Ein Mann isst ein Stück Schokolade.
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Hauptsache Gesund | 11.10.2018 | 21:00 Uhr Kakao als Superfood?

Kakao wurde noch bis ins 19. Jahrhundert in Apotheken als Kräftigungsmittel verkauft. Ab welcher Menge müssen wir ein schlechtes Gewissen haben? Welche Schokolade ist gesund? Warum ist Kakaobutter auch gut für die Haut?

Ein Mann isst ein Stück Schokolade.
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Viele gesunde Inhaltsstoffe

Kakao hat viele gesunde Inhaltsstoffe. Er enthält viel Magnesium, Eisen sowie Kalium. Ihm wird eine blutdrucksenkende Wirkung nachgesagt. Denn Kakao enthält viele Flavanole, die sich positiv auf die Elastizität der Gefäße auswirken. Zudem ist Kakao eine gute Quelle für Vitamin D, ein wichtiger Stoff für den Knochenaufbau. Forscher der Uni Halle konnten kürzlich in einer Studie nachweisen, dass das meiste Vitamin D in dunkler Schokolade zu finden ist. "Das ist nicht verwunderlich, da der Kakaogehalt in weißer Schokolade deutlich geringer ist. Das bestätigt unsere Annahme, dass Kakao die Quelle für das Vitamin D ist", so Ernährungswissenschaftlerin Prof. Gabriele Stangl.  

Viel Zucker und Fett im herkömmlichen Kakao

Doch das, was die meisten von uns normalerweise zu sich nehmen, hat wenig mit dem Superfood Kakao gemein. Vor allem weiße und Vollmilchschokolade enthalten viel Zucker und Fett, kaum Kakao. Auch die üblichen Kakaogetränkepulver haben mit dem traditionellen Kakaogetränk der Mayas nichts mehr gemein. Ein Blick auf die Zutatenliste einiger Kakaogetränkepulver für Kinder zeigt, dass die meisten zu über 70 Prozent aus Zucker bestehen. Ein Kakaogetränk von Kaba enthält beispielsweise nur 18 Prozent mageres Kakaopulver. "Eigentlich kauft man Zucker mit ein bisschen Kakaozusatz", meint Dr. Birgit Brendel von der Verbraucherzentrale Sachsen. Von den gesunden Inhaltsstoffen des Kakaos ist da nicht mehr viel enthalten.

Bitter = gesund?

Ist also Bitterschokolade am gesündesten? Ja, aber - muss man wohl antworten. Je höher der Kakaoanteil umso besser. Allerdings stand Bitterschokolade in den letzten Jahren unter besonderer Beobachtung durch die EU. Denn einige Sorten wiesen erhöhte Cadmiumwerte auf. Das Schwermetall kann Nierenschäden verursachen. Cadmium reichert sich in einer Kakaopflanze an, wenn sie auf vulkanischen Gestein wächst, was vorwiegend in Südamerika der Fall ist. Anfang 2019 senkt die EU daher die zulässigen Cadmiumwerte für die betroffenen Sorten.

Von den Mayas gesund genießen lernen

So oder so bleiben Kakao und Schokolade ein Genussmittel, dass man nicht massenweise verschlingen sollte. Und am besten so ursprünglich wie möglich. Das das geht, zeigt Chocolatier Patrick Walter im "Hauptsache Gesund"-Studio: "Kakaobohnen kann man als Snack so knabbern. Da hat man Schokoladengeschmack fast ohne Kalorien", betont er. Und heißen Kakao bereitetet er so zu wie die traditionellen Mayas, nur mit Kakaobohnen und Gewürzen. Zurück zum Ursprung also. Denn früher wurde Kakao einfach mit weniger Zucker und Fett genossen und war deswegen auch gesünder.

Kakao mal anders

Kakaobohnen sind die Samen der Kakaofrucht. Sie schmecken ein bisschen nach Mandel oder Nuss und sind eine zuckerfreie Knabberei mit viel Schokoladengeschmack.

Kakaoschalen sind die Randschalen der Kakaobohne. Sie bleiben bei der Schokoladenherstellung oft "übrig". Mit heißem Wasser aufgegossen, ergeben sie einen herrlich nach Schokolade duftenden Tee. Wer keine Milch verträgt oder Kalorien sparen will und trotzdem nicht auf heißen Kakaogeschmack verzichten will, hat hier eine gute Alternative.

Kakaobutter entsteht bei der Schokoladenproduktion. Aus den Kakaobohnen wird zuerst die Kakaomasse hergestellt. In weiteren Arbeitsschritten entsteht anschließend die reine Kakaobutter, die als Öl gewonnen und dann getrocknet wird. Kakaobutter wird zur Pflege von trockener Haut verwendet und macht Narbengewebe geschmeidiger.

Unser Patientenfall: Mit Kakaobutter gegen Narben

Der junge Mann in der Moritzklinik im thüringischen Bad Klosterlausnitz ist noch schwer traumatisiert. Ein leichtsinniger Unfall mit Starkstrom hat ihn zwei lange Monate in ein Brandverletztenzentrum gebracht. Künstliches Koma, viele Operationen. Sein Weg zurück ins Leben ist schmerzhaft. Er hat große Verbrennungen. Weil sich verbrannte Haut nicht ausdehnen kann, mussten bei der Erstversorgung mehrere so genannte "Entlastungsschnitte" durchgeführt werden, um die Atmung zu ermöglichen. Sie sind gut verheilt. Doch seine Narben beeinträchtigen ihn noch immer und behindern seine Beweglichkeit. 

Um hier Verbesserung zu erzielen, verwendet Ergotherapeutin Dagmar Lacheim Kakaobutter während der Therapie. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es viel besser ist, natürliche Stoffe zu benutzen. Weil das keine Allergien auslöst beziehungsweise auf der sehr empfindlichen Narbenhaut viel besser verträglich ist, als alles was chemisch hergestellt wird", erklärt sie.

Der Schmelzpunkt der Kakaobutter liegt bei 36 Grad, also genau der Körpertemperatur. Deswegen ist sie für eine Massage perfekt geeignet. Dagmar Lacheim fettet die großen Narben des jungen Mannes täglich damit ein. "Es ist wichtig, dieses Einengungsgefühl im Brustkorb zu lösen, das am Ende auch die Atmung einengt", sagt sie. Nach einer halben Stunde kann sich der junge Mann tatsächlich viel besser bewegen als vorher. Und das, dank eines vermeintlich einfachen Mittels: der Kakaobutter.

Kakaobutter
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 11. Oktober 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2018, 09:30 Uhr

Schoki
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Kakaobutter
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