Eine Krankenschwester kümmert sich um eine Patientin und gibt ihr Zuwendung indem sie ihre Hand hält.
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Hauptsache Gesund | 15.11.2018 | 21:00 Uhr Wie gerecht ist unser Gesundheitssystem für ältere Menschen?

Die Menschen werden älter. Darauf muss sich auch die medizinische Versorgung einstellen – und da gibt es noch viel zu tun. Wir klären über die Pflegegrade auf, geben Tipps für den Besuch des MDK und erklären, warum eine spezielle Altersmedizin immer wichtiger wird.

von Claudia Hempel, Matthias Toying und Malte Wilms

Eine Krankenschwester kümmert sich um eine Patientin und gibt ihr Zuwendung indem sie ihre Hand hält.
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Der Kampf um den Pflegegrad

Margarete Hinz ist seit Monaten nicht aus ihrer Wohnung gekommen. Ein Hüftschaden macht der 95-jährigen Bernburgerin das Treppensteigen unmöglich. Einen Fahrstuhl gibt es nicht im Haus. Zusätzlich leidet sie unter einer beginnenden Demenz. Mehrfach hat sie schon einen Topf anbrennen lassen. Einmal musste sogar die Feuerwehr kommen.

Vier Anträge auf Pflegeleistung hat sie gestellt. Alle wurden abgelehnt und das, obwohl sie nicht einmal die tägliche Körperpflege allein bewältigen kann. Nachbarn helfen, soweit es möglich ist und ihre Nichte schaut häufiger vorbei. Doch die tägliche Pflege, die ihre Tante bräuchte, kann die 70-Jährige nicht übernehmen, denn sie wohnt 120 Kilometer entfernt. Dreieinhalb Stunden ist sie allein für eine Strecke unterwegs.

Latexhandschuhe, Tabletten und Pflege-Utensilien
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Als letzten Strohhalm sozusagen hat Margarete Hinz eine gerichtlich zugelassene Rentenberaterin für Pflegefälle eingeladen. Die Beraterin überprüft den Gesundheitszustand von Frau Hinz und fertigt ein unabhängiges Gutachten an. Der letzte Versuch, doch noch Leistungen aus der Pflegekasse zu erhalten, hat offenbar gefruchtet: Frau Hinz bekommt seither Hilfe beim Ankleiden. Eine Pflegekraft schaut regelmäßig vorbei – doch sie kann nur wenige Minuten pro Tag bleiben, mehr wurde nicht bewilligt. So bleibt vieles unerledigt.

Es ist noch immer ein Nachbar, der einen Teil der häuslichen Pflege übernimmt. Margarete Hinz erhält zu wenig Hilfe, weil ihr nur Pflegegrad eins bewilligt wurde. Dabei werden alle Pflegetätigkeiten mit Punkten bewertet.

Ordnet man allen Verrichtungen die richtige Punktzahl zu, ist das Ergebnis ein höherer Pflegegrad. Im Fall von Frau Hinz Pflegegrad 2. Dann stünden fast 700 Euro monatlich zur Verfügung, statt 125 Euro wie bisher. In den Alltag der 95-Jährigen, zöge etwas mehr Bequemlichkeit und Menschenwürde ein.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 15. November 2018 | 21:00 Uhr