Hagebutten
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Hauptsache Gesund | 20.09.2018 | 21:00 Uhr Hagebutte, Sanddorn und Holunder: So gesund sind Wildfrüchte

Der Herbst ist die Hochsaison für Wildfrüchte. Hagebutten, Sanddorn oder Berberitzen punkten nicht nur mit strahlenden Farben. Sie übertrumpfen sogar ausgemachte Vitaminpakete wie die Zitrusfrüchte.

von Jörg Simon

Hagebutten
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Hagebutten: gehaltvolle Früchtchen

Beim Vitamin-C-Gehalt liegt die Hagebutte mit 1250 Milligramm pro 100 Gramm Fruchtfleisch ganz weit vorn. Kaum eine andere Frucht erreicht so einen hohen Wert. Hagebutten sind die Früchte verschiedener Rosenarten. Sie können hellorange, dunkelrot oder schwarz aussehen, kugelig oder eiförmig, glatthäutig oder stachlig sein. Genießbar und gesund sind sie alle, giftig ist keine. Die Früchte reifen meist im späten September und können bis in den Oktober hinein geerntet werden. Getrocknete Hagebutten werden als Tee verwendet. Hagebutten-Tee ist leicht harntreibend, wirkt abführend und unterstützend bei Nierenleiden und Erkältungen empfohlen. Ein Pulver aus Hagebutten soll zudem gegen Arthroseschmerzen wirken, wie zwei skandinavische Studien gezeigt haben.

Zwei Gläser mit Hagebuttentee und Hagebutten auf einem Holztablett
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Aus frischen Früchten lässt sich Mark gewinnen, das man zu Marmeladen, Fruchtaufstrichen oder Würzsaucen weiterverarbeiten kann. Der volle Vitamin-C-Gehalt lässt sich aber nur genießen, wenn die Früchte möglichst frisch gegessen werden. Dafür sollten Sie allerdings sorgfältig die mit feinen Härchen besetzten Kerne entfernen: Vielerorts kennt man das Innere der Hagebutte noch als "Juckpulver".

Sanddorn: die Zitrone des Nordens

Viele Gartenbesitzer mögen Sanddorn nicht besonders. Wo er einmal wächst, bekommt er Beine, sagt man. Der Strauch kann bis zu zwölf Meter lange Wurzeln in die Breite treiben und damit zum Beispiel Gehwegplatten oder Terrassen-Fundamente anheben. Die Eigenart des Sanddorns, seine gesamte Umgebung zu durchwurzeln, macht man sich andererseits zunutze, wenn es gilt, Dämme, Dünen oder Uferböschungen zu befestigen.

Sanddorn
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Sanddorn gilt als sehr genügsam, er wächst auf Böden, auf denen sonst kaum etwas gedeihen will. Vor allem in Küstennähe von Nord- und Ostsee wird er gezüchtet, aber auch in Brandenburg und mittlerweile sogar in Sachsen-Anhalt. Den Beinamen "Zitrone des Nordens" verdient sich der Sanddorn mit einem Vitamin-C-Gehalt, der bis zum Zehnfachen über jenem der Zitrone liegt. Und das ist noch nicht alles – Sanddorn enthält auch reichlich Beta-Carotin, die Vorstufe des Vitamins A. Außerdem bietet er geringe Mengen an Vitamin B12. Das ist bemerkenswert, denn dieses Vitamin kommt sonst fast ausschließlich in Nahrungsmitteln tierischer Herkunft vor. Sanddorn bietet sich damit auch für Veganer an. Äußerlich angewendet, sollen Sanddorn-Produkte die Wundheilung beschleunigen. Heißer Sanddornsaft hilft bei Erkältungen.

Holunder: heilsame Farbstoffe

Der bis zu elf Meter hohe Holunderbaum bietet reichlich Stoff für Sagen und Legenden. Der Zauberstab von Professor Albus Dumbledore aus Joanne K. Rowlings "Harry-Potter"-Reihe etwa bestand unter anderem aus Holunderholz. Einen Holunder zu fällen, galt unseren Vorfahren als schwerer Fehler – schließlich nisteten in dem Baum die guten Geister.

Die reifen Früchte des schwarzen Holunder zur Sommerzeit
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Wird vom Holunder gesprochen, meinen wir im Allgemeinen den Schwarzen Holunder. In einigen Gegenden Deutschlands gibt es auch noch den Roten Holunder sowie den giftigen Zwergholunder oder Attich. Viele Pflanzenteile auch des Schwarzen Holunders sind zumindest schwach giftig. Die Früchte sollten also in jedem Falle erhitzt werden.

Für die Küche und die Hausapotheke nutzbar sind schon die Blüten des Schwarzen Holunders. Die großen, aromatisch duftenden Schirmrispen können in Teig ausgebacken oder zu Sirup verarbeitet werden. Ein Tee aus ihnen gilt als fiebersenkend und soll Herz und Kreislauf stärken.

Die schwarzblauen Beeren enthalten als Farbstoff so genannte Anthocyanidine, die als Radikalenfänger gelten und Zellschutz-Mechanismen im Körper unterstützen können. Der in manchen Gegenden als "Fliederbeersaft" verkaufte Holundersaft kann bei grippalen Infekten unterstützen. Manche Forscher versprechen sich von ihm sogar eine positive Wirkung bei Diabetes.

Vogelbeere

Vogelbeeren
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Die herben Beeren des Vogelbeerbaums gelten zu Unrecht als giftig. Tatsächlich bereiten sie, roh gegessen, höchstens Magenprobleme. Gekocht sind sie ohne Bedenken genießbar. Sie enthalten unter anderem Beta-Carotin, reichlich Vitamin C sowie den Zucker-Austauschstoff Sorbit.

Berberitze

Berberitzen
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Viele kennen den Berberitzenstrauch nur als Ziergewächs in Parks und Anlagen. In anderen Teilen Europas wird aus den Früchten traditionell unter anderem Berberitzenmarmelade zubereitet. Auch getrocknet werden die Früchte verwendet, etwa im Müsli. Wichtig: bis auf die reifen Früchte sind alle Pflanzenteile giftig. Wurzel und Rinde werden gegenwärtig in der Arzneimittelforschung auf eine mögliche Wirkung unter anderem bei Diabetes und Fettstoffwechselstörungen untersucht. Die Früchte haben einen hohen Ballaststoffgehalt, außerdem bieten sie reichlich Vitamin C sowie zellschützende Pflanzenfarbstoffe.

Bocksdorn: Superfood vom Straßenrand

Goji Beere
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Gojibeeren, auch "Chinesische Wolfsbeeren" genannt, sind Teil der asiatischen Küche und werden zudem in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet – angeblich bereits seit 5000 Jahren. In den letzten Jahren sind die Früchte auch bei uns zu großer Bekanntheit gelangt, sie gelten als "Superfood" mit besonderem Wert für die Gesundheit. Viele halten die Gojibeere für eine exotische Frucht – doch das stimmt nur bedingt.

Denn die Pflanze, von der die so geschätzten Früchte stammen, wächst inzwischen auch in Deutschland in vielen Hecken, auf Grünstreifen neben der Straße oder an Bahndämmen. Der Gemeine Bocksdorn, so sein vollständiger Name, gilt als sogenannter "Neophyt". Mit diesem Wort wird eine Pflanzenart bezeichnet, die eigentlich in unseren Breiten nicht heimisch ist, erst in neuerer Zeit zu uns gelangte und sich seitdem in Mitteleuropa ausbreitet.

Tatsächlich enthalten Gojibeeren wertvolle Polysaccharide, Carotinoide und Flavonoide. Diese Pflanzenstoffe sollen unter anderem Einfluss auf unser Abwehrsystem und unseren Fettstoffwechsel haben sowie Alterungsprozesse bremsen. Bei den häufig behaupteten Wunderwirkungen ist allerdings Skepsis angebracht. Sie sind wissenschaftlich nicht gesichert.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 20. September 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. September 2018, 10:32 Uhr