Muster verschiedenfarbiger Teppiche
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Hauptsache Gesund | 14.03.2019 | 21:00 Uhr Versteckte Krankmacher

Der neue Teppich, Weichmacher im Essen oder die falschen Bakterien im Darm – versteckte Auslöser für Krankheiten können überall lauern. Die Symptome, die sie auslösen, sind vielfältig. Das erschwert die Diagnose.

von Katharina Jünemann

Muster verschiedenfarbiger Teppiche
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Ingrid Cermak fühlt sich plötzlich schlapp und krank. Jeder Schritt ist auf einmal unsicher. Die 67-Jährige bekommt Angst und spürt eine unangenehme Kälte in sich aufsteigen. Ist es der Kummer um ihren erst kürzlich verstorbenen Vater? Beine und Arme sind nun teilweise gelähmt.

Sie muss in die Klinik und kommt in die Neurologie des Sophien- und Hufeland-Klinikums in Weimar. Hier trifft Ingrid Cermak auf Chefarzt Dr. Rolf Malessa und ein Diagnosekrimi beginnt: Was ist wohl der Auslöser für Frau Cermaks Beschwerden? Dr. Malessa stellt die entscheidende Frage nach einem Haustier und trifft ins Schwarze: "Haben Sie Vögel?" Tatsächlich lebt seit kurzem lebt Hansi, der Wellensittich ihres Vaters, bei ihr. Er hatte sie mit gefährlichen Bakterien infiziert. Die sogenannten Chlamydien führten zu einer chronischen Infektion der Nerven und des Rückenmarks, was die Lähmungserscheinungen verursachte. Dr. Malessas Spürsinn rettete Ingrid Cermak das Leben. Heute ist sie wieder gesund, hat aber eine leichte Beinschwäche zurückbehalten.

Bei einer Infektion mit dem Erreger Chlamydia psytacci kommt es meist zu grippeartigen Symptomen. Schwere Lungenentzündungen oder Nervenstörungen sind eher selten. Vogelbesitzer sollten bei Beschwerden in jedem Fall ihr Haustier erwähnen.

Wenn Kopf, Rücken und Gelenke schmerzen

Derartig mysteriöse Fälle wie der von Frau Cermak gibt es in Dr. Malessas Sprechstunde viele. Beispielsweise einen sonst gesunden Mann im höheren Lebensalter, der plötzlich über schwere Migräneattacken klagte. Malessa hat gesucht und wurde fündig: Der Mann hatte seinen Rasen mit Nitratdünger behandelt und davon die schweren Kopfschmerzen bekommen.

Ebenso klagte ein 16-jähriger Jugendlicher über unklare Kopfschmerzen. Die Diagnose? Er litt an einer Wurmerkrankung. Auch können Lösungsmittel, Schwermetalle, Blutdrucksenker, Medikamente gegen Sodbrennen, Glutamat im Essen und Hot Dogs für Kopfschmerzen bis hin zu Migräne verantwortlich sein.

Ein Mann beugt sich nach vorn und hält sich die Hände auf das Kreuz.
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Rückenschmerzen und Probleme in den Beinen werden oft auf einen Bandscheibenvorfall geschoben. Aber die Auslöser sind vielfältiger Natur und Mikroorganismen wie Viren, Bakterien und Pilze können versteckte Krankmacher sein. Beispielsweise das Varizella-Zoster-Virus, welches Windpocken und die Gürtelrose auslösen kann. Eine Infektion mit dem Bakterium Campylobacter jejuni, ein Erreger für Durchfallerkrankungen, kann zu Nervenentzündungen führen und Darmbakterien zu wiederkehrenden Harnwegsinfekten.

Neben Keimen und Umweltgiften können auch Medikamente und Nahrungsmittel versteckte Krankmacher sein. Statine (Cholesterinsenker) können Muskelschmerzen verursachen, Antibiotika und Chemotherapeutika schädigen das Mikrobiom im Darm. Selbst die vitaminreiche Grapefruit, Joghurt und Lakritze vertragen sich mit vielen Medikamenten nicht. Fragen Sie dazu Ihren Arzt!

Parasiten im Körper

Illustration von Bandwürmern
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Der menschliche Körper trägt etwa zehnmal mehr Mikroorganismen auf und in sich, als er eigene Zellen hat. Schädigende Mikroorganismen wie beispielsweise Toxoplasmen, Herpesviren, Chlamydien und Bandwürmer finden sich als Parasiten bei jedem zweiten Menschen und können in seltenen Fällen zu schweren Krankheiten führen. Parasiten benötigen den Menschen als Wirt oder Zwischenwirt, um überleben und sich fortpflanzen zu können. Sie sind in der Lage, jahrelang im Körper zu verharren. Das Immunsystem wird geschwächt und Mikroentzündungen können entstehen. Der Körper bildet Antikörper und in der Folge können Immunerkrankungen der Schilddrüse und des Darms ausgelöst werden. Mikroorganismen können auch dahinterstecken, wenn Menschen grundlos dauerhaft depressiv sind oder an einer schizophrenen Psychose leiden. Mindestens 13 Erreger stehen im Verdacht, psychische Störungen oder Immunkrankheiten auszulösen.

Krankmacher in den eigenen vier Wänden

Versteckte Krankmacher finden sich oft dort, wo man sie gar nicht vermutet. Auch in den eigenen vier Wänden kann die Gefahr lauern: Wohnraumgifte wie Weichmacher, lösungsmittelhaltige Klebstoffe, Formaldehyd, Biozide und Flammschutzmittel können das Raumklima vergiften. Am häufigsten sind sie in Bodenbelägen zu finden. Über belastete Nahrungsmittel, Haut oder Atemwege gelangen sie in den Körper und könnenunter Umständen Kopfschmerzen, Atemnot oder Allergien. Manche Lösungsmittel stehen sogar in Verdacht Krebs auszulösen. Doch wie begegnet man Wohnraumgiften? Kräftiges Lüften mehrmals täglich mindert den Anteil der ungesunden Stoffe wirksam. Spezielle Luftreiniger entfernen neben Stäuben auch Lösemittel aus der Luft. Im Zweifelsfall sollte man den Teppichboden entsorgen.

Auch Gütesiegel wie der "Blaue Engel" bieten keine verlässliche Garantie für völlige Schadstofffreiheit. Eine Orientierung bieten sie trotzdem.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 14. März 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2019, 11:06 Uhr