelknochen, zum anderen der Bereich zwischen den Handwurzelknochen und den Mittelhandknochen.

Junges Paar hält sich an der Hand
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Die Verbindung zwischen der Speiche und der Handwurzel ist der beweglichere dieser beiden Bereiche. Zwischen Handwurzelknochen und Mittelhandknochen herrscht weniger Spiel. Die Gelenkbereiche sind von einer bänderdurchzogenen Kapsel umhüllt, die für Stabilität sorgt. Sehnen übertragen die Bewegungsimpulse.

Welche Bewegungen sind damit möglich? Erst einmal ein Strecken nach oben oder ein Beugen nach unten. Die Hand kann außerdem aber auch zur Seite bewegt, also abgespreizt werden. Man spricht daher von "zwei Freiheitsgraden". In Kombination sind mit dem Handgelenk auch Dreh- und Kreiselbewegungen machbar.

Grafik Handgelenk 1 min
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Brüche – häufige Verletzungen im Handgelenk

Jeder kennt den natürlichen Impuls, sich bei einem Sturz mit den Händen abzufangen. In diesem Moment lastet allerdings mitunter das Mehrfache des Körpergewichts auf den Handgelenken. Brüche treten dann vor allem an zwei Stellen auf. Zum einen kann die Speiche verletzt werden, einer unserer Unterarmknochen. Zum anderen ist oft das Kahnbein betroffen, einer der mit der Speiche verbundenen Handwurzelknochen. Das Problem: Wird so ein Bruch nicht gut versorgt, kann sich das gesamte Gefüge im Gelenk verändern. Darunter leiden dann vor allem die Knorpel im Handgelenk: Durch deren Verschleiß kommt es zu Arthrose.

Arthrose – frühzeitiger Verschleiß

Eine Ärztin untersucht die Hand einer Patientin.
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Vor allem ältere Menschen leiden unter schmerzhaften Verschleißerscheinungen an den Knorpelflächen des Handgelenks. Dafür kann es ganz verschiedene Ursachen geben. Eine wurde gerade genannt: Schlecht verheilte Brüche. Verletzungen im Handgelenk können auch zu Absprengungen der Knorpel führen. All das verschiebt die Biomechanik des Gelenks und nutzt die Knorpel verstärkt ab.

Arthrose im Handgelenk tritt wiederum vor allem in dem beweglicheren, körpernahen Bereich des Gelenks auf, also zwischen Unterarmknochen und Handwurzel. Neben den Verletzungen durch Unfälle kann eine Arthrose einfach altersbedingte Ursachen haben. Außerdem setzt auch dauernde Überlastung den Knorpelflächen zu. Schließlich spielen entzündliche Erkrankungen wie Rheuma eine wichtige Rolle.

Typisches Anzeichen einer Arthrose: Das Handgelenk schmerzt, auch wenn es nicht belastet wird. Oft kommt, gerade morgens, noch eine gewisse Steifigkeit dazu. Die Symptome können sich mit der Zeit verschlimmern. Schmerzen treten dann bei jeder Tätigkeit auf, schließlich schwellen auch die Weichteile um das Gelenk herum an. Die Beweglichkeit nimmt immer weiter ab.

Mediziner raten, möglichst frühzeitig an die Behandlung der Symptome zu gehen. Die Abnutzung an den Knorpelflächen lässt sich zwar nicht rückgängig machen. Mit Physiotherapie und Training kann aber die Beweglichkeit lange erhalten werden.

Ist der Verschleiß schon fortgeschritten, muss eine OP erwogen werden. Eine Möglichkeit: die Teilversteifung des Gelenks. Damit lässt sich oft erreichen, dass die Schmerzen verschwinden. Auch die Beweglichkeit wird wiederhergestellt, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie bei einem gesunden Handgelenk.

Welche Rolle spielen Kunstgelenke?

In Knie oder Hüfte sind künstliche Gelenke inzwischen Routine. Im Bereich des Handgelenks bleiben sie bisher die Ausnahme. Sie kommen vor allem bei schweren Zerstörungen des Gelenks zum Einsatz, zum Beispiel dann, wenn viele Gelenkflächen von Arthrose angegriffen sind. Ein typisches Kunstgelenk wird mit seinem unteren Teil in der Speiche verankert. Der obere Teil wird mit der Handwurzel und der Mittelhand verbunden. Gleitflächen aus Polyäthylen sichern die Beweglichkeit. Anders als in Knie und Hüfte sind die Handgelenke allerdings nicht von reichlich stabilisierender Muskulatur bzw. einer kräftigen Kapsel umgeben. Es ist also mitunter nicht einfach, die Prothese sicher zu verankern. Lockerungen und nachfolgende Wechseloperationen sind also wahrscheinlicher. Für Menschen, die beruflich die Hände stark belasten, eignen sich eher andere OP-Verfahren.

Sehnen streiken, Nerven kribbeln

eine Hand mit Federhalter beim Schreiben auf ein Blatt Papier
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Wer seine Hände chronisch überlastet, vor allem durch sehr einseitige Tätigkeiten oder solche mit sich ständig wiederholenden Bewegungen, erhöht sein Risiko für eine Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk. Was geschieht dabei? Sehnen sind die Verbindungselemente zwischen Muskeln und Knochen. An bestimmten Stellen verlaufen sie durch Hüllen, die so genannten Sehnenscheiden. Bei Überlastung werden diese Hüllen gereizt und reagieren mit einer Entzündung, die schlimmstenfalls auch auf die Sehne selbst übergreifen kann. Die Sehnenscheiden schwellen bei der Entzündung an, was zu weiteren Reizungen führt, weil sich die Sehne in der Hülle stärker reibt.

An der Hand können davon unterschiedliche Sehnen betroffen sein. Entzündungen treten zum Beispiel an den Beugesehnen einzelner Finger auf, was zu einem "Schnappfinger" führen kann. Am häufigsten kommt das Phänomen beim Daumen vor.

Entzündungen ereignen sich aber auch an jenen Sehnen, die an der Streckung und Abspreizung der Finger beteiligt sind, oft auf Höhe des Handgelenks. Besonders häufig ist jedoch das so genannte Karpaltunnel-Syndrom.

Auslöser ist eine Enge in einem bestimmten Bereich des Handgelenks, durch die nicht nur wichtige Sehnen, sondern auch ein bestimmter Nerv verlaufen. Bei vielen Menschen ist dieser Tunnel von vornherein sehr eng angelegt. Entzündungen der Sehnenscheide können diesen Raum weiter verkleinern. Es kommt zu Schwellungen, die auf den betroffenen Nerv und die ihn versorgenden Blutgefäße drücken. Resultat: Kribbeln, Taubheitsgefühle, manchmal Schmerzen beim Greifen.

Wichtigster Behandlungsansatz bei allen Sehnenscheidenproblemen am Handgelenk: Schonung und Ruhigstellung. Dabei kann zum Beispiel auch eine Handgelenksschiene helfen. Wenn beim Karpaltunnel-Syndrom die Beschwerden länger anhalten, muss möglicherweise eine OP den Engpass im Handgelenk beseitigen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 13. Dezember 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2018, 22:49 Uhr

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