Aufgeschnittene Zitrusfrüchte
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Hauptsache Gesund | 15.11.2018 | 21:00 Uhr Zitrusfrüchte – gesund oder gefährlich?

Zitrusfrüchte sind ideale Vitamin-C Spender und fördern die Durchblutung. Doch nicht jede Zitrusfrucht ist ungefährlich. Wer Medikamente nimmt, zum Beispiel Cholesterinsenker, sollte vorsichtig sein.

von Claudia Hempel, Ulrike Heimes und Stefan Marx

Aufgeschnittene Zitrusfrüchte
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Muskelzerfall durch Grapefruit

Es kam wie aus heiterem Himmel: Plötzlich konnte sich Christa Gliesche kaum noch bewegen. In der oberen Leistengegend hatte sie unerträgliche Schmerzen. Jedes Bücken wurde zur Qual und selbst Sitzen war kaum noch möglich. Eigentlich konnte sie nur noch liegen.

Eine Blutuntersuchung zeigte schnell die Ursache ihrer Schmerzen: Ihre Muskeln zerfallen. Muskelzerfall ist eine mögliche Nebenwirkung ihrer Cholesterinsenker. Doch die hatte sie 20 Jahre lang gut vertragen. Genau das stimmt auch ihren Kardiologen, Professor Wolfram Terres nachdenklich: "Es ist es sehr unwahrscheinlich, dass eine Nebenwirkung nach so langer Zeit neu auftritt. Vielmehr muss also ein Faktor dazugekommen sein, der das hervorgerufen hat."

Eine Analyse des Ernährungsplanes kreist ziemlich schnell die Ursache ein: Grapefruits.

Eine halbe und eine ganze Grapefruit
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Christa Gliesche hatte genau zwei Wochen zuvor begonnen, die eigentlich gesunden Früchte zu essen. Jeden Tag eine Frucht. Was für Christa Gliesche kaum zu fassen ist – schließlich gelten Grapefruits doch als hervorragende Vitaminspender – kann Professor Martin Smollich als klinischer Pharmakologe erklären: "Die Grapefruit enthält Stoffe, die bestimmte Enzyme im Körper blockieren. Und das sind leider Enzyme, die auch Arzneistoffe im Körper abbauen." Dadurch verbleibt eine höhere Dosis Arzneistoffe im Blut als eigentlich vorgesehen. "Diese Gefahr ist gar nicht so gering. Es betrifft circa 40 Prozent aller Wirkstoffe", erklärt Professor Smollich.

Eigentlich steht alles, was man bei der Einnahme beachten muss, im Beipackzettel. Es lohnt sich also, ihn zu lesen. Fragen Sie außerdem immer den Arzt oder Apotheker nach möglichen Wechselwirkungen mit Lebensmitteln.

Vitaminspender mit Geschichte

Ursprünglich kamen Zitrusfrüchte vor circa 2.300 Jahren aus Asien nach Europa. Die alten Griechen brachten sie von ihren Feldzügen in den Mittelmeerraum, wo die Früchte bis heute prächtig gedeihen. Immergrünes Laub zeichnet die Pflanzen aus. Über Jahrhunderte hinweg waren sie deshalb ein Symbol für Wohlstand und immerwährenden Frühling. Selbst ein Zuviel des Guten gibt es bei ihnen nicht, wie der Ernährungswissenschaftler Dr. Carl Meißner weiß: "Bei Zitrusfrüchten ist es beinahe unmöglich, zu viel von ihnen zu sich zu nehmen. Im Extremfall würden wir ein Brennen hinter dem Brustbein spüren, eine Form von Sodbrennen. Doch da Vitamin C zu den wasserlöslichen Vitaminen zählt, kann es nicht überdosiert werden – eine zu große Menge scheiden wir einfach wieder aus."

Zitronenbaum
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Zitrusfrüchte gehören für uns längst zum Alltag und sind gut erforscht, und doch finden Wissenschaftler immer noch Neues über sie heraus. So konnten brasilianische Experten vor zwei Jahren zum ersten Mal nachweisen, dass das in den Früchten enthaltene Vitamin C bei Kopfschmerzen, Übergewicht und bei Fettleber hilft. Auch bei Patienten, die an der Grenze zwischen Leben und Tod standen, hat Vitamin C eine bemerkenswerte Wirkung, erklärt Dr. Carl Meißner: "In diesem Jahr wurden von einer österreichischen Arbeitsgruppe hochinteressante Studienergebnisse präsentiert. Man hat Patienten einer Intensivstation untersucht und ihnen unabhängig vom Krankheitsbild hochdosiertes Vitamin C gegeben." Es waren deutlich positive Effekte in der Rekonvaleszenz festzustellen. Der Patient kam schneller wieder zu Kräften und konnte die Intensivstation auch schneller wieder verlassen. "Ob es wirklich am Vitamin C lag, müssen weitere Untersuchungen zeigen, aber dass es Effekte gibt, das konnte nachgewiesen werden."

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Pressen Sie eine halbe Zitrone aus und geben Sie den Saft zu einem starken Espresso. Das klingt zwar nicht unbedingt schmackhaft, hilft aber.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 15. November 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2018, 10:13 Uhr