Beine von Flugbegleiterinnen auf einem spiegelnden Fußboden.
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Hauptsache Gesund | 30.08.2018 | 21:00 Uhr Was tun gegen schwere Beine?

Schwere und schmerzende Beine sind oft eine Folge von Bewegungsmangel. Wir sitzen zu viel und gehen zu wenig. Mit einfachen Übungen und etwas Hintergrundwissen lassen sich die Beschwerden lindern oder sogar vermeiden.

von Matthias Toying

Beine von Flugbegleiterinnen auf einem spiegelnden Fußboden.
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"Natürlich gibt es Menschen, die sich nur eingeschränkt bewegen können" weiß Dr. Michael Maiwald. Er ist Physiotherapeut und leitet das Institut für Therapeutische Medizin, an den Sana-Kliniken Leipziger Land: "Aber jeder, der Beine hat, die nicht gelähmt sind, kann sich wenigstens ein bisschen bewegen." Es würde sogar schon helfen, die Beine einfach auf dem Tisch oder auf der Couch hochzulegen. Dabei müssten wir allerdings darauf achten, die Beine nicht zu überschlagen. Überkreuzte Beine könnten die Bildung von Krampfadern begünstigen.


Ein Fuß im Zehenstand auf einer Wiese
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Übung 1
Eine hilfreiche Übung ist der Zehenstand: Wir stellen uns aufrecht hin, die Beine nebeneinander. Dann heben wir unsere Fersen hoch, so dass wir nur auf den Zehen stehen. Kurz im Zehenstand bleiben, dann die Fersen wieder absetzen. Das ganze mehrfach wiederholen, bis zu 25 Mal. Kurze Pause und noch einmal 25 Zehenstände. Dabei in die Waden hinein spüren und beobachten, wie sich die Muskeln anspannen und entspannen. Wer unsicher ist, kann sich mit beiden Händen an einer Stuhllehne festhalten.

Diese Übung sei besonders praktisch, weil man sie zu Hause beim Zähneputzen genauso ausführen könne wie beim Warten auf den Bus, also jederzeit und überall, betont Dr. Maiwald: "Bei dieser Übung spüren Sie schon, dass sich die Muskeln in den Waden anspannen und entspannen. Genau das ist das Training, das unsere Muskeln brauchen. Auf diese Weise setzen wir die sogenannte Venenpumpe in unseren Beinen in Betrieb."


Was ist die Venenpumpe?

3D-Querschnittsdarstellung einer Vene
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In unseren Beinen befinden sich zahlreiche Blutgefäße. Sie transportieren unser Blut zunächst nach unten bis in die Fußzehen. Dieser Vorgang ist für den Organismus einfach, denn wie alle Flüssigkeiten, sackt das Blut durch die Schwerkraft von selbst hinab. Unten angekommen muss es aber wieder nach oben transportiert werden, um erneut seinen Kreislauf zu beginnen. Wie das genau abläuft, sei wichtig, betont der Physiotherapeut, denn nur so könne man verstehen, warum Bewegung die einzige Möglichkeit sei, schmerzende und müde Beine wirksam zu behandeln. Unsere Beinvenen haben, wie alle Gefäße, keine eigene Muskulatur. Um sie herum aber befinden sich viele verschiedene Muskeln. Deren Aufgabe ist es, die Gefäße "durchzuwalken" und wieder locker zu lassen. Durch diese Pump-Bewegung wird das Blut in den Venen entgegen der Schwerkraft wieder nach oben geschoben. Weil der Weg bis zum Herzen lang ist, wird dieser Transport nach oben in kleinen Teilabschnitten durchgeführt. In jeder Etappe gibt es eine Venenklappe, in ihrer Funktion ähnlich wie ein Rücklaufventil. Sobald eine Blutportion eintrifft, schließt die Klappe und verhindert, dass das Blut zurücksackt. Wenn diese Klappen nicht funktionieren, bleibt allerdings immer etwas Blut zurück und sammelt sich an. Der Körper versucht es auf andere Weise abzutransportieren und lässt es durch die Gefäßwände hindurch in die Zellen sickern. Dort sammelt sich die Flüssigkeit allmählich an, was zu den dicken Beine führt. Um den Transport des Blutes in den Venen zu unterstützen, sind Beinbewegungen günstig, die möglichst viele Muskeln aktivieren. Jeder Muskel, der aktiviert wird, hilft den Gefäßen, die Flüssigkeit wieder ein Stück nach oben zu schieben.


Faszientraining in einer Physiotherapeutischen Praxis
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Übung 2
Eine weitere hilfreiche Übung ist die Faszien-Massage: Dazu nehmen wir eine Faszien -Rolle, ein Hilfsmittel, das man in jedem Reha-Geschäft oder im Internet erhält. Die Rolle legen wir auf den Boden. Wir setzen uns davor und stützen uns mit den Armen nach hinten ab. Jetzt nehmen wir das Becken etwas hoch, so dass es in der Luft schwebt. Ein Bein legen wir auf die Faszien-Rolle und fahren etwa 25 Mal mit dem Unterschenkel langsam darauf hin und her. Dann wechseln wir, legen das andere Bein auf die Rolle und wiederholen den Vorgang. Das Gewicht des Beines sorgt für einen ausreichenden Druck auf unsere Unterschenkel.

Die Übung ist ein wenig anstrengend, wirkt aber direkt dort, wo Schmerzen meist zuerst auftreten: in den Unterschenkeln. Diese Massage solle man täglich oder nach Bedarf wiederholen.


Helfen kalte Güsse?

Für den Moment kann ein kaltes Fußbad oder eine kalte Dusche angenehm sein, denn durch Kälte ziehen sich die Gefäße zusammen. Engere Beinvenen können das Blut besser nach oben transportieren. Vor allem, weil die Klappen innerhalb der Gefäße besser schließen und dadurch wirksamer verhindern, dass das Blut wieder nach unten sackt. Aber sobald man das Fußbad oder die kalte Dusche beendet, weiten sich die Gefäße wieder und nach kurzer Zeit sei es dasselbe, wie vorher, sagt Physiotherapeut Dr. Maiwald: "Was wirklich Sinn macht, ist die Gefäßperistaltik zu trainieren, das heißt die Venen elastisch zu halten. Dazu muss man aber wechselwarme Bäder machen, also kalt, dann warm, wieder kalt usw." Es sei im Prinzip derselbe gesunde Effekt, wie wir ihn durch Saunagänge kennen.

Warum Beinwickel?

Effektiver als Kältebehandlungen, ist das Zusammenpressen der Venen. Hierfür kann der Arzt Kompressionsstrümpfe verschreiben. Doch leider hätten solche Strümpfe immer einen Nachteil, warnt Dr. Maiwald: Die Flüssigkeit staue sich in den Beinen immer dort, wo der Strumpf endet. Darum sollte er unbedingt immer über das Knie hinausgehen, bis wenigstens zur Mitte des Oberschenkels. Sonst staut sich die Flüssigkeit im Knie, was besonders schmerzhaft sein könne. Besser als Strümpfe, seien Wickel, die man sehr gut selbst anlegen könne. Dazu eigne sich ein elastischer Verband mit hohem Gummianteil. Normale Wundverbände eignen sich nicht. Mit dem Wickeln beginnt man beim großen Zeh, wickelt dann unter recht hoher Spannung den Fuß und immer weiter bis zum Oberschenkel. Nach oben hin wird der Verband immer etwas lockerer. Vorsicht: Wenn die Zehen blau werden, hat man zu straff gewickelt! Vor dem Anlegen des Verbands, sollte man die Beine eine Weile hoch legen, am besten direkt nach dem Aufwachen, noch bevor man durch die Wohnung geht. So käme die Flüssigkeit in Bewegung und der Verband sei wirksamer. Der Wickel könne ruhig einen ganzen Tag bleiben. Erst kurz vor dem Zubettgehen, könne man ihn wieder ablegen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 30. August 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. August 2018, 13:15 Uhr

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