Füße
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Hauptsache Gesund | 24.01.2019 | 21:00 Uhr Senkfuß, Plattfuß, Knickfuß, Spreizfuß: Was tun bei Fehlstellungen der Füße?

Man kann "auf großem Fuß leben", irgendwo "Fuß fassen", jemanden "auf dem falschen Fuß erwischen" oder "kalte Füße bekommen". Diese Redewendungen verdeutlichen, wie wichtig unsere Füße sind. Doch was lässt sich tun, wenn uns die Füße Probleme bereiten?

von Raja Kraus

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Senkfuß, Plattfuß, Knickfuß, Spreizfuß oder Hallux valgus sind Namen verschiedener Fußfehlstellungen. Oft führt eines zum anderen oder es tritt eine Kombination der einzelnen Fußfehlstellungen auf. Zunächst sei aber erst einmal geklärt, Fehlstellungen sie bezeichnen.

Senkfuß
Bei einem Senkfuß ist das natürliche Längsgewölbe des Fußes an der Innenseite abgesenkt. Die Wölbung nähert sich dem Boden an. In seltenen Fällen kann das angeboren sein, in der Regel passiert das aber im Laufe des Lebens, wenn die Muskulatur rund um das Fußskelett zu schwach ist und die gewölbte Form nicht stützen und halten kann.

Plattfuß
Der Plattfuß ist die extreme Form des Senkfußes. Das Längsgewölbe ist dann gar nicht mehr erkennbar. Wie der Name schon sagt, liegt der Fuß vollständig und damit platt auf dem Boden auf.

Knickfuß
Auch der Knickfuß bildet sich häufig im Laufe des Lebens aus. Ursächlich können zum Beispiel starkes Übergewicht oder Rheumaerkrankungen sein. Vor allem aber entsteht ein Knickfuß, wenn die Bänder zu schwach sind und die Ferse nicht mehr aufrecht halten können. Dadurch senkt sich der innere Fußrand ab, während der äußere angehoben wird. Das Sprungbeinköpfchen verschiebt sich durch die Überlastung dann nach innen unter den inneren Knöchel.

Spreizfuß
Bei einem Spreizfuß senkt sich das vordere Quergewölbe des Fußes. Dadurch wird der Vorderfuß breiter. Die Vorfuß- und Mittelfußknochen werden dadurch stärker belastet. Falsches Schuhwerk und Übergewicht gelten als Hauptursache von erworbenen Spreizfüßen.

Frauenfüße mit schiefen Zehen in High Heels.
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Hallux valgus
Beim Hallux valgus, steht der große Zeh schief; er schiebt sich zu den mittleren Zehen. Gleichzeitig bildet sich eine Wölbung an der Fußinnenseite aus, das nennt man Hammer- oder Ballenzeh. Dieser Fehlstellung geht fast immer ein Spreizfuß voraus. Besonders häufig sind übrigens Frauen betroffen, denn gerade hohe und vorne spitz zulaufende Schuhe begünstigen die Fußfehlstellung.

Wie Hüfte und Beine den Fuß belasten können

Nicht immer ist der Fuß selbst Auslöser. Fußprobleme können nämlich schon viel weiter oben beginnen: durch ein zu stark abgekipptes Becken etwa, in Kombination mit einer Fehlstellung der Lendenwirbelsäule oder durch einen Oberschenkel, der nach innen dreht. Auch eine verkürzte Wadenmuskulatur kann zu Fußproblemen führen. Denn wenn Becken-, Oberschenkel- und Wadenmuskulatur nicht ausreichend arbeiten, geht die ganze Belastung direkt auf die Füße.

Was hilft?

Einlagen
Einlagen können die Beschwerden lindern und teilweise die Fußfehlstellung korrigieren. Wichtig ist, die Einlagen im Fachgeschäft individuell auf den Fuß anpassen zu lassen und nach einem Jahr wieder zu erneuern.

Fußgymnastik und Physiotherapie
Schwache Muskeln, Bänder und Sehnen tragen in der Regel eine wesentliche Verantwortung bei erworbenen Fußfehlstellungen. Kommt das Problem etwa vom Becken oder einer verkürzten Wadenmuskulatur, helfen Beckenübungen zur Muskelstärkung und Dehnungsübungen der Waden. Auch den Fuß lässt sich trainieren, etwa durch wiederholtes Spreizen und Zusammenziehen der Zehen. Zur Kräftigung des Fußgewölbes kann man den Vorderfuß um einen Tennisball krallen, die Spannung halten, dann wieder lösen. Auch eine Mobilisierung der Fußgelenksknochen kann helfen. Der Physiotherapeut zieht dazu beispielsweise an den Zehengelenken oder massiert zwischen den einzelnen Fußknochen.

Mensch blanciert barfuß auf Balken
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Barfuß laufen
Eine der besten Übungen, um Bänder und Fußmuskulatur zu stärken, ist Barfußlaufen, am besten auf weichem Untergrund. So lernt der Fuß wieder, sich selbst zu stützen und die Muskulatur ohne polsterndes Schuhwerk zu nutzen. Besonders herausfordernd und effektiv ist Barfußlaufen am Strand in warmem, feinen Sand.

Tipp: Sogenannte Barfuß-Schuhe können eine Option sein. Sie sind weich und flexibel, übernehmen für den Fuß aber keinerlei Stützfunktion. Man sollte es aber langsam angehen, denn der Fuß muss sich an das Barfuß(schuh)laufen erst wieder gewöhnen.

Operation
Bei den meisten Fußproblemen muss nicht operiert werden. Ein Eingriff kommt in der Regel nur bei sehr starken Schmerzen infrage. Bei einem stark schmerzenden Hallux valgus etwa, bei dem zusätzlich auch schon eine Arthrose vorliegt, kann in einer Operation der große Zeh wieder begradigt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 24. Januar 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2019, 22:53 Uhr

Expertin im Studio

Expertin im Studio

Dr. Margit Rudolf
Fachärztin für Orthopädie und Physikalische Medizin
Leiterin der Orthopädischen Ambulanz an der Uniklink Magdeburg