Hauptsache Gesund | 28.02.2019 | 21:00 Uhr Wie (un)gesund ist Milch?

Viele halten Milch für besonders gesund. Andere machen sie für Erkrankungen wie Krebs oder Diabetes verantwortlich. Doch wie (un-)gesund ist Milch tatsächlich? Und wie kommt es eigentlich zu einer Laktoseintoleranz?

von Beate Splett

Eine Frau hält sich die Hände vor dem Bauch
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Wir Menschen trinken schon seit mehreren Tausend Jahren artfremde Milch von Kühen, Ziegen oder Schafen. Kinder sind von Natur aus in der Lage, Milchzucker aus der Muttermilch zu verdauen. Genmutationen ermöglichten es vor ca. 7000 Jahren schließlich auch europäischen Erwachsenen, Milchzucker (Laktose) aufzuspalten und im Körper meist problemlos zu verarbeiten. Für unsere Vorfahren war das ein wichtiger Fortschritt in der Ernährung. Die Milch ist ein wertvoller, nährstoffreicher Lieferant für Fett und Eiweiß und viele Vitamine und Mineralstoffe. Besonders die Vitamine B2, B12, der Mineralstoff Kalzium und die Spurenelemente Jod und Zink sind reichlich enthalten. Fast die Hälfte des Kalziumbedarfs wird über Milch und Milchprodukte aufgenommen. Dennoch ist Milch ein Nahrungsmittel und schon wegen ihrer Kalorien kein Durstlöscher. Es kommt auf die richtige Menge an! Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt derzeit zwei bis drei Portionen mit ca. 200 – 250 Milliliter Milch und Joghurt und etwa 50 Gramm Käse oder Quark täglich.

Erhöht Milch das Krebsrisiko?

Milch, Joghurt, Butter, Käse und Quark
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Bei Darm- oder Brustkrebs gibt es keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko durch den Verzehr von Milch und Milchprodukten. Mehrere Studien legen nahe, dass das Kalzium in der Milch sogar schützende Wirkungen haben könnte. So soll schon ein Glas Milch täglich das Darmkrebsrisiko verringern. Auch das Milchfett scheint einen positiven Einfluss auf Krebszellen zu haben. Es soll krebsfördernde Enzyme binden und zelleigene Schutzprogramme aktivieren. Auch die Milchproteine, also Milcheiweiße, können vor Krebs eher schützen. Eine Ausnahme bildet Prostatakrebs.  Es gilt als "wahrscheinlich", dass eine hohe Kalziumzufuhr und große Mengen Milcheiweiß das Risiko für Prostatakrebs erhöhen. Das betrifft allerdings nur den Verzehr besonders hoher Mengen, wie etwa über einem Liter Milch oder mehr als 100 Gramm Käse täglich.

Milch und Knochen

Spätestens ab dem 35. Lebensjahr nimmt unsere Knochendichte ca. ein Prozent pro Jahr ab. Besonders bei Frauen erhöht das im Alter das Risiko für Osteoporose. Umso wichtiger ist es, mit der richtigen Ernährung so gut wie möglich vorzubeugen. Dazu gehören vor allem kalziumreiche Lebensmittel. Wie sich das Kalzium über den Darm in den Knochen einlagert, weiß man noch nicht genau. Fakt ist: Durch das Trinken von Milch erhöhen sich Knochendichte und Knochenmasse nachweislich. Das allein kann Knochenbrüche leider nicht verhindern, da das Risiko auch von vielen anderen Faktoren abhängig ist. Aber es unterstützt die Knochen, möglichst lange stabil zu bleiben.

Milch ist nicht gleich Milch

Rohmilch ist die unbehandelte Milch von Kühen, Ziegen oder Schafen. Sie wird nicht über 40 Grad erhitzt. So bleiben zwar die gesunden Bakterien erhalten, aber möglicherweise werden krankmachende Keime wie Salmonellen oder Campylobacter auch nicht abgetötet. Deshalb sollten ältere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere und Neugeborene darauf verzichten. Der Verzehr von Rohmilch scheint das Allergierisiko bei Kindern zu senken.

Frischmilch: Um Keime abzutöten, wird Frischmilch pasteurisiert. Dafür wird sie für bis zu 30 Sekunden auf max. 75 Grad erhitzt. Wertvolle Inhaltsstoffe bleiben weitestgehend erhalten. Gekühlt ist sie 7 bis 10 Tage haltbar.

Länger haltbare Frischmilch kann, wie der Name schon sagt, länger im Kühlregal bleiben. Sie wird meist für wenige Sekunden auf 127 Grad erhitzt. Im Kühlschrank ist sie bis zu drei Wochen haltbar.

H-Milch wird für kurze Zeit auf 150 Grad erhitzt. Dabei werden Keime abgetötet, aber es gehen auch Vitamine verloren. Sie ist bis zu fünf Monaten haltbar.  

Weidemilch
ist als Begriff lebensmittelrechtlich nicht geregelt. Eine freiwillige Vereinbarung aus dem Jahr 2015 legt fest, dass die Kühe an mindestens 120 Tagen im Jahr für mindestens sechs Stunden pro Tag auf einer Weide gestanden haben.

Heumilch bezeichnet Milch von Kühen, die keine Silage, sondern nur frisches Grünfutter, Getreide oder Heu fressen. Ob die Kühe auf der Weide oder im Stall stehen, darüber sagt es nichts aus. 

Was genau ist Laktoseintoleranz?

Eine Laktoseintoleranz ist die Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker. Der Grund: Bei Betroffenen fehlt das Verdauungsenzym Laktase, das den Milchzucker aufspaltet. Wer dennoch zu Milch, Quark und Co greift, kann von Magen- und/oder Darmschmerzen geplagt werden. Wer deswegen auf Milchprodukte verzichten sollte, sollte sich auch informieren, wie er dennoch mit allen Nährstoffen versorgt wird. Statt mit Kokosmilch kann etwa mit Sahne gekocht werden. Kalziumlieferant ist auch grünes Gemüse - wie Brokkoli oder Spinat. Hafer- oder Mandelgetränke sind auch mögliche Alternativen als Milchersatz. Eine Laktoseintoleranz wird in der Regel durch einen Atemtest diagnostiziert. Interessant ist auch, dass etwa nur die Hälfte derer, bei denen eine Laktoseintoleranz festgestellt wird, unter entsprechenden Symptomen leidet.

Frau trinkt Milch 6 min
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 28. Februar 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. März 2019, 09:56 Uhr

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