Kubebenpfeffer
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Hauptsache Gesund | 06.12.2018 | 21:00 Uhr Vergessene Gewürze: Galgant und Kubeben-Pfeffer

Gewürze verfeinern – und heilen. Ihre Heilkraft wurde schon von Hildegard von Bingen oder Theophrastus Bombastus erforscht. Sie beschäftigten sich mit heute fast vergessenen Gewürzen wie Galgant oder Kubebenpfeffer.

von Matthias Toying

Kubebenpfeffer
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Die meisten Gewürze in unserer heimischen Küche stammen aus fernen Ländern. Zimtbäume zum Beispiel wuchsen ursprünglich nur im heutigen Sri Lanka. Unseren schwarzen Pfeffer fand man einst in den Wäldern Südindiens. Selbst Knoblauch wuchs zuerst nur im Gebiet von Zentralasien und im Iran. Händler brachten die begehrten aromatischen Pflanzenteile nach Europa, meist in getrockneter Form. Manche Geschäftsleute wurden dabei reich. Sie achteten nämlich darauf, nur solche Gewürze zu importieren, die sie hierzulande besonders gewinnbringend verkaufen konnten. Aus diesem Grund wurde sie oft auch als "Pfeffersäcke" bezeichnet.

Herrschte Krieg, hatten die Leute andere Sorgen als exotische Gewürze zu verwenden. Auch Naturkatastrophen oder Handelsbeschränkungen begrenzten die Einfuhr. Erst seit einigen Jahren, im Zeitalter von Internet und Fernreisen, wächst das Interesse an exotischen Speisen und den dazu gehörenden Zutaten wieder rasant. So entdecken wir Gewürze, deren Geschmack und deren heilende Wirkung unsere Vorfahren längst kannten und nutzten.

Galgant: Gefälliger Verwandter des Ingwers

Portrait von Hildegard von Bingen, Wandmalerei im Kloster St. Hildegard in Rüdesheim am Rhein
Hildegard von Bingen Bildrechte: imago/McPHOTO

Wer in Thailand oder Indonesien Urlaub macht, dem wird diese blassgelbe Wurzel sicher schon begegnet sein. Man findet sie dort auf jedem Gemüsemarkt. Bei uns ist sie dagegen kaum zu finden. Da muss man schon in einen der sogenannten Asia-Shops gehen, um frischen Galgant zu kaufen. Umso überraschender ist es, dass unsere Vorfahren im Mittelalter diese Pflanze bereits kannten und verwendeten. Hildegard von Bingen (1098–1179), die bekannte Äbtissin, Heilkundige und Verfasserin bedeutender Schriften ihrer Zeit, beschrieb die heilende Wirkung so: "Wer im Herzen Schmerzen leidet und wem von Seiten des Herzens ein Schwächeanfall droht, der esse sogleich eine hinreichende Menge Galgant und es wird ihm besser gehen. Und ein Mensch, der ein hitziges Fieber in sich hat, trinkt Galgantpulver in Quellwasser und er wird das hitzige Fieber löschen."

Galgantwurzel
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Auf ihrem Kräuterhof im sächsischen Falkenhain beschäftigt sich Grit Nitzsche mit dem Anbau, der Verarbeitung und der Wirkung von Gewürzen. Im Verlag für die Frau sind auch mehrere Bücher von ihr zu diesem Thema erschienen. Sie möchte Galgant wieder ins Bewusstsein zurückholen: "Ich persönlich mag Galgant lieber als Ingwer.", meint sie: "Der Geschmack des Galgant drängelt nicht so vor. Er schmeckt runder, weicher, hat nicht so eine spitze Schärfe. Galgant fügt sich auch besser in Gewürzmischungen ein." In ihren Kräuterkursen erlebt sie regelmäßig, dass anfangs skeptische, aber grundsätzlich interessierte Hausfrauen und Hausmänner die Vorzüge des Galgant gegenüber dem Ingwer erkennen und schätzen lernen: "Er passt zu vielen Gerichten in der winterlichen Küche. Ein Milchreis mit Früchten erhält eine gewisse angenehme Schärfe durch Galgant." Auch der winterliche Ingwer-Tee könne zur Abwechslung einmal mit Galgant zubereitet werden. Er wärme nicht nur, sondern wirke förderlich für die Gesundheit. Am besten merke man sich das mit der "Drei – SCH – Regel": SCHwindel, SCHwäche; SCHmerz, ausgehend vom Herz".

Tipp Wer frischen Galgant nicht innerhalb von zwei bis drei Tagen aufbraucht, kann ihn im Tiefkühlfach aufbewahren. Die Wurzel trocknet sonst schnell aus und verliert an Aroma. Vor erneutem Gebrauch sollte er dann über Nacht langsam aufgetaut werden.

Kubeben-Pfeffer: Heilpflanze des Jahres 2016

Kubebenpfeffer
Kubeben-Pfeffer wird auch Stielpfeffer genannt. Bildrechte: imago/blickwinkel

Seit 1990 wird in Deutschland jährlich ein Gewächs gekürt, das ursprünglich wegen seiner heilenden Wirkung bekannt war, heute aber leider fast vergessen ist. 2016 war das der Kubeben-Pfeffer. Seine Beeren sind ein bisschen größer als gewöhnliche Pfefferkörner, gehören aber zur Familie der Piperaceae (Pfefferpflanzen). Man erkennt sie an kleinen Stielen an jedem Korn, weshalb diese Sorte auch "Stielpfeffer" genannt wird.

Weltweit gibt es rund 1400 Pfeffersorten. Ihre Früchte sind der Teil, den wir zum Würzen verwenden. Man bekommt Kubeben-Pfeffer inzwischen in guten Gewürzhandlungen oder im Internet, seltener im Supermarkt. Man sollte ihn möglichst nicht in gemahlener Form, sondern ganz kaufen. Das gelte grundsätzlich für alle Gewürze, meint Grit Nitzsche: "Die Aromastoffe bleiben länger erhalten und damit auch die lindernde Wirkung auf den Organismus." Der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus e.V., beschreibt die Wirkung des Kubeben-Pfeffers auf die Gesundheit folgendermaßen: "Hilfreich gegen entzündliche und bakterielle Erkrankungen der Harnwege und als auswurfförderndes Mittel bei chronischer Bronchitis. Kaut man getrocknete Früchte, sollen Kopfschmerzen und Schwindel gelindert werden und eine Steigerung des Geschlechtstriebes erzielt werden."

Tipp Ein heißer Punsch aus Apfel- und Birnensaft, gewürzt mit Kubeben-Pfeffer und Galgant, Zimt und Gewürznelke. Süßen mit Honig, Zimt und Gewürznelke mit hinein. Warum beide Säfte mischen? Birnensaft allein ist etwas charakterlos und vor allem süß. Apfelsaft hat viel Säure. Beides gleicht sich gut aus. Grit Nitzsche meint: "Apfel und Birne sind wie Mann und Frau. Die gehören zusammen."

Gewürze in der Forschung

Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, experimentieren Wissenschaftler weltweit auch mit Gewürzen. Dabei werden neben Tierversuchen auch sogenannte klinische Humanstudien durchgeführt, also Forschungen an und mit Menschen. Das Ziel ist, die bekannten oder vermuteten positiven Wirkungen auf den menschlichen Organismus wissenschaftlich zu beweisen, nicht zuletzt im Interesse der Pharmaindustrie. So fand man beispielsweise an den Universitäten in Teheran und Bursa (Türkei) heraus, dass Ingwer und Thymian den Cholesteringehalt im Blut deutlich senken können. Die Probanden erhielten allerdings täglich Mengen verabreicht, die weit über das hinausgehen, was wir zum Würzen des Essens verbrauchen. Für Patienten mit hohem Blutdruck könnte eine Studie der Universität in British Columbia (Kanada) interessant sein. Dort erhielten freiwillige Probanden über zwölf Wochen täglich 200 Milligramm Knoblauchpulver. Das Ergebnis: der Blutdruck sank signifikant. Es gibt sogar Studien über die Behandlung von Krebs mit Hilfe von Gewürzen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 06. Dezember 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2018, 13:34 Uhr