Alterstraumatologische Zentren – Neue Ideen für alte Menschen

Vor zwei Wochen stürzte Lothar Schöße in seinem Haus schwer und brach sich ein Bein. Einen Tag lang lag er zu Hause auf dem Boden, bis man ihn fand. Zusätzlich erlitt er ein Nierenversagen. Aus Sangerhausen wurde er nach Erfurt in ein Alterstraumatologisches Zentrum gebracht. Dort ist man spezialisiert auf solche Fälle.

Dr. Stephanie Schibur ist Oberärztin am dortigen Zentrum und hat als Unfallchirurgin auch immer die besonderen Herausforderungen im Blick, die in der Behandlung älterer Patienten bestehen:

Wir müssen annehmen, dass dieser Patient verstorben wäre. In der Konstellation, in der Schwere der Fraktur plus der Schwere der Grunderkrankung, die sich jetzt durch das lange Liegetrauma noch verschlechtert haben, ist die Prognose des Patienten ausgesprochen schlecht gewesen.

Zu seinem Glück werden in der Alterstraumatologie Patienten in enger Zusammenarbeit von Ärzten verschiedener Fachrichtungen betreut. Bei der Visite ist neben der Unfallchirurgin auch immer ein Geriater anwesend.

Ältere Menschen leiden oft an mehreren Krankheiten gleichzeitig, was Einfluss auf die Behandlung hat. Geriatrische Zentren sind notwendig, um sie bestmöglich zu versorgen. Mit seiner komplexen Erkrankung hätte Lothar Schöße in einer "normalen" Unfallchirurgie keine Chance gehabt.

Dass der Anteil der Älteren an der Bevölkerung zunimmt, stellt neue Anforderungen an die Kliniken, wie Dr. Stephanie Schibur erklärt:

Wie ein Kind kein kleiner Erwachsener ist, so ist der Greis nicht einfach ein alter Erwachsener. Das ist eine ganz eigene Gruppe. Der alte Mensch muss individuell behandelt werden, am besten in Zusammenarbeit mit Internisten, und zwar flächendeckend.

Doch genau die flächendeckende Behandlung ist ein großes Problem, denn es gibt viel zu wenig solcher Zentren. In ganz Thüringen beispielsweise sind es nur acht.

Für Patienten kann es aber über Leben und Tod entscheiden, ob in Notfall ein geriatrisches Zentrum zur Verfügung steht. Hinzu kommt, dass man für mehr Zentren mehr Geriater bräuchte, die es aber nicht gibt, wie Dr. Stephanie Schibur erklärt:

Der Geriater ist ein begehrter Internist auf dem Markt: Wir würden sofort welche einstellen, doch es gibt keine! Das heißt, wir müssen Ärzte ausbilden.

Denn, so Dr. Peter Koch-Gwinner, der als Geriater am Alterstraumatologischen Zentrum in Erfurt arbeitet:

Seit wir dieses Konzept konsequent betreiben, konnten wir die Sterblichkeitsrate fast halbieren, einfach weil eine gemeinsame Behandlung von Anfang an deutlich besser ist.

Lothar Schöße hatte also Glück im Unglück, dass er in ein Alterstraumatologisches Zentrum gebracht wurde. Dank der Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen konnte sein Leben gerettet werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 15. November 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2018, 10:12 Uhr