Hauptsache Gesund | 28.03.2019 | 21:00 Uhr Magenverkleinerung: Schlauchmagen gegen Adipositas

Mehr als die Hälfte aller Deutschen sind von Übergewicht betroffen. Einige von ihnen so stark, dass nur noch eine operative Magenverkleinerung in Frage kommt. Aufgrund zahlreicher Folgeerkrankungen stuft die Weltgesundheitsorganisation Fettleibigkeit mittlerweile als Krankheit ein. Letzte Chance: eine Schlauchmagen-Operation.

von Katharina Jünemann

Ein übergewichtiger Junge steht am 06.06.2015 am Badesee Nordstrand in Erfurt (Thüringen) am Wasser.
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Christian Kröber hat ein ausgefülltes Leben. Der 45-Jährige liebt seinen Garten, ist unternehmungslustig und seine zwei Hunde halten ihn auf Trab. Als Betreuer von behinderten Kindern geht er oft auf Waldspaziergänge oder ins Schwimmbad. Doch Christian Kröger fühlt sich nicht wohl in seiner Haut. Mit einem BMI (Body Mass Index) von über 40 und 140 Kilogramm Körpergewicht ist er in seinen Aktivitäten stark eingeschränkt. Wegen des starken Übergewichts leidet er zudem an Bluthochdruck und hat ein Bandscheibenleiden. Sein größter Wunsch ist es, einfach mit dem Fahrrad loszufahren oder sich die Schuhe zubinden zu können. Als Kind und junger Mann war der gelernte Bäcker ganz dünn, doch seit seinem 30. Lebensjahr wurde er immer dicker. Weder Diäten noch eine Ernährungsberatung haben geholfen. Nahm er fünf Kilogramm ab, hatte er wenig später doppelt so viel auf den Hüften. Im Jahr 2017 beantragte Christian Kröber dann die Kostenübernahme für eine Magenverkleinerung mit einer Schlauchmagen-Operation bei seiner Krankenkasse und ein kleiner Kampf um die Bewilligung begann. Trotz psychologischen Gutachtens, der Motivation zu Sport und einer Ernährungsumstellung erhielt er mehrere Ablehnungen. Ende 2018 bekam er die erhoffte Bewilligung dann doch und konnte im Februar dieses Jahres von Professor Frank Benedix an der Uniklinik in Magdeburg operiert werden.

Eine Frage der Überzeugung

Dicker Bauch mit gespanntem Hemd eines Mannes mit Übergewicht
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Eine Operation zur Magenverkleinerung kommt nur dann in Frage, wenn der Antragsteller seine unbedingte Bereitschaft für eine positive Veränderung seiner Lebensgewohnheiten erkennen lässt und mindestens zwei bereits gescheiterte Diäten oder Kuren hinter sich hat. Laut Bundessozialgericht erfolgt die Kostenübernahme einer Adipositas-Operation durch die gesetzlichen Krankenkassen nur als "Ultima ratio", also wenn nichts anderes mehr hilft. Vor allem wegen der hohen Folgekosten zögern die Krankenkassen bei einer Bewilligung der Kostenübernahme. Des Weiteren muss der BMI über 40 liegen (Adipositas Grad 3) oder zwischen 35 und 40 (Adipositas Grad 2) mit zusätzlichen Erkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen oder Schlafapnoe. Eine Schwangerschaft oder eine Stoffwechselerkrankung dürfen nicht vorliegen. Der Antragstellung zur Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen müssen ein ärztliches Attest und verschiedene Unterlagen beigefügt werden. Darunter Bescheinigungen über die Teilnahme an Abnehmprogrammen und Sportkursen sowie ein Ernährungstagebuch. Um ernsthafte Bereitschaft zu zeigen, darf ein Motivationsschreiben nicht fehlen. Eine Operation sollte immer der letzte Schritt sein!

Pro & Contra Schlauchmagen

Sind die Kriterien für eine Adipositas-Operation erfüllt, stehen verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung. Am häufigsten werden das Magenband, der Schlauchmagen und der Magenbypass  angewendet. Bei der Schlauchmagen-Operation werden etwa drei Viertel des Magens operativ abgetrennt und somit das Fassungsvermögen von 1,5 Liter auf 50 bis 150 Milliliter verringert. Die Form des Magens erinnert nun an einen Schlauch. Zusätzlich werden hormonproduzierende Zellen im Magen entfernt. Die hormonellen Veränderungen zügeln den Appetit und wirken sich günstig auf Diabetes aus. Die durchschnittliche Gewichtsreduktion des Übergewichts liegt bei 50 bis 60 Prozent. Nachteile können Komplikationen mit undichten Operationsnähten, die Bildung von Gallensteinen aufgrund einer zu raschen Gewichtsabnahme und eine erneute Gewichtszunahme sein. Ein Schlauchmagen kann nicht rückgängig gemacht werden!

Operation
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Bei der Entscheidung für oder gegen eine Magenverkleinerung ist es wichtig, die Vor- und Nachteile eines Eingriffs genauestens abzuwägen. So war es auch bei Yvonne Stadtmüller. Bei der heute 34-Jährigen führte Professor Benedix vor 1,5 Jahren eine Schlauchmagen-Operation von durch. Vor dem Eingriff wog sie 160 Kilogramm bei einem BMI von 60. Sie hatte Bluthochdruck, schlechte Blutwerte und Symptome eines Herzinfarktes. Ihre letzte Chance sah sie daher in der Operation. Zwar hat sie diese gut überstanden, allerdings musste sie nach dem Eingriff wiederbelebt werden. Bei ihrem hohen Körpergewicht konnte die Narkose nicht richtig dosiert werden. Yvonne Stadtmüller sagt: "Ich bin für mein neues Leben gestorben." In den ersten Tagen nach dem Eingriff durfte sie nichts essen. Schluckte sie beim Trinken zu viel Luft, dehnte das den Magen und sie hatte Schmerzen. Eine zweiwöchige Suppenphase folgte. Dazu wurde die Suppe vorbereitend zu Eiswürfeln gefroren. Pro Mahlzeit schaffte Yvonne Stadtmüller nur drei aufgetaute Würfel. Danach kam eine zweiwöchige Breiphase, bevor sie endlich eine halbe Scheibe Toast essen durfte. Anfangs fiel es ihr schwer, nicht ans Essen zu denken. Doch die Pfunde purzelten und das stimmte sie positiv. Yvonne Stadtmüller musste lernen, was sie verträgt und wovon sie wie viel essen kann. Vor allem Eiweiß steht auf dem Speiseplan. Heute wiegt die gelernte Kfz-Mechatronikerin 97 Kilogramm und ist wieder unternehmungslustig und aktiv. Noch in diesem Jahr will sie weitere 20 Kilogramm abnehmen. Dann hat Yvonne Stadtmüller ihr persönliches Ziel erreicht. An der Uni Magdeburg hat sie eine Selbsthilfegruppe mit ins Leben gerufen und hilft anderen bei der schwierigen Beantragung der Operation bei der Krankenkasse.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 28. März 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2019, 09:21 Uhr