Moxa-Zigarre und Akupunkturnadeln
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Hauptsache Gesund | 19.04.2018 | 21:00 Uhr TCM: Den Menschen im Ganzen behandeln

Bei Traditioneller Chinesischer Medizin denken viele zuerst an Akupunktur. Doch die uralte Heilkunst umfasst weitaus mehr. Wir stellen die Grundlagen vor und erklären, wie mit einem glühenden Kraut behandelt wird.

von Claudia Hempel

Moxa-Zigarre und Akupunkturnadeln
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TCM steht für Traditionelle Chinesische Medizin – und die wird seit einigen Jahren immer populärer. Die Zahl der TCM-Praxen steigt rapide, ebenso die Zahl der Patienten, die Alternativen zur klassischen Schulmedizin suchen.

Anders als die westeuropäische Medizin betrachten chinesische Ärzte seit mehr als 2000 Jahren den Menschen ganzheitlich.  Dabei steht das "Qi" im Mittelpunkt, die Lebensenergie bzw. der Energiefluss im Körper. Wird das Qi in seinem Fluss gestört, wird der Mensch krank. Der Lehre der chinesischen Medizin entsprechend wird jeder Mensch individuell behandelt. So sind zum Beispiel die Symptome eines Reizdarms zwar ähnlich, doch die Ursachen können sehr verschieden sein. Aus diesem Grunde spielt die Diagnostik eine große Rolle. Die drei wichtigsten Arten sind Puls-, Zungen- und Gesichtsdiagnose. Eine ausführliche Diagnose kann unter Umständen zwei bis drei Stunden dauern.

Die Pulsdiagnostik

Eine TCM-Ärztin misst den Puls einer Patientin.
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Der chinesische Arzt unterscheidet  28 verschiedene Pulse und findet so Disharmonien in der Lebenskraft. Der Patient sollte während der Pulsdiagnostik sitzen und sein Unterarm ruht auf einem weichen Kissen in Herzhöhe. Am Handgelenk gibt es drei verschiedene Stellen in unterschiedlichen Tiefen, die wiederum verschiedenen Organen zugeordnet sind.

Signale der Zunge

Im Gegensatz zum deutschen Hausarzt, der ja auch gelegentlich auf die Zunge schaut, ordnen die Traditionellen Chinesischen Ärzte den einzelnen Zungenbereichen Körperorgane zu: Auf der Zungenspitze ist das Herz, dicht gefolgt von der Lunge. Gallenblase und Leber befinden sich an den äußeren Rändern, in der Mitte liegen Milz und Leber. Dem hinteren Zungenteil sind Niere, Blase und Darm zugeordnet.

Die gesunde Zunge ist blassrot gefärbt und hat keinen Belag. Eine belegte Zunge gilt als Zeichen einer inneren Störung. Aus mundhygienischen Gründen kann man den Belag auch mit einem Zungenschaber entfernen, um den Mund frei von Bakterien und anderen Keimen zu halten. Allerdings kann das nur eine Zwischenlösung sein, denn letztlich gilt es in der Traditionellen Chinesischen Medizin, die Ursache für die belegte Zunge zu finden.

Gesichtsdiagnose

Den verschiedenen Bereichen des Gesichts sind die fünf Elemente zugeordnet: Feuer der Stirn, Erde der Nase, Holz und Metall den Wangen und Wasser dem Kinn. Nun betrachten chinesische Ärzte genau die einzelnen Bereiche – eine gelbe Gesichtsfarbe kann beispielweise auf ein schwaches Verdauungssystem hinweisen. Augenringe deuten auf ein geschwächtes Nieren-Qi, rissige Lippen auf einen trockenen Magen hin.

TCM bei einem Bandscheibenvorfall

Natürlich kann auch die traditionelle chinesische Medizin keine Abnutzungen wiederherstellen. Auch eine TCM-Behandlung kann zum Ergebnis kommen, dass operiert werden muss. Das klärt man bei einem Orthopäden über ein bildgebendes Verfahren ab.

glühende Moxa-Zigarren, Akupunkturnadeln und das Modell eines Ohrs, auf dem Akupunkturpunkte markiert sind
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Die meisten Bandscheibenvorfälle müssen glücklicherweise nicht operiert werden. Hier kann die Traditionelle Chinesische Medizin helfen. Die Akupunktur und die Moxibustion haben sich hierbei als besonders hilfreich erwiesen. Moxibustion ist eine weitere Therapieart in der TCM. Dabei wird eine Zigarre aus Moxa, einer chinesischen Beifussart über einem Körperpunkt abgebrannt, der parallel auch mit mit Akupunktur behandelt wurde. Auf diese Weise wird ein zusätzlicher Wärmereiz gesetzt.

Auch die sogenannte Tuina-Massage hilft bei einem Bandscheibenvorfall. Der Begriff  setzt sich aus zwei chinesischen Wörtern zusammen: "tui" ("schieben, drücken") und "na" ("greifen"). In diesen Griffkombinationen werden also verschiedene manuelle Techniken angewandt, um Linderung zu verschaffen.

Zwischen der fünften bis zehnten Behandlungseinheit spüren die Patienten eine Verbesserung. Danach empfiehlt der TCM-Arzt aber noch weitere Behandlungen in einem Abstand von circa einem Vierteljahr. Damit wird die Region um die Lendenwirbelsäule und insbesondere die betroffene Bandscheibe stabilisiert. Sehnen und Bänder werden gestärkt. Es wird den Patienten immer empfohlen nach einiger Zeit eine Wiederauffrischung zu machen, vor allem, wenn sich etwas bemerkbar macht!

Ein Heilpraktiker mit chinesischem Professorentitel

1977 kam der heute im bayerischen Kulmbach praktizierende Dietmar Kummer das erste Mal nach China. Die Suche nach Pflanzen für das Ökologie-Studium hatten ihn dorthin geführt. Dabei fragten ihn die Menschen: "Willst du wissen, wie Pflanzen heilen?" Er wollt. "Für welche Krankheit?", fragten sie ihn weiter. "Für Rheuma", antworte er. Doch damit gaben sie sich nicht zufrieden. "Welches Rheuma? Kaltes oder heißes Rheuma?", lautete die nächste Frage – die Dieter Kummers Leben in eine neue Bahn lenkte: "Von da an hatte es mich gepackt",  sagt er heute. "Ich hatte keine Ahnung, was heißes oder kaltes Rheuma sein sollte und begann mich, mit der Traditionellen Chinesischen Medizin auseinanderzusetzen." An zahlreichen Universitäten studierte er, der Leibarzt des chinesischen Staatspräsidenten Mao Zedong war einer seiner Lehrer, mehrere Doktortitel erhielt er und einen Professorentitel der Universität Peking.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 19. April 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. April 2018, 22:18 Uhr